Frankensteins Horrorklinik


‘The Operation is a Success ... When the Patient Dies’


Originaltitel: Horror Hospital (1973) Regie: Antony Balch
Drehbuch: Antony Balch & Alan Watson
Darsteller: Michael Gough, Robin Askwith, Vanessa Shaw FSK: 16


"Down to ride to the bloody end,
just me and my girlfriend, me and my girlfriend."

“Jason, geh doch auf eine Gesundheitsfarm. Ein paar Tage nur. Dann kannst du wieder.“
“Ich bin doch nicht impotent. Das weißt du doch am Besten, Süße.“

Rockrüpel Jason hat den Lümmel krumm und braucht dringend Urlaub. Da kommt ihm folgendes Zeitungsinserat eines gewissen Dr. Frankenstein, der uns im Vorspann bereits als zwielichtiger Passagier einer Automobil-Guillotine vorgestellt wurde und sich kurioserweise kleidet, wie die Böse Hexe des Ostens™, gerade recht:

Zitat: “Wollte nur nachfragen,
wer hier so unverschämt spritzt!“
“Liebesspiele unter 30! Sexfarm! Sonne und Milch macht müde Männer munter! Liebesspiele bei offenem Fenster!“

Wenn das nicht nach vielversprechender Poesie klingt. Hinein in den Vergnügen und mit dem Fummelzug raus aufs Land, für zwei Wochen Spaß in des Doktors Orgel-Oase. Allein ist das natürlich nur halb so schön, weswegen Jason unterwegs eine junge Mitreisende fix dank dummdreister Sprechogramme um den Finger wickeln kann:

“Nana, schnappen sie nicht ein, ich werd‘ sie nicht gleich vergewaltigen… Ich will sie wirklich nicht auf die Nudel rollen!“
“Entschuldigen sie, ich werd‘ immer gleich verlegen bei solchen Ausdrücken.“

Aber, aber. Der Jason ist doch’n ganz lieber. Er macht zwar den Eindruck, als hätten Olli Kahn und Dr. Zaius vom Planet der Affen ein Kind mit Alf-Synchro in die Welt gesetzt, aber seine kecke Art und sein lebensfreudiger Enthusiasmus sind extrem virulent:

“Darum fahre ich zur Brittlehurst Farm.“
“Fabelhaft! Wir haben das gleiche Ziel.“
“Ach sie auch?“
“Jaaa, Dr. Frankenstein inseriert. Heißen Urlaub nennen sie’s. Ist so ’ne Art Fitnessfarm. Zwei Wochen will ich dort bleiben und mich anständig ausbumsen.“

It's evolution, baby!

Ein charmanter Plan und da die junge Lady namens Judy dem stürmischen Sprücheklopfer längst verfallen ist, erzählt sie ihm gleich noch ihre gesamte Lebensgeschichte feat. the fact, dass ausgerechnet ihr Erbtantchen Inhaberin jenes Etablissements ist, das Dr. Frankenstein für seine Sperenzchen nutzt. Na dann kann man sich ja jetzt auch offiziell das ‘Du‘ und den Schoß anbieten!

“Ich würde viel geben für was Warmes im Leib.“
“Jetzt gleich?“
“Ich meine Tee mit Rum!“
“Oh, na selbstverständlich!“

Entgegen des Versprechens der Repräsentanten des fragwürdigen Sonder-Spitals, werden die beiden nicht von der Station abgeholt und müssen, nachdem sie dem verdächtigen Bahnhofsvorsteher ihre Tickets gezeigt haben (Auf dem Zielbahnhof! Was sind das nur für barbarische Sitten?), im tropfnassen Regen den halben Weg zu Fuß nehmen. Nur den halben? Ja, denn hier warten zwei finstere Helm-Gestalten in schwarzem Leder auf Motorrädern am Wegesrand. Situationen wie jene, würden in jedem anderen Horrorfilm wie folgt enden:

Uh oh...

a) die bedrohlichen Leder-Biker starren die beiden wortlos an, ridern dann bedeutungsschwanger von dannen und hinterlassen den Furzgeruch eines bösen Omens,
b) die beiden Sturmtruppler röhren mit ihren Maschinen und leiten eine halsbrecherische Verfolgungsjagd durch das Unterholz ein, bei welcher Jason und Judy sich nur mit Müh und Not in ein gruseliges Gebäude (hier Doc F.’s Sex-Reha) retten können
oder c) eine Horde Zombies kommt, frisst die Hälfte auf und jagt die andere Hälfte davon. (zeitgenössische Variante, 2002-2013)

Alles falsch! Bei ‘Frankensteins Horrorklinik‘ geschieht folgendes:

d) die beiden Ankömmlinge setzen sich rotzfrech hinter die beiden Biker und lassen sich zum Ziel kutschieren!

“Es geht um diesen heißen Urlaub.“
“Wie heiß hätten Sie’s denn gern?“
“Körpertemperatur.“

In Frankensteins Horrorklinik angekommen, deucht dem jungen Paar schnell, dass dies nicht die fesche Juckelbutze ist, die im Inserat angepriesen wurde. Dr. Frankenstein entpuppt ich als bierernster Mad Scientist im Kassen-Chopper und Judys Tante als garstige Spinster-Braut mit Puffmutter-Vergangenheit. Ein sleaziger Zwerg, der kurioserweise sämtliche körperlich aufwändigen Angelegenheiten des Hauses erledigt, dient als Concierge, in Blut getränkte Bettwäsche wird in Gegenwart der neuen Gäste entsorgt und am Abendbrottisch nippen offensichtlich lobotomisierte Kreideköppe an mit Drogen angereichter Waldmeisterbrause. Oder um es mit Jason zu sagen:

“Was zum Teufel ist das für’n Puff hier?“
“Sie sollten sich etwas gewählter ausdrücken, junger Mann!“ (sagt ausgerechnet die
Puffmutter a.D.!)


Wo sind nur Knollo, Defifé, Masine und Schlapper, wenn man sie braucht?!
(If you actually get this reference, you are very close to my heart and I will marry you!)

All diese durchaus nachvollziehbaren Gründe, das schlecht getarnte Gruselkabinett schnellstmöglich hinter sich zu lassen, reichen den beiden Lovebirds jedoch nicht, schließlich gilt es erst mal, sich näher kennenzulernen, zu duschen und zu knutschen und Judys Stöhnsynchro™ zu lauschen. Doch der Horror rollt auf krausen Sohlen durch die Anstalt und hat mit dem Paar längst zwei neue Versuchskaninchen gefunden...

“Ich wollte endlich einem Menschen zwei Köpfe aufsetzen… Und tat es auch!“

ER HIER! (ist übrigens auch sein Rollenname... glaub ich.)
Okay, okay, okay. Ich hätte mir das ganze mit Dialogen getränkte Inhaltsgefasel auch sparen, und das Plakative mit dem Praktischen verbinden können, indem ich hier einfach folgenden Austausch zitiert hätte:

“Was wird hier gespielt?“
“Ich glaube etwas ganz verrücktes. Wichtig ist, dass wir erst mal hier rauskommen. Das reinste Irrenhaus mit einem verrückten Doktor und seinem Weib. Machen Gehirnwaschungen oder so was ähnliches. Ich weiß nur nicht, warum. Bin auch schon halb verrückt.“

Aber nur selten bietet ein Streifen derartig unterhaltsame Steilvorlagen zur genüsslichen Flausen-Zelebration. In punkto Dramaturgie und Grusel-Potential liegt hier so viel schief, dass der Turm von Pisa im Vergleich wie ein vertikales Eichmaß daherkäme, aber die allgemeine Sinnfreiheit trägt mehr zur Unterhaltung bei, als es sich die meisten Fans solcher Filme erhoffen könnten.
‘Frankensteins Horrorklinik‘ - Ein Titel, der amüsiertes Kichern und leichte Zweifel an dessen Authentizität gleichermaßen folgen lässt, nicht zuletzt, weil der Film aus einer Zeit stammt, als jedem zweiten Genre-Streifen unsinnige Zusätze a la "Django", “Zombie“, “Is ja Irre“, “Report“ oder eben “Frankenstein“ verpasst wurde. Apropos: Verpasst wurde auch die Chance, den Film ’Frankensteins irrer Zombie-Report’, und Jason einfach ’Django’ zu nennen und alle diese Trends unter einen Hut zu bringen. Hätte inhaltlich nämlich genau so funktioniert wie ’Frankensteins Horrorklinik’.

Der Kleine sorgt für großes Kino

Wo sonst bekommt man einen Mad Scientist im Rollstuhl, dessen Vorgeschichte in einer unglaublichen Rückblende (natürlich untermalt von stilechten Gewitterblitzen vorgetragen) davon berichtet, wie er schon zu Stalins Zeiten in die Dienste Pawlows (!) kam, wo er erste Experimente versuchte, sich später an Tierversuchen übte und letztlich zu der Überzeugung kam: “Meine Weisheit braucht jetzt neue Nahrung! ICH MUSS MENSCHEN HABEN!“ Ganz Recht, Freunde: Nirgendwo außer hier!

“Ich nutzte die Pawlow-Theorie der gesteuerten Reflexe. Ich wollte Sigmund Freud widerlegen. Es gelang mir im sexuellen Bereich.“

Michael Gough: All grim, no laugh
Der großartige Michael Gough, dem breiten Publikum eher als sympathischer Butler Alfred (’Batman’) oder bröseliger Wissenschaftler Dr. Flammond (’Top Secret’) begannt, spielt hier völlig gegen diesen Strich ein sauertöpfisches Scheusal, dessen Maskerade keine Gefühlsregung zulassen will und nur hin und wieder dezente Schauer sadistischer Schadenfreude durchscheinen lässt. Auf der anderen Seite haben wir Robin Askwith (’Queen Kong’), sleazebübischer Rowdy durch und durch, bei dem Emotionen quasi im Sekundentakt herausgekotzt werden, meist unterstützt durch die phantastische deutsche Kalauer-Synchro courtesy of Tommy Piper.

“Es ist ganz einfach. Ich grabe einen kleinen Tunnel in das Gehirn, beseitige ein paar Zellen, pflanze andere ein und mache ihn mir gefügig. In drei Wochen kann ich einen kleinen Hund aus ihm machen oder… einen Gott.“

Jeder andere hätte die Hose voll.
Django Jason klebt einfach 'nen Patch drauf.
Oberflächlich gesehen könnte man den vorliegenden Film als Vintage-Horrortrash mit extremer Spruchdichte aburteilen und trotzdem noch eine Empfehlung geben. Aber die Konfrontation zwischen dem absolut bierernsten Wahnfried (der selbst keine Miene verzieht, als er in der lokalen Turnhalle seine ferngesteuerten Zombies Flickflacks per Knopfdruck vorführen lässt) und dem tolldreisten Prolo-Schwengel (der selbst auf der Flucht in Todesgefahr einfach mal auf ein herumstehendes Kuchenblech greift, um sich ein Stück Torte zu schnappen) und die daraus resultierende Stimmung verpassen ’Frankensteins Horrorklinik’ einen relativ einzigartigen Charme. Und ja, alles ist relativ, in einem Film, in dem eine Schmorgurke in Menschenhaut lobotomisierte Frauen sexuell belästigt und sie bei lautstarker Defensive mit seiner Reitpeitsche gefügig macht.

See you at the Drive-In, folks!



PS: Der italienische Titel des Filmes ‘Diario proibito di un collegio femminile’ übersetzt sich als ’Das verbotene Tagebuch eines Mädcheninternats’, was mindestens genau so viel Sinn macht, wie der alternative US-Titel ’Computer Killers’.

PPS: SPOILER(ish)! Filmhistorisch scheint ’Frankensteins Horrorklinik’ insofern von Bedeutung zu sein, dass dies möglicherweise der einzige Film ist, dem (trotz originellem Schurken) ausnahmsweise mal verdientermaßen das Frankenstein-Label verpasst wurde und dessen Titelschurke nicht nur der Wissenschaftler, sondern auch gleichzeitig das Monster ist. Zitat: “Es ist Frankenstein… DAS MONSTER!“

PPPS: Diesen detailierten Einblick in die Morgengymnastik der Anstalt in bester 'Medizin nach Noten'-Tradition will ich Euch nicht vorenthalten.































Hudson