Fünf Jahre FilmFlausen - Der Wahnsinn nimmt kein Ende
                          





FilmFlausen.de





„You'll never find your gold on a sandy beach
You'll never drill for oil on a city street
I know you're looking for a ruby in a mountain of rocks
But there ain't no coupe de ville hiding at the bottom of a cracker jack box(Yes, there is!)
Meat Loaf - Two out of three aint bad

Zwei von dreien, das wär sogar Spitze. Aber im Leben eines Filmfreundes, besonders der Anhänger des Genrefilms, ist die tatsächliche Quote viel, viel schlechter.

Die Glotze ist an allem schuld.
(Außer bei Spooner. Der wurde als Mad Scientist geboren.)
Dass wir (und damit sind zunächst nicht speziell wir Flausköppe, sondern alle Freunde des Spartenkinos gemeint) dennoch beharrlich weitermachen und nicht irgendwann über einen Interessenwechsel nachdenken, hat viele Beweggründe. Und die reichen oft weit, weit zurück. Bei uns waren es die Lichtspieltheater der Jugend, die Flimmerstunde und dieses eine Mal, als Oma Hänschen Rosenthal ’nen alten Mann hat sein lassen und uns tatsächlich ’Das Krokodil und sein Nilpferd’ am Samstagabend hat sehen lassen. Dank Omas Gutmütigkeit kam man später in den Genuss von ’King Kong’ und ’Herkules - Schrecken der Hunnen’. Dank des Leichtsinns unserer Eltern stand Ende der Achtziger eine alte S/W-Glotze im Kinderzimmer. Jeden Montagabend gab es vor dem Schlafengehen (mit Erlaubnis) ’Raumschiff Enterprise’ und ’V-Die Außerirdischen Besucher kommen’, donnerstags (heimlich) irgendwelche Krimiserien (’Spenser’, ’Hunter’, ’T.J.Hooker’) und weil Papa kürzlich einen Videorekorder erstanden hatte, konnte man am Freitag nach der Schule den aufgenommenen FilmFilm vom Vorabend anschauen. ’Ghostbusters’, ’Crocodile Dundee’ und diese drei Streifen mit dem Bösewicht in der schwarzen Ameisenkopp-Maske, den weißen Roboter-Soldaten und dem brüllenden Affen (Schulhofdiskussion am nächsten Montag: “Wen fandest du am besten?“ “Den Typen dem der Affe gehörte.“)

Zoomen wir vor der drohenden Nostalgie-Eskalation ein kleines Stückchen aus diesem Rückblick raus und geben zu, dass wir uns von retrospektiver Verklärung und persönlichen Vorlieben viel zu oft blenden lassen¹. Die leichtfertigsten, enthusiastischsten Filmliebhaber sprechen schon von ’Klassikern’, nur weil jene Filme im Fernsehen rauf und runter liefen, als ihnen die ersten Haare aus der Scham sprossen. Den Abgebrühtesten gelingt es, jeglichen persönlichen Ballast mit Leichtigkeit abzuschütteln, sich unbeirrt einer Analyse im filmhistorischen Kontext hinzugeben und ein nüchternes Fazit zu geben. Wo steht da FilmFlausen?
Hm, wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, aber spiegelverkehrt und eigentlich janz weit draußen.

Alles nur Spaß, bis einer sich wehtut!
(Frühes Artwork, abgelehnt und weggeschmissen)
Wenn wir (und ab jetzt sind tatsächlich wir Flausköppe gemeint) eine Rezension verfassen, picken wir heraus was uns gefällt, was euch gefallen könnte, was unserer Ansicht nach daneben ist und an besonders guten Tagen versuchen wir sogar zu erläutern, warum.
Seit dem Anbeginn der Seite steht in der knappen Erklärung zu unserer ’Philosophie’: “Wir nehmen uns kein bisschen ernst und ihr müsst das auch nicht.“
Dieses locker flockige Statement trifft heute wahrscheinlich noch mehr zu als damals. Wir haben nicht den Anspruch, euch eine Lektion in Sachen Filmdiskussion unterzujubeln, wir wollen nur ein bisschen spielen. (Außerdem brauchen wir einen Output... to keep us off the street, ya know?!) Die jeweilige Rezension ist eine Meinung unter vielen, im besten Falle eine dank exorbitantem Filmkonsum bestens informierte und vom erlebten Filmverständnis geprägte. Am Ende des Tages ist diese Meinung vielleicht nicht viel mehr wert, als die Erinnerung im Hinterkopf eines Lesers, aber das ist schon mal ein guter Anfang.
Sicher gibt es bestimmte Grundlagen für Filmdiskussion, jedoch werden diese nur allzu oft von Kritikern, Bloggern oder Fans so zurechtgebogen, wie es ihren eigenen Moralvorstellungen, Vorlieben, Herangehensweisen, Empfindungen und Erfahrungen entspricht oder wie es ihnen (uns?) ganz einfach gerade in den Kram passt.
“Ist halt Geschmackssache…“ ist die Bemerkung schlechthin, auf die es oftmals hinausläuft. Und obwohl sie nicht komplett unberechtigt ist (Film ist in erster Linie schließlich – wenn auch nicht ausschließlich – Unterhaltung und was euch unterhält wisst ihr selbst am Besten), führt sie direkt in die Alamo-Stellung.
Dabei kann der Austausch rund ums Thema Film nicht nur Spaß machen, sondern Antworten auf die Fragen ’wieso, weshalb, warum?’ und ’wo kommt das her?’ oft Interessantes über die betreffende Person preisgeben. Wenn man denn auf derlei Informationen aus ist. Und das ist beileibe nicht jeder. Vielen reicht schon der nostalgische Rückblick, anderen die Gegenwart eines bekannten Gesichtes, die Anhäufung altbewährter Genre-Tropen oder einfach nur eine handvoll Titten, ein paar Explosionen und Ninjas.

Ye Olde Wertungskrabimsel
(Ziemlich bescheuert & höchstwahrscheinlich undurchschaubar)
Das alles spielt bei uns in die Wertung hinein. Womit wir beim leidigsten Thema sind. Wie zutreffend sind Punkte/Skalen/Statistiken schon, wenn es um die Materie Film geht? Das altbackene /5er-System ist in dieser Beziehung genau so eine Notlösung wie alle anderen. Vielleicht doch lieber ein /10er, ein /6er oder nur ein /3er? Vielleicht Schulnoten? Wie wär’s mit einer genre-spezifischen Wertung, die konkrete sparteninterne Vergleiche bietet? Wie wär’s mit einer detaillierten Aufschlüsselung von Pro und Kontra? Wie wär’s wenn wir den ganzen Scheiß vergessen und ihr einfach den Text lest? Denn wer für gewöhnlich nur bis zum Fazit und der Wertung runterscrollt, der ist auf FilmFlausen genau so falsch, wie Punktuation-Puristen und Leute die nach feingeistigen Bildunterschriften suchen. Tatsächlich wollten wir die Wertung zum Jubiläum komplett abschaffen, aber interne Proteste und die Aussicht auf stundenlanges Editieren ließen uns zunächst von dem Vorhaben wieder abkommen.
Jedenfalls solange wir noch unserem allgemeinen Low Key-*hust*Charme*rülps* und dem antiken Design frönen und uns der Anbiederung an die modernen Hilfsmittel des Internets a la Twitter, Myspace, Facebook, Book Marky Marks und all den anderen “Klick mich, ich bin wichtig!“-Gimmicks verweigern². Ganz offensichtlich haben wir die Sache mit dem Web 2.0 verpennt, aber ob ihr’s glaubt oder nicht: Wir haben eine waschechte Programmiererin im Team, die täglich dazu lernt und mittlerweile amüsiert bis beschämt ist, was sie damals hier verzapft hat. Bevor wir aber den kompletten Umbruch wagen, nehmen wir uns die Zeit, das wirklich zu durchdenken. Die Form ist nach wie vor an zweiter Stelle. Wir sind hier, um Filme zu besprechen, nicht um sie oder uns zu verkaufen.
Ja richtig, Filme. Darum ging’s. Und Film ist nach wie vor eines der faszinierendsten Medien, um Geschichten zu erzählen. Das Spektrum der Filmwelt verblüfft uns jeden Tag aufs Neue. Ist es nicht faszinierend, dass sich Werke wie ’Die Sieben Samurai’, ’Meet the Feebles’ und ’Contaminator - Mordmaschine aus der Zukunft’ das gleiche Medium teilen? Wir finden ja und das bringt uns immer wieder zurück.

Wer den Film zuerst erkennt gewinnt was.
(Äh, keine Ahnung, was... wir lassen uns was einfallen.
Mitarbeiter sind von diesem mir just in dem Moment
aus den Fingern gesogenen Gewinnspiel ausgeschlossen.)
Dabei erwarten wir keineswegs, ununterbrochen mit Genialität, Kunst, Originalität oder Stringenz überwältigt zu werden. Schon gar nicht bei der Art von Film, die wir hier zu 95 % begutachten. Im Genrekino gibt es so viel mehr Schund als gutes oder auch nur brauchbares Material. Die Quote ist mies. Und hier kommen wir und das Zitat von Meat Loaf ins Spiel. Wir graben nach Gold an den Sandstränden, wir bohren nach Öl in den Gossen, wir suchen nach dem Rubin im Steinhaufen und wir tauchen die verdammte Kloake nach den Perlen ab. Genau das machen wir hier und genau davon erzählen wir euch.
Ganz recht, Freunde. Wir haben ein großes Herz für den heißen Genre-Scheiß, auch wenn uns der ganze Müll drum herum oftmals das große Gähnen beschert. Aber was wir hier manchmal Müll schimpfen, steht beim nächsten Filmfreund vielleicht ja hoch im Kurs. Eine Theorie besagt, dass jeder Streifen irgendjemandes Lieblingsfilm sein könnte. Eine bizarre Idee, aber wenn alles gesagt und durchargumentiert wurde, ist immer noch jener der König, welcher einem Film etwas abgewinnen konnte. Nicht der Räsonierer, sei seine Kritik noch so berechtigt.
Und es ist auch nicht immer ’Big Sister 2000’ oder ’Conan’ (beide mit William Smith), ’Piranha 2’ oder ’Aliens’ (beide von James Cameron), ’Snake House’ oder ’Mein Name ist Nobody’ (beide… aus Italien). Die Extreme sind lediglich die Zipfel der Wurst. Der Mammutanteil residiert dazwischen. Und wir fressen uns durch.

FilmFlausen.de ist jetzt fünf Jahre alt. Das sind ca. 35 Hundejahre, rund 1825 Eintagsfliegenleben, an die 130 Kilometer Magnetband und jede Menge Drinks³.
In flauseninterne Statistiken gepackt sind das auch 1111 Reviews, mindestens genau so viele Kommafehler, 48 ’Mitarbeiter des Monats/Jahres’, 16 Subgenres, zwei ausführliche Subgenre-Specials, ein paar (natürlich aus dem Zusammenhang gerissene) Back Cover-Blurbs auf DVDs, die auf Filmbörsen keiner anrührt, 20 vergraulte Forenuser und genug Besucher, um zu wissen, dass man gelesen wird.
Hey, wir haben zwar Flausen im Kopf, aber wir gehören nicht zu den Nassbirnen, die behaupten, nur für sich selbst zu schreiben… und den Käse dann ins Internet stellen. Wir schreiben für euch (und uns, falls einer fragt), wir sind interessiert an eurem Interesse und freuen uns über Feedback. Deshalb danke zunächst an alle Leser, die wir im Laufe der letzten fünf Jahre gewinnen konnten.
Danke auch an alle Filmschaffenden, ohne die das Leben nicht so schön wär, an unsere Familien und Freunde, ohne die's kompletter Käse wär, und vor allem an den Erfinder des Internets, ohne den ihr das hier nicht lesen würdet. Nicht schlecht, Sir Tim.

That's called a montage.

FilmFlausen.de: It ain’t over, ’til it’s over. Wir machen weiter, bis wir aufhören. Wenn’s sein muss auf Lebenszeit. Fragt sich bloß auf wessen. Nächstes Etappenziel: 10 Jahre FF. Bis dahin ersparen wir euch derlei selbstgefälliges Interngeschwafel und konzentrieren uns auf selbstloses Filmgeschwafel.


Die Flausköppe


¹ ’Sinbad - Herr der Sieben Meere’ lief Anfang der Neunziger bei uns in der Dauerschleife. Sowas kommt von sowas.

² Okay, okay! Hier ein ganzes Tag-Alphabet, um einen Hauch von Modernität vorzutäuschen:
Arena, Bestiarium, Conan, Danger, Eastman, Fellschürzen, Godzilla, Hausu, Indonesien, Junkyard, Käse, Lando, Monty, Ninjas, Ozploitation, Postapokalypse, Quark, R.O.T.O.R., Schulterwaran, Todesjäger, UFOs, V8 Interceptor, Wang Yu, Xusia, Yeti, Zärtlich Zufrieden?


³ Blanke Übertreibung. Disclosure: Wenn alle Genre-Rezensenten so viel saufen würden, wie sie in ihren Texten andeuten, müssten sie aus der Reha publizieren.