Flash Fighter


‘A legendary desert avenger battles a savage outlaw empire!’


Originaltitel: Per un pugno di diamanti (1986)
Regie: Ruggero Deodato Drehbuch: Steven Luotto & Chris Trainor
Darsteller: Miles O'Keeffe, Savina Gersak, John Steiner FSK: 16


Es ist gar nicht so einfach, ’Flash Fighter’ einzuordnen, weil dem Film von vornherein schon ein nachvollziehbares Setting fehlt. Er spielt in einer nicht näher beschriebenen Wüste, zu einer nicht näher definierten Zeit Die Protagonisten tragen Lumpen, Cowboy-Klamotten oder viktorianische Mode, reiten auf Pferden, kämpfen mit Schwertern, schießen aber auch mit einer Armbrust Explosionspfeile in die Dünen. Tja, was ist das jetzt?
Endzeit? Nein, dann hätt’s bei einem italienischen Film sicher ein Voice-Over gegeben. Und ein paar Mutanten. Und Autos. Viele Autos.
Ein Western? Zwar hat ’Flash Fighter’ im Original den Titel ’Per un pugno di diamanti’ (’Für eine handvoll Diamanten’, sehr clever), doch lässt weder die Musik, noch die allzu absurde Ausstattung und schon gar nicht die ’1001 Nacht’-Stimmung den Film als Pferde-Oper durchgehen (obwohl’s hier wirklich viele Pferde gibt).
Aber vielleicht gibt uns ja die Story ein paar Hinweise:

Irgendwann in Tausendundeiner Nacht... oder so.

Durch die Wüste reitet ein kleiner Track, der den reichen Summersking und seine junge Tochter in die nächstbeste Oase oder sonstwohin geleiten soll. Als finstere Reiterei herbeistürmt, um die rollende Karawane zu plündern, eilt der FLASH FIGHTER Garret (Miles O’Keefe), ein unrasierter, schmierfrisierter Lone Rider in langem Mantel auf hohem Ross herbei und rettet Kind und Kegel. Man bedankt sich, doch Garret will lieber Klunker zur Belohnung. Es sei ihm gewährt…
Einblendung: “Die gleiche Wüste - Zehn Jahre später“
Erneut soll Summerkings Tochter, Analisa, von den fiesen Schurken der Steppe entführt werden, um den Millionär um seine kostbaren Diamanten zu schröpfen. Davon kriegt auch Skorm (John Steiner, wieder schwer am Ausflippen), ein irrer Wüstenluchs, dem die Sonne nicht bekommen ist, Wind und schon macht er sich mit seinem Gehilfen (Al Yamanouchi, auch mal wieder dabei) auf den Weg, den anderen Tunichtguten zuvorzukommen. Mit soviel Interesse am Skalp seiner Tochter braucht der alte Summerking eine eiserne Faust, die gegen das Geschmeiß ins Feld zieht. Zu seinem Glück hat der FLASH FIGHTER gerade frei und nimmt sich der Sache an…

Don't mess with John Steiner! He'll overact you to death.

Also schön, die Story hat uns auch keine weiteren Anhaltspunkte ob des Hintergrundes gegeben, wahrscheinlich auch, weil von einer Story hier kaum die Rede sein kann.
Aber Schwammkopf drüber und mitgelacht, wenn der Film seine absurden Figuren zelebriert und die Action-Posaune eine nette Melodei trompetet. Inszeniert wurde der wüste Ausflug von Italiens Genre-Trooper Ruggero Deodato (’Die Barbaren’) und der holte gleich eine Handvoll Supertypen mit ans Set. Miles O’Keefe kennen wir ja noch als ’Ator’ und genau die gleiche Rolle spielt er hier auch. Stoisch, tumb und nicht allzu sympatisch. Aber was solls, wir haben ja noch John Steiner, ’The Official God of Over Acting’, und der hampelt, kreischt und grimmassiert sich hier wieder einen, als würden Millionen Seelen auf einmal in seinem Kopf aufschreien, aber nie wirklich verstummen. Auch komisch: Ronald Lacey (’Jäger des verlorenen Schatzes’), der in der Rolle eines windigen Beduinen mit seinem ’Camelot’-Co-Star O’Keefe einen netten Running Gag am Laufen hat. Wenn Al Yamanouchi (’Endgame’) gegen Ende dann noch die Kampftechnik ’Miau, ich fahr die Krallen aus!’ anwendet, hat man auch die furchtbare Musik ausgeblendet und freut sich mit Bier und Brezeln in der Hand, dass es die Achtziger mal gab.

"Tacheles: Wann genau spielt dieser Film!?"

Fazit: Das Teil hier ist Trash auf etwa gleicher Höhe mit O’Keefes ’Iron Warrior’ und Deodatos ’Atlantis Inferno’ und als solcher auch nur den Freunden italienischer Mittelgewichts-Schlock-Streifen zu empfehlen. Die dürften mit dem ’Flash Fighter’ aber auf jeden Fall etwas anfangen können.


Hudson