Fist of the North Star



Originaltitel: Fist of the North Star (1995) Regie: Tony Randel
Drehbuch: Buronson, Tetsuo Hara, Peter Atkins & Tony Randel
Darsteller: Gary Daniels, Costas Mandylor, Downtown Julie Brown FSK: 18


Ich glaub, wir sind nicht mehr in Kansas

’Fist of the North Star’ basiert auf einem gleichnamigen und (soweit ich das beurteilen kann) recht populären Anime aus den 80er Jahren, welches seinerseits unter anderem eindeutig von Endzeit-Epen wie ’The Road Warrior’ inspiriert wurde.
Nach dem genre-typischen Vorgeplänkel aus dem Off (“Alle Warnungen waren umsonst. Alle Vorhersagen trafen ein. Das Chaos regierte… Saurer Regen hat das Land verdorben“ Blablabla), das uns als Untermalung zu passenden Bildern den Zustand der Post-Apokalypse näher bringen will (gelungen), führt uns der Erzähler tiefer in den Kosmos des Filmes ein.

’I'm your pusher, baby!’
In einer Welt, die nur schwarz und weiß, gut und böse, schwach und stark kennt, existieren zwei Mächte; das ’Südkreuz’ und die ’Faust des Nordsterns’. Entgegen berechtigter Annahmen, handelt es sich hierbei nicht um die Stadtviertel brandenburgischer Metropolen, sondern um zwei Clans, deren wichtigste Mitglieder, Kenshiro (Gary Daniels) und Shin (Costas Mandylor), bislang eigentlich Freunde waren. Doch Shins Gier nach Macht ist einem kühen Kopf überlegen und so tötet er den Anführer des Nordsterns, Kenshiros Vater Ryuken (Malcolm McDowall). Seinen einstigen Freund peinigt und entstellt er und raubt dessen Geliebte Julia. Das Gleichgewicht wurde gestört und Shin kann nun alle Überlebenden unterjochen. Doch Kenshiro sieht seine Niederlage keineswegs ein. Er biegt sich die Knochen gerade und begibt sich auf den Weg der Rache…

Das erste, das einem bei ’Fist of the North Star’ auffällt, ist die tolle Musik von Christopher L. Stone. Und diese stimmt den wohlgesonnenen Zuschauer auch gleich perfekt auf die kommenden 85 Minuten ein.
Eins ist klar: Vor Klischees kann ein solcher Film gar nicht gefeit sein.

Autsch!
Aber wie bei allen anderen Dingen ist es die Art und Weise, wie man diese Schablonen präsentiert. Und da kommen ’Hellbound’ und ’C2’-Regiesseur Tony Randel und seine einfallsreiche Mannschaft ins Spiel. Da schon die Vorlage extreme Brutalität zum Besten gab, tut sich auch Randel keinen Zwang an und würzt den Schinken mit reißerischem Schmackes.
Die nicht immer fehlerfrei choreographierten Fights sind meist von drastischer Gewalt gezeichnet, entbehren jedoch nicht einer trashig-verrückten Komponente, die im Gewand von ’Story of Ricky’-mäßigen Gliedmaßen-Verrenkungen und Verstümmelungen daherkommen. Neben blutigem Gefetze, welches die Freigabe ab 18 mehr als rechtfertigt, gibt es auch eine Version der populären ’Fünf-Punkte-Pressur-Herz-Explosions-Technik’. Allerdings sind es hier nicht 5 Punkte, sondern 50 und die Ausführung gibt einiges an unfreiwilliger Komik her. Ebenfalls eher albern als episch ist die obligatorische Trainings-Montage, die in einem Film mit einer derartig vordergründigen Martial-Arts-Komponente nicht fehlen darf.

Der Irre und der Dicke
Trotz der offensichtlichen Tatsache, dass hier zu großen Teilen ausschließlich vor Studio-Kulissen gedreht wurde (siehe Screenshot ganz unten!), fehlt es dem Szenenbild weder an Phantasie, noch an Glaubwürdigkeit. Die atmosphärisch gelungene Beleuchtung, die abgedrehten, dreckigen Sets und die passenden Vehikel (von denen einige direkt aus ’Spacehnter’ geklaut sind) heben das Gesamtbild auf eine erfreulich überdurchschnittliche Qualitäts-Ebene.
Hauptdarsteller Gary Daniels könnte man als junge Inkarnation von Chuck Norris abtun, doch passen er und seine Gusche wie angegossen in die spärliche Kluft (sowohl ideell als auch tatsächlich) des wortkargen Endzeit-Musklors. Das gleiche gilt für seinen Gegenspieler Costas ’Picket Fences’ Mandylor, dessen ’Hunkiness’ bei den Damen verführerische Wirkungen haben dürfte. Mit Tracey Walter (‘Batman’), Clint Howard (‘Evilspeak’) und Chris Penn (‘Reservoir Dogs’) sind nur drei von etlichen erprobten Nebendarstellern genannt. Diese Jungs (und Mädels) sind es auch, die der ganzen Sache genau das kleine Extra an Güte verpassen, das viele Filme dieses Metiers schmerzlich vermissen lassen.

Heaven can wait... Wait... what heaven?

So bekommt ’Fist of the North Star’ von mir dann auch das Gütesiegel, das es verdient hat: Kompromisslos inszenierter Endzeit-Böller mit dichter Atmosphäre, guten Darstellern und einer dicken Scheibe Trash. Das mag nicht unbedingt das Zeug sein, aus dem die Träume sind, aber die Richtung stimmt!

Hudson