Fireflash - Der Tag nach dem Ende


‘In The Year 2019, The Future Depends on One Man. ’


Originaltitel: 2019 - Dopo la caduta di New York (1983) Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Sergio Martino & Gabriel Rossini
Darsteller: Michael Sopkiw, Valentine Monnier, Romano Puppo FSK: ungeprüft


’New York, New York, it’s a helluva town
the nuke-level’s up & the electricity’s down!’


Sollen wir?
Oder verzichtet ihr heute auf das Vorweg-Gesülze a la “…8 Jahre nach Atomkrieg… böse Armee der Euraker… Feuersturm über der Erde… atomverseuchte Wüste…entsetzliche genetische Veränderungen… Männer haben ihre Zeugungskraft verloren… seit 8 Jahren keine Kinder mehr (seht ihr ’Children of Men’ war gar nicht so innovativ!)…“
Verdammt, jetzt hab ich’s ja schon wieder gemacht.

Um die Menschheit zu retten, wird der Söldner Flash von den Köpfen der Rebellen-Militärs gezwungen, ins besetzte Manhattan einzureiten, um dort eine Frau zu finden, die angeblich wieder Kinder bekommen kann (seht ihr, ’Children of Men’ war wirklich nicht so neu). Die Armee der Euraker, die trotz der Tatsache,

Lovely day in the neighbour-
hood (for a drive by)
dass sie lediglich auf Pferden unterwegs sind, alles vernichtet und New York zu ihrem Eigen gemacht haben, lauern an allen Ecken und Enden der Stadt. Um ihm wenigstens den Hauch einer Chance zu geben, heftet man Flash die beiden gleichgesinnten Haudegen Ratchet und Bronx (“Er ist mit allen Ratten in New York auf per du!“) zu Seite. Los geht’s! Die drei krauchen durch die Kanalisation, vorbei an einem alten, schwarzen Mann, der am Rande der ’Big Apple’ Ruinen die wortwörtliche Synthie-Trompete spielt, welche uns alle 15 Minuten durch den Film begleitet, bis hin in die Eingeweide der Stadt, wo nicht nur die Euraker, sondern auch Ratten, Ratten fressende Freaks und katastrophale Hygiene-Bedingungen auf sie warten.

“Ich frage mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, diese Rasse zu erhalten.“

Womöglich bedarf es eines kompromisslosen B-Film-Fans, den ’Children of Men’- Machern (vorzüglich der Autorin P.D. James) vorzuwerfen, sie hätten sich freimütig bei ’Fireflash’ bedient, aber man weiß ja nie …

Erinnert sich noch jemand an
die 'Fußdublette'? Das ist ihr
Bruder: Die Fußmanschette
(ungleich schmerzhafter!)
Davon abgesehen fehlen Alfonso Cuarons prämiertem Endzeit-Drama sowohl ein Destruction-Derby mit knalligen Endzeit-Vehikeln, als auch Laser-Armbrüste, sprechende Folter-Computer, Hochfrequenz-Schallwerfer und die Outfits der Protagonisten von ’Fireflash’.
Wer bei Sergio Martinos (’Die Insel der neuen Monster’) Ausflug ins postapokalypotische Genrer aber nach Anspruch buddelt, der findet nix. Stattdessen war Martino allerdings so clever, sich nicht nur auf das Plagiieren von Genre-König ’Mad Max 2’ zu beschränken, sondern nahm sich in Sachen Plot und Stimmung vor allem John Carpenters Klassiker ’Die Klapperschlange’ zur Brust und stopfte ’for the fun of it’ noch ein paar ’Replikanten’ und eine Raumstation ins Geschehen.
Mit der Hauptrolle wurde der eher unbeleckte Michael Sopkiw betraut, dafür ist die Riege der Nebendarsteller mit dem ’Who is Who’ des italienischen B-Films der 80er gesegnet. Neben George Eastman (’ER - Stärker als Feuer und Eisen’) und

We can be heroes
(Just for one day)
Romano Puppo (’Ghoulies 2’ ), sind auch Edmund Purdom (’Ator’) und Italiens Vorzeige-Asiat Al Yamanouchi (’Sinbad - Herr der Sieben Meere’) am Start. Alle absolvieren die Revue ohne unverzeihliche Patzer.
Die technische Umsetzung ist in Anbetracht der vorherrschenden Verhältnisse in ähnlichen Genre-Brüdern mehr als gelungen. Beinahe aufwendige Miniatur-Sets, verwüstete Straßenzüge und die teils detailierte, teils absurde (weil doch oft trashige) Ausstattung erwecken einen wohligen Schauer dreckiger Endzeit-Stimmung.
Auch ein hohe Action-Pegel wird durchgängig gehalten, langweilig wird es hier nur selten. Albern schon eher. So gibt es außer guter Schnitt- und Kamera-Arbeit eine selten dämliche Selbstmord-Szene zu beobachten, in der ein Zwerg und stumpfe Chromstangen die Hauptrollen spielen.

“Gut gewaschen und desinfiziert könnte sie gut zu gebrauchen sein!“

Schön, wenn Filme ihren Titel mit einem Bild vermitteln können!

Fazit: Erstaunlich gelungen, charmant trashig und genau das richtige, wenn man einen guten ’schlechten’ Endzeit-Film sehen will. Für Cineasten also eine prima Ergänzung zu allen Klassikern und für B-Film-Fans ein Fest der Sinne aus der überdurchschnittlichen Resterinne.

Hudson