Höllenhunde des Highways


‘A boy... A girl... A car. Only the car is forbidden.’


Originaltitel: Firebird 2015 AD (1981) Regie: David M. Robertson
Drehbuch: Maurice Hurley, Biff McGuire & Barry Pearson
Darsteller: Robert Wisden, Darren McGavin, Doug McClure FSK: ungeprüft


"Ich bin Doug McClure.
Was mach ich hier?"
”The Firebirds gonna ride again!” schallt es im Song ‘Dee Vee Cee’ über den Vorspann. Beim titelgebenden ’Dee Vee Cee’ handelt es sich um das ’Department of Vehicular Control’, eine Behörde, die im Jahre 2015 die Straßen nach nicht lizensierten Autofahrern kontrolliert. Da mit ’nicht lizensierte Autofahrer’ alle Privatpersonen gemeint sind und die guten, ehrlichen Amerikaner die Karre unterm Hintern wie die Knarre unterm Kissen brauchen, entsteht bald eine Bewegung von illegalen Carjockeys, ’Burner’ genannt, welche die Regeln brechen, wo sie nur können. Wo Rebellen sind, da lassen auch Sherriffs nicht lange auf sich warten. Doch während die korrekten Damen und Herren des Departments ihre Dienstwaffen lediglich zum Stoppen der Fahrzeuge einsetzen, hat die Wüstensonne einem Outcast der Landstraßen-Cops das Hirn verbraten und ihn zu einer unberechenbaren Killermaschine mit Granatwerfer-Applikation gemacht. Als der alte Burner Red, sein Sohn Cam und die Asphalt-Mieze Jill mit dem ’Dee Vee Cee’ zusammenrasseln, ist auf dem Highway die Hölle los…

“What’s your last name?“
“We don’t use last names ‘round here. Ask me anything else and I’ll tell ya.”

Nein, liebe Freunde der post-apokalyptischen Dampfwalze, echte Endzeit ist das hier nicht. Die Tankstellen sind zwar alle geschlossen und auf den Straßen ist kaum etwas los, doch das Radio funktioniert, die Regierung sitzt noch im Stuhl und schwarzes Leder tragende Bikerbanden mit Irokesen-Frisi, Nagelkeulen und mutierten Gefährten sucht man vergebens. Allerdings wurde ’Firebird 2015 AD’ (Originaltitel) auch nicht als Nachklapp des ’Road Warriors’ gedreht, sondern kurz zuvor, quasi als Kind einer Zeit, die von der Ölkrise geschüttelt und wenig gerührt war.

Extreme Waste of Blankets
’Vorbildlich!’, mag jetzt der eine oder andere Filmfreund denken, der die Nase voll von den immer gleichen Mechanismen der Endzeit hat. So dachte auch ich zunächst, doch alsbald belehrte mich ’Höllenhunde des Highways’ eines besseren.
Eine handvoll alter Säcke versucht in einer dystopischen Zukunft, ihre Kinder den Geist des Autofahrens zu lehren. Klingt eigentlich nicht schlecht. Könnte aber genau so gut der Pitch für ein ’Coming of Einspritzdüsen-Age’-Drama mit Sean Penn in der Hauptrolle sein und genau so etwas hatte Regisseur David M. Robertson wohl auch im Sinn. Leider gibt es dank mieser Hauptdarsteller keinerlei dramatisches Potential und jegliche Spannung wird durch Unmengen an schlecht getimtem, patriotischem ’Freiheits’-Geschwafel verbaut. Nach einem Action-Ausgleich sucht man vergeblich, stattdessen gibt es zahme Renn-Szenen durch die Pampa und Musik, die in ihren besten Momenten an eine Folge ’Ein Duke kommt selten allein’, in ihren schlechtesten an eine Folge ’Cagney & Lacey’ erinnert. Für richtige Action oder gar stimmige Sets fehlte hier offensichtlich das Budget.
Überhaupt ist der Film kein bisschen futuristisch angehaucht. Das ’Dee Vee Cee’-Hauptquartier besteht aus drei Zelten und zwei Biergarten-Garnituren, die Herrschaften tragen Safari-Uniformen und ihr Chef wird von Doug McClure gespielt. Dessen Darstellung befindet sich hier traurigerweise in einem mordsmäßigen Tief. Seine Interaktionen mit dem psychopathischen Cop (Roter Hering Alarm!) und der maulenden Kollegin gehören wahrscheinlich zu den ’worst acted scenes in a movie this side of uranus’.

Das allerheißeste ist jedoch einmal mehr das alternative deutsche VHS Cover. Seht selbst:


Der Film hat nichts aber auch gar nichts mit diesem Cover zu tun.
Die dargestellte Person soll womöglich der bekloppte Psycho-Fuzzi sein.

Er hier!

Getoppt wird das in bester Tradition vom Backcover-Text: “Eine Spezial-Armee u.a. der Vollstrecker gegen skrupellose, brutale Gangster.“ (Ja, da fehlt ein Verb.)

Eine reichlich gewagte Interpretation des Geschehens. Man könnte genau so gut auf das Tape vom ’Weißen Hai’ kritzeln: “Ein Brutaltrupp unbarmherziger Angler-Nazis drang in sein blaues Paradies ein. Da biss er zurück.“

Aber hey, auf dem Backcover steht auch: “Ein Film, der morgen schon Wirklichkeit sein könnte.“

"Hey, du bist doch Doug McClure. Was machst du hier?"

Fazit: Wrumm, wrumm. Langweilig und dumm. Auch wenn es gerne - Achtung, noch'n Backcover Zitat! - "Ein Superaction-Film, spannend bis zur letzten Minute!" wäre. Vielleicht ein Fall für Verfechter amerikanischer Phrasen der Marke ’Land of the Free, Home of the Race’, nostalgische KFZ-Mechatroniker und Fans von durchgedrehten Thai Chi-Indianern. (Ja, da fehlt auch'n Verb.)

Hudson