Godzilla: Final Wars


"Saraba, Gojira!"


Originaltitel: Gojira: Fainaru uôzu (2004) Regie: Ryuhei Kitamura
Drehhbuch: Isao Kiriyama & Ryuhei Kitamura
Darsteller: Masahiro Matsuoka, Rei Kikukawa & Don Frye FSK: 16


Die Trauer bei den Fans war groß, als bekannt gegeben wurde, dass die japanische Riesenechse zu seinem 50. Jubiläum nun wirklich das letzte Mal über die Leinwand stampfen sollte.
Und da die Serie seit dem Ende der 90’er zusehends in ein kreatives und finanzielles Tief geraten war, sollte der Abschied des beliebten Kaiju-Monsters nochmal ein Riesenknaller werden.

Zu Beginn des zweistündigen Finales sehen wir, wie Big G; Gojira, oder wie wir ’Langnasen’ ihn nennen, Godzilla, ins ewige Eis des Südpols gebombt wird. Dann beginnt auch schon der Vorspann, der sowohl die gesamte Godzilla-Historie in 2 Minuten abarbeitet, als auch zu den besten Credits gehört, die ich jemals gesehen habe (kein Wunder; da Kyle Cooper, Macher des berühmten ’Sieben’ Vorspanns war hier am Werk war).

'Guess who's back?'
Danach wirft man uns auch gleich ins erste Monstergetümmel und wir lernen Cpt. Gordon (Don Frye, ironisch genug, dass das Flaggschiff Japans mit einer westlichen Figur startet) kennen, der mit Schiff und Crew unter Wasser die gute alte Manda jagt. Nach dieser viel zu kurzen Sequenz sehen wir zwei japanische ’Möchtegern-Neos’, die sich im Trainingsraum der ’Earth Defense Force’ (eine Truppe von Mutanten, die zur Bekämpfung der Monster gegründet wurde) die Omme weich möbeln.
Nanu, was hat das denn in einem Godzilla Film zu suchen? Gute Frage. Die Antwort ist wohl Regisseur Ryuhei Kitamura, dessen frühere Filme ja für diese Art der Action bekannt sind.
Aber wir wollen Godzilla sehen und nicht eine paar mutierte Dreschpflegel, die Kriegsphilosophien seiern! (Jaja, gleich…)
Mit dem Kämpfer Osaki und der Biologin Otonashi werden uns die beiden menschlichen Hauptcharaktere (und potentielles Liebespaar) vorgestellt, ein bisschen Gelaber und ein Besuch auf ’Infant Island’, wo uns die beiden Zwillings-Zwerginnen aus den ’Mothra’ Schinken eine Prophezeiung vorsingen, und schon kommt’s zur großen Monsterinvasion. Hurra!

Apocalypse WOW!
In New York: Ein Pimp, ein Cop, ein Monster: ’Rodan’ (coolster Auftritt aller Zeiten!) In Sidney: ’Zilla’ (die 98’er CGI-Version von Godzilla). In Hong Kong: Schlappohr-Monsteraffe ’King Caesar’. In Shanghai: Stachel-Gürteltier ’Anguirus’. In Paris: Überheuschrecke ’Kamakira’. In Nevada: Riesenspinne ’Spiga’. Und irgendwo in der japanischen Provinz kraucht unser aller Lieblingsmonster: ’Minilla’ (Godzillas Sohn) herum. DER HAMMER!!!
In Tokio ist währenddessen der gigantische Superkrebs ’Ebira’ unterwegs und drischt die Toyota Werke zu Kleinholz. Das ruft natürlich die ortsansässige Earth Defense Force auf den Plan, die wir nun endlich in Action sehen können und zwar Action, bis der Hummer kocht!
Trotzdem steht es schlecht um Mutter Erde. Alle Monster kann die EDF einfach nicht zerbröseln. Wie seltsam praktisch (aber nicht untypisch für einen ’Godzilla’ Film), dass plötzlich Ausserirdische in einem riesigen Ufo herbeischweben, aller Monster verschwinden lassen, sich als Freunde vorstellen und die Menschheit vor einem riesigen Kometen warnt, der damnächst auf’s Ruhrgebiet oder ähnliche Ballungszentren knallen soll.
Natürlich wissen wir Godzi-Fans, dass Ausserirdischen in Kaiju-Streifen (so nennt man diese Filme in Japan) nur Ärger und Missgunst bringen, was dann auch bald unseren beiden Turteltäubchen auffällt. Doch auch ihre Enlarvung hindert die sogenannten X-Aliens (welche die Menschheit als Futter-Reserve brauchen) nicht an der Vernichtung unserer Zivilisation. Und endlich kommt der Satz, auf den wir sowieso in jedem Godzilla-Film warten: “Erweckt alle Monster zum Leben!“
Die Zerstörung der Erde können Ozaki und Otonashi natürlich nicht zulassen. Ihnen bleibt keine Wahl. Gemeinsam mit Cpt. Gordon machen sie sich auf den Weg zum Südpol, um “die furchtbarste Waffe, die die Erde besitzt“ zu wecken, den König der Monster selbst: Godzilla!!!

Wiedersehen mit
dem Müllmonster.

Heilige Scheiße...

Ob coole Helden, schräge Typen, blöde Sprüche, Verfolgungen auf Motorrädern, ein U-Boot mit riesiger Bohrnase, Martial-Arts Action, Laser-Schiessereien, einige der besten Monster-Fights aller Zeiten, luftige Dogfights, oder ein Cameo meines persönlichen Kaiju-Lieblings, dem Müllmonster ’Hedorah’; ’Godzilla: Final Wars’ hat einfach alles.
Wen stört es da, dass Regisseur Kitamura (’Versus’, ’Azumi’) zahlreiche Anleihen bei ’Matrix’, ’X-Men’ und ’Independence Day’ nimmt, und was soll’s, dass die Menschen der Erde alle asiatisch aussehen und deren Politiker sich mit Sätzen wie: “Es ist Zeit sich von den Vereinten Nationen zu verabschieden, die Zukunft gehört dem Vereinten Weltall!“ profilieren?! Im Godzilla Univerum ist das eben so.
Trotzdem ist der Film keineswegs perfekt. Für den gestandenen Kaiju-Liebhaber wird der Schwerpunkt viel zu sehr auf die Menschen gelegt, was vor allem beim Finale auffällt. Eine Schande ist die deutsche Synchronisation, die Cpt. Gordon verpasst wurde (wo ist bloß Thomas Danneberg, wenn man ihn braucht!?). Genauso schändlich ist es, dass der beste Satz im ganzen Film die deutsche Synchro nicht überlebt hat. Nämlich der köstliche Seitenhieb des charismatischen Anführers der X-Aliens (Kazuki Kitamura, ’Azumi’), auf Emmerichs CGI Godzilla, der natürlich keine Chance gegen sein Kaiju-Pendant hat und als Rösti in der Oper von Sidney endet. (”I knew that tuna eating lizard was good for nothing!”)
Aber genug der Nörgelei und Entwarnung an die Leute, die in der obigen Ausführung ihr Lieblingsmonster nicht entdeckt haben. Es sind so ziemlich alle Kaiju Gestalten vertreten, die jemals einem japanischen Hirn entsprungen sind, inklusive der Fan-Favoriten ’Mothra’, ’Gidora’ und ’Gigan’!
Der treibende Elektro Soundtrack, oft mit Gitarren-Sounds vermischt, tut dem Film entgegen aller Vorurteile solcher Musik gegenüber, sehr gut und ab und an sind auch die klassischen Themen aus den alten ’Godzilla’ Werken zu vernehmen.
Sollte dies wirklich der letzte Film der japanischen Überechse sein, hat er einen würdigen Abbgang verpasst bekommen und sich den Ruhestand auf der Monster-Insel redlich verdient.

Meine Favoriten!

Selten zuvor habe ich ein Publikum so feiern sehen/hören, wie während der ’Final Wars’ Vorstellung beim diesjährigen ’Fantasy Film Festival’. Zurecht!
Nie waren Kaiju-Bilder ikonischer, nie die Monsterschlachten witziger, nie das Ausmaß der Zerstörung gewaltiger! ‘The Godzilla-Film to end all Godzilla-Films.’ Ein Epos … Ankucken!

Hudson