Ninja - The Final Duel



Originaltitel: Ren zhe da (1986)
Regie: Robert Tai Drehbuch: Gibbet Nich
Darsteller: Alexander Lou, Alice Tseng, Simon Lee FSK: unbekannt


Vor langer Zeit, als ich flausentechnisch dem Ninja-Wahn verfallen war, entdeckte ich einen Film namens ’Ninja: The Final Duel’. Dort war von schier Wunderbarem und höchst Verwunderbarem die Rede. Oft hatte ich mich von solcherlei Filmmannsgarn einwickeln lassen, doch das lange umworbene Kleinod entpuppte sich häufig als faules Ei. Ich betete zum Gott der Ninjas, dass mir dies mit ’The Final Duel’ nicht passieren würde…

Es war einmal, vor Äonen (so meint es jedenfalls Mr. Voiceover im Vorspann), da lebten im alten Nippon die erbarmungslosen Ninja, welche das Reich der Sonne allmählich unter ihrer Fuchtel hatten und nun gen China schielten, wo aber die braven Shaolin Mönche ein wachsames Auge und zwei Fäuste für ein ’Hallo Buddha’ bereithielten.
Hinterlistige Assassinations-Versuche wurden von den tapferen, glatzköpfigen Shaolin vereitelt. Und um China zu beweisen, dass nur die Ninjas die Bösen sind und nicht etwa der Kaiser von Japan, schickte letzterer ein Artefakt der Verbrüderung gen Peking. Während sich die chinesischen Recken einen Wolf freuten, vollzog der oberste Ninja einen astreinen Seppuku, um die Ehre seines Clans zu bewahren (nicht fragen, weiterlesen!). Das wiederum spornte andere Ninja dazu an, nochmal zurück in die Trainingshalle zu gehen und extra-gute Ninjas zu werden. Nach vielen Flik Flaks, Marschübungen und eindrucksvollen Fünf-Eisblöcke-mit-dem-Kopp-zerdeppern-Moves teilten sich die zu neuen Kräften gelangten Schattenkämpfer in unterschiedliche Einheiten auf:

1. Die Okinawa-Donner-Faust

2. Der Ninja-Light-Skill

3. Die Eiserne-Tiger-Wald-Eroberer (sie miauen!)

4. Die Hölle-unter-der-Erde-Manövrierer

5. Die Ninja-Felsensteiger-Formation

6. Die Ninja-Himmel-Todeswunsch-Klingen (mit Querflöten-Type, sie atmen unter der Erde und brauchen zwar 10 Minuten um das Loch zu graben, können dann aber unter der Erde locker 50 m/s hinter sich bringen)

und 7. ähm...

... tja das mit 7. ist so eine Sache...


... es sind Ninjas, die auf Wasserspinnen reiten...

... fliegenden Wasserspinnen!

Jetzt waren sie bereit zur Attacke auf den Shaolin-Tempel ihrer Wahl und nach der Ansprache ihres Meisters (“You’re participating a massacre of great honor!“) und zustimmendem “Murder Shaolin!”-Geschrei blenden wir genau da hin.

Wong Chi Chung, selbst Japaner (mit offensichtlich chinesischem Namen, wenn ihr mich fragt) und Held des Films muss sich als würdig erweisen und präsentiert sich dem Publikum in einer irren Trainingssequenz, in welcher er seine neuen Shaolin-Kameraden vermöbelt, die sich übrigens in Hakenkreuz-Formation bewegen.
Die Jungs haben zwar keinen Flöterich, dafür aber einen Powerpauker, der (nachdem Wong seine Gegener mit Murmeln besiegt hat, auf denen sie ausrutschen) plötzlich seine Robe auszieht und noch doller paukt, woraufhin der Quatsch von vorne beginnt.
Ihr merkt schon: Hier ist der Wahnsinn nicht etwa Methode, sondern einfach nur Programm. Kaum glaubt man, die Übung sei endlich vorbei, geht’s erst richtig los (wie damals beim Sportunterricht). Die Kollegen packen jetzt nämlich besonders fiese Kampftaktiken raus. Eine davon ist die ’Earth-Trap-Swastika’ (Erden-Falle-Hakenkreuz). Am Ende ist der arme Wong so brutal zusammengeschlagen und fertig, dass an seine Stelle eigentlich ein anderer Held treten müsste. Da der junge Mann aber selbst einige Moves auf Lager hat, zieht er sich mit folgendem Trick erfolreich aus der Affäre (und aus dem Training):

g'schmeidi

Bald folgt die erste Konfrontation zwischen Shaolin und Ninja. Letztere infiltrieren durch Beschallung mit waschechter Echolotmucke™ den Tempel, können aber für’s erste wieder verscheucht werden. Es folgt eine unglaublich komische Episode, in der zwei kalifornische Hare Krishna Deppen in den Tempel wollen, um die hohe Kunst der Shaolin zu erlernen. Davon will dort natürlich keiner etwas wissen, schließlich gibt’s grad genug Probleme. Da sich die beiden aber nicht abwimmeln lassen, kommt’s zur Keilerei mit Wong und seinem Sidekick, die dann aber abgebrochen werden muss, weil nebenan eine Frau von Räubern mit Hellebarden überfallen wird, der man zu Hilfe eilen muss.
Gerade als ich dachte, allmählich müsste doch mal ein beklagenswerter Durchhänger kommen, zieht ’Final Duel’ den ganz dicken Sleaze-Faden und lässt die mittlerweile komplett unbekleidete Frau gegen eine Einheit grober Assassine kämpfen (“Who are you guys? Have you got lepracy? Why’re you hiding your faces!”). Als dann auch noch ’A famous Black Monk from Harlem’ auftaucht, ist der Irrsinn komplett und den Ninjas geht’s an den Arsch…
“A black man travelling in china? Let’s see, what you’re made of, you holy joke.“

Zitat: “You’re a mean duuude. But she’s ash. So don’t gimme dis trash!”

Ihr habt’s wahrscheinlich schon selbst begriffen, aber, ja, der große Gott der Ninja hat mein Flehen erhört. ’The Final Duel’ ist vom affenartig lustigen Vorspann bis zum Kopfschüttel-Drama-Finale ganz großes Martial Arts-Kino der B(elustigungs)-Klasse, das seines Gleichen sucht, aber nirgends finden wird.

Die Story: Nur rudimentär vorhanden. Wir haben es hier mit einer beinahe willkürlichen Aneinanderreihung furioser und abgedrehter Kampfszenen zu tun. Davon abgesehen werden natürlich die Drama-Grundthemen (Liebe, Tod, Verrat, Ninjas) fein säuberlich abgearbeitet.
Die Schauspieler: Intensive Fingerwedler, die sich für keine ruckartige Bewegung zu schade sind. Alexander Lou ist eine nicht ernstzunehmende Bruce Lee-Kopie, der Mönch aus Harlem sieht fast so schwuchtelig aus, wie er synchronisiert wurde (“I wus jus’ paaassin’ byyyyy!“ … “I’ma peace luvin’ maaan!“), der Shaolin-Meister muss das Kinn heben, um unter den riesigen Zotto-Augenbrauen etwas zu sehen und der im Mutter-Theresa-Stil gekleidete Ninja-Meister hat die kindischste aller Bösewicht-Lachen und er muss sie auch ununterborchen vortragen. Da führt einfach kein Weg vorbei. Eines beherrscht jedoch jeder einzelne von ihnen: Das Kämpfen.

’Bow down mister...’

Die Action: Großartig und schon ein Grund für sich, diesen Film unbedingt in die Finger zu bekommen. Es wird gesprungen, gedroschen, getreten, geschrieen, gefochten gewasnichnochalles und zwar in einem Affentempo. Die Choreographien sind rauh, aber eindrucksvoll in Szene gesetzt. Zudem gibt es keine örtlichen Beschränkungen für die heißen Kloppereien. Ob zu Land, in der Luft oder auf dem Wasser. Ja, sogar unter Wasser (damit die Echolotmucke auch endlich mal ihre Brechtigung hat!).
Die Musik: Abgesehen von der bereits erwähnten Echolotmucke ist der Film vor allem mit Tonschnipseln aus ’Rambo 2’ übersäht. Die Soundeffekte sind mehr als comichaft, so können die Ninjas durch Magick (wohl in die 4. Dimension von Godfrey Ho) verschwinden, was jedesmal mit einem gummiartigen ’Plopp’ geschieht. Oh, hatte ich erwähnt, dass einmal sogar das Titellied von ’Ghostbusters’ und das ’Boot’-Hauptthema angespielt werden? Und hatte ich schon betont, wie irre dieser Film tatsächlich ist?!
Die Effekte: Ja, auch in Punkto ’Bloody Kickout’ geht hier einiges. Da wird nicht nur schonungslos auf die Fresse gehauen, sondern auch gestochen, gerissen, geschlitzt und geköpft, was Körper und Köppe hergeben. Das Highlight sind natürlich die fliegenden Riesen-Wasserspinnen. Wer auch immer die Idee hatte, diese aufblasbaren Gummidinger im Film als Reittiere der Ninjas unterzubringen, hätte einen Orden verdient! (Ich will so ein Teil für’s Freibad!)

FINAL DUEL FINAL

Das Fazit: ’The Final Duel’ schubst alles bisher Dagewesene von der Schippe des Schunds. Kein Auge bleibt trocken, kein Knochen heil und auf der Martial-Arts-Ninja-Trash-Liste kann jeder einzelne Punkt abgehakt werden. Und auch wenn gemunkelt wird, dass der Film angeblich aus einer Serie oder einem 6-9 stündigem Killer-Epos zusammengefriemelt wurde, das hier ist kein ’Cut & Paste’-Shit, wie wir ihn von ’IDF’ oder ’Filmark’ kennen.
Das hier ist der echte Scheiß. Der Stoff aus dem die Träume sind. Ein Ding von epischem Ausmaß. Mit Ninjas, die auf fliegenden Riesenwasserspinnen reiten und Shaolin Mönchen, die sich mit amerikanischen Hare Krishna-Anhängerm und einem schwarzen, schwulen Ghetto-Mönch anlegen… Nur noch mal zur Erninnerung, nicht wahr?!



Hudson