Feuerkäfer


‘They Look Like Rocks...Possess A High Intelligence...Have No Eyes...And Eat Ashes...They Travel In Your Car Exhaust...They Make Fire...They Kill.’


Originaltitel: Bug (1975)
Regie: Jeannot Szwarc Drehbuch: William Castle & Thomas Page
Darsteller: Bradford Dillman, Joanna Miles, Richard Gilliland FSK: 18


Das letzte Projekt, das Produzenten-Legende und B-Movie-Vermarktungsgenie William Castle selbst mit in die Hände nahm, bevor er sich ins Reich der Ewigkeit verabschiedete, war die Verfilmung von ’The Hephaestus Plague’, einem Tierhorror-Roman des relativ unbekannten Autors Thomas Page.
Story:

Karl der Käfer wurde
schon wieder nicht gefragt
Nichtsahnend sitzt die Gemeinde eines kleinen kalifornischen Wüstennestes im Gotteshaus und hört sich sie Sonntagspredigt ihres Reverends an, da zeigt der Herrgott persönlich, was er von dem gesalbten Gelaber hält und lässt ein kräftiges Erdbeben die Gegend durchschütteln. Welch bessere Gelegenheit gäbe es für Mutter Natur, ihre Spalten zu öffnen und eine neue Spezies auszukotzen? Und welche bessere Spezies würde sich eignen, als eine neue Insekten-Art? (Nun, möglicherweise, mörderische Murmeltiere, aber die Idee bleibt immer noch für ’Groundhog Day 2: Grindhog’). Die neuen Krabbler, Käfer um genauer zu sein, erweisen sich als feurig-aggressive Viecher und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Zucken mit dem Arsch genügt und Funken tödlicher Hitze schlagen aus. Das bekommen erst ein paar Lastwagen und Nachbars Katze zu spüren, aber natürlich machen die Biester auch nicht vor Menschen halt, sonst wär dies kein Tierhorror, sondern ein Werbefilm für biologische Feuerzeuge. Zum Glück gibt es vor Ort einen firmen Biolehrer, der nicht nur mit Eichhörnchen kommunizieren kann (kein Witz! Sie krabbeln ihm per Zumuckern auf die Schulter!), sondern auch dem Käfertreiben auf eine wissenschaftliche Weise nachgeht. Blöderweise geht er ein bissel zu weit und kreuzt die Viecher mit Kakerlaken. Sehr dummer Fehler, was ihm nicht nur jeder Schabologe, sondern auch jeder zweite Bewohner L.A.s hätte sagen können. Was er erschafft, ist eine noch neuere neue Spezies, die eine direkte Gier auf Fleisch entwickeln. Bald qualmt die Heide bis nach Lüneburg und das bis dahin so sanfte Gemüt des braven Wissenschaftlers gleich mit…

The Roof, The Roof...

Ja, was hab ich lange auf diesen Film warten müssen, der mich schon damals in der ’Terror im Parkett’-Collection verdammt heiß gemacht hat. Und heiß geht’s hier her, so viel Kalauer-Allerlei müsst ihr mir schon gestatten.
’Feuerkäfer’ entstand unter der Regie des späteren ’Jaws 2’- Jeannot Szwarc. Seine Bestien sind widerliche Käfer, die sich haarige Gestalten, wie Katzen, Teenager oder die toupierten Frisuren einsamer Hausfrauen suchen, den Zottel anzünden und nach getanem Brutzelwerk die übrig gebliebene Asche fressen, die wohl unheimliche viele Vitamine hat. Das ganze sieht dann auch teilweise ganz schön haarsträubend aus, überschreitet aber nie die Grenzen des guten Geschmacks. Effekttechnisch wird sich also größtenteils zurückgehalten. Die besten Effekte sind hier sowieso die widerlich aussehenden Käfer selbst. Ich bin kein Entomologe und kenn mich nicht mit solcherlei Getier aus, aber wo auch immer sie die Dinger ausgegraben haben, in ihrer Nähe möchte ich nicht Urlaub machen, egal ob sie Feuer furzen oder nicht.

Sind wir hier bei der
Sesamstraße oder was?
Die Prämisse des Films mag sich jetzt eher albern anhören, jedoch hat der Film einen stark wissenschaftlichen Hintergrund und geht vor allem in eine ganz andere Richtung, als man zu Beginn vermuten mag. Tatsächlich geht ’Feuerkäfer’ viel weiter als die meisten Standard-Tierhorrörchen.
Das liegt vor allem daran, dass sich das Geschehen ab der zweiten Hälfte beinahe nur auf den Protagonisten und seine ’Beziehung’ zu den Käfern konzentriet. Der allmähliche Abstieg in den Wahnsinn wird von Bradford Dillman treffend umgesetzt und das Finale besiegelt diese Entwicklung ebenso adäquat.
’Feuerkäfer’ ist trotz genre-typischer Klischees für einige Überraschungen gut, punktet mit eigentümlicher Stimmung und einem extravaganten Soundtrack. Tierhorror-Fans kommen da nicht dran vorbei und jeder aufgeschlossene Gruselgeist mit Sinn für’s Thema auch nicht.


Hudson