Der Fluss der Mörderkrokodile



Originaltitel: Fiume del grande caimano, Il (1979) Regie: Sergio Martino
Drehbuch: George Eastman, Cesare Frugoni, Ernesto Gastaldi, Sergio Martino & Mara Maryl Darsteller: Barbara Bach, Claudio Cassinelli, Mel Ferrer FSK: 16


Was tun, wenn alle populären Strände und Tourismus-Zentren bereits mit Luxus-Herbergen, Pools und Tennisplätzen vollegepflastert sind?
Hotelunternehmer Joshua weiß die Antwort. Mitten im tiefsten Dschungel, direkt am Fluss der Mörderkrokodile, wo die eingeborenen Kumas noch an Hokus Pokus glauben und den lieben langen Tag auf den Stammestrommeln pauken, lässt er ein neues Ferien-Resort erbauen. Hierhin, wo laut Joshua “…Worte wie Stress, Ölkrise und Umwelterschmutzung fremd sind…“, strömen bald die ersten Touristen, und damit der Strom nicht versiegt, engagiert er gleich erstmal den Promo-Fotografen Daniel mitsamt eines Models.
Die Kumas sind ob der aktuellen Ereignisse wenig begeistert und trommeln noch ein bisschen mehr, auf dass ihr Flussgott sie erhören mag. Das tut er auch und paddelt fortan in Gestalt eines riesigen Krokodils mit Mörderappetit auf Touristen durch's Schilf…

Zitat: “Herzlich willkommen in unserem Garten Eden. Seit ich hier lebe
bin ich mir sicher, dass Eva eine Schwarze war. Glauben sie nicht auch?“
“Passiert ihnen das öfter, dass sie so einen Schwachsinn reden?“


Eine Meisterleistung ist Sergio Martino (’Fireflash’) mit seinem ’Fluss der Mörderkrokodile’ wahrlich nicht gelungen. Zwar wurde er noch vor dem Mini-Sub-Genre-Primus ’Der Horror-Alligator’ gefertigt, doch paddelt der Film in altbewährten Genre-Klischees, die er sich aus dem Fahrwasser des ’Weißen Hais’ (die Tourismus-Kamelle geht gar nicht mehr) und diversen Dschungel-Safaris fischt. Zudem dauert es viel zu lange, bis überhaupt etwas passiert. Die Zeit bis zum aktiven Eingreifen… pardon ’Einbeißen’ des Killerkrokos (es ist nur eins) wird mit Labereien und schlecht gesetzten Touristen-Gags gefüllt. Zumindest gelingt es den Machern, dass man der Ferien-Bagage das wohlverdiente Ende im Magen des Krokodils wünscht.

Hachja, es geht doch nix über
'ne fette Dosis Lokalkolorit!
Claudio Cassinelli (’Insel der neuen Monster’) spielt einen Fotografen, dessen Leidenschaft es offensichtlich ist, muskulöse Buschmänner beim Rudern abzulichten. Barbara Bach ist als Service-Fachkraft mehr Eye Candy, als alles andere und Hollywood-Altstar Mel Ferrer (’Krieg und Frieden’), sowie Italiens graumelierter Henchmen par Excellence, Romano Puppo (’Sinbad - Herr der Sieben Meere’), schurkeln sich eher dünnbrettbohrend durch's Geschehen.
Immerhin zieht Martino nach der Überhand nehmenden Langeweile und ein paar echt starken Dialog-Pannen (Kleiner Junge auf Hotel-Party: “Ich hab doch gewusst, genau dassselbe wie woanders. Lauter Touristen. Warum kann ich nicht mit den schwarzen Puffnutten gehen?“) die Action gegen Ende noch einmal ordentlich an und lässt die Eingeborenen und ihr (zwar riesiges aber nicht unbedingt handwerklich perfektes) Krokomonster Unheil am Touristen-Pack vollziehen. Erst hier zeigt der Film auch ein paar deftigere Effekte, die er während der 70 Minuten zuvor schmerzlich vermissen ließ.

“Kann das ein Krokodil gewesen sein?“
“Nein, nicht mal ein Riesenkrokodil könnte das schaffen. Soviel Kraft hat nur der große Flussgott. Aber den gibt es nicht.“

Ui und ob es den gibt!!!

Wer von abenteuerlichem Dschungel-Ambiente, dauerhafter Buschtrommel-Mucke und gigantischen Reptilien nicht genug bekommen kann, darf dank des verhältnismäßig gelungenen Finales ruhig einen Blick wagen. Alle anderen sollten sich lieber nach bissfesteren Alternativen umsehen.


Hudson