The Fantastic Four


‘Part muscle. Part elastic. Part fire. Part invisible. Together, it's clobberin' time!’


Originaltitel: The Fantastic Four (1994) Regie: Oley Sassone
Drehbuch: Mayo Simon, John Barry & Barry N. Malzberg
Darsteller: Alex Hyde-White, Jay Underwood, Rebecca Staab FSK: unbekannt


1994 ließ Bernd Eichinger, Rechteinhaber für die Filmversion von Stan Lees populärem Superheldencomic ’Die Fantastischen 4’, einen Film bei B-Movie-Papst Roger Corman in Auftrag geben, der nur einen Zweck erfüllen sollte: Der Streifen sollte nicht etwa veröffentlicht werden, sondern nur einer Klausel gerecht werden, die besagte “Wenn du keinen Film machst, verlierst du die Rechte“. Der Film wurde gemacht, die Rechte wurden behalten. Über die Geschichte wurde der Mantel des Schweigens gebreitet und der Schwamm der Vergessenheit gewischt.
Aber Geheimagenten im Auftrag des unsterblichen Comic-Fandoms spürten eine letzte Kopie auf und reichten sie im Untergrund weiter. Nach vielen Jahren ist sie nun endlich bei uns angekommen, mit der Klausel: Schreibt eine Rezension oder ihr habt kein Recht ihn anzuschauen.

Mad Scientists at work

Reed Richards und Viktor von Doom sind clevere College-Bürschchen und ambitionierte Wissenschaftler. Als beide eines Nachts in einem Labor ein gefährliches Experiment starten, nimmt das Unheil seinen Lauf. Doom wird schwer verletzt und für tot erklärt, Richards ist am Boden zerstört.
Jahre später (Reed hat graue Farbe auf die Schläfen gesprüht bekommen) unternimmt Richards in Begleitung seines Freundes, des Piloten Ben Grimm und der Storm Geschwister Susan und Johnny einen Ausflug ins All, der von einem fiesen kleinen Wicht sabotiert wird.
Dadurch wird das Team einer intensiven Dosis von kosmischer Strahlung ausgesetzt und landet mit ungeahnten Fähigkeiten wieder auf der Erde…

Vier gewinnt

“Hi Mrs. Stone, can Johnny and Susan go up to space with us?“

’The Fantastic Four’ beschreibt, wie schon die Neuauflage von 2005, die Herkunftsgeschichte der fantastischen Vier, was in Superheldenvergnügen umgemünzt heißt: Viel Vorgeplänkel, jede Menge Einführungen und Vorstellungen, wissenschaftliches Tamtam, Beziehungen knüpfen, Hände schütteln etc etc. So kommen die vier Helden erst beim Finale zum Schuss und die krude inszenierte Comic-Action zum Tragen. Dazu gesellt sich eine reichlich überflüssige Nebenhandlung um einen Gullignom namens ’The Jeweller’, der mit einer handvoll Hobos einen Diamanten stehlen will, um ihn einer gewissen Alicia (in den Comics Ben Grimms Freundin) als Hochzeitsgeschenk aufzudrängen. Als hätten wir nicht genug um die Ohren mit Mr. Fantastic, der menschlichen Fackel, dem Ding, der Unsichtbaren und Dr. Doom.

Smooth Operator
Corman wurde ein Budget von gerade Mal 1,4 Millionen US-Dollar gegeben und für diese Verhältnisse haben er und Regisseur Oley Sassone (’Bloodfist 3’) einen recht unterhaltsamen, amüsant ausgestatteten und käsig getricksten Pulp-Streifen hinbekommen.
Schaut man sich allerdings die allgemeine Optik des Filmes an (FX und Ausstattung mal nicht mit einbezogen), würde man selbst gegen besseres Wissen davon ausgehen, dass der Film in den Achtzigern gedreht wurde, nicht aber 1994. Im gleichen Jahr wurde ’The Crow’ produziert. Man vergleiche beide Filme einfach mal und überlege, ob das sein kann. Vielleicht ließ Corman zur Kostenoptimierung Rollen vergammelten Filmstocks zur Fertigung von ’Fantastic Four’ herbeikarren. Zuzutrauen wär’s dem alten Sparfuchs.
Die Musik der Gebrüder David & Eric Wurst (’Crash Dive 2’) ist recht gelungen, doch die Darsteller bekleckern sich kaum mit Ruhm. Vor allem Jay Underwood ist fast unerträglich pralle als Johnny Storm. Sein Overacting nervt. Michael Bailey Smith steckt die Hälfte der Zeit über in dem recht passablen Thing-Kostüm, welches allerdings auch für einige dramatische Szenen eingesetzt wird (walking through the streets, crying in the rain… wtf?!), was ganz fix zu unfreiwilligem Gelächter führt.
Dr. Doom kann als Schurke nur im weitesten Sinne überzeugen. Sein ach so böses Gehabe und das typische Superhelden-Geröhre a la “Do not fail me! Muahahahahaharrr!“ sind zwar höchstgradig amüsant, machen ihn aber bestenfalls zu einer Karikatur, nicht zu einem überzeugenden Fiesling. Vielleicht hält er sich einfach an die Regeln des Handbuchs der Superschurkeninnung.

Doom preparing for Exposition-Speech No. 11

Dass der Film nie einen Kinosaal oder (offiziell) ein Wohnzimmer sah, stieß einigen Beteiligten bitter auf. Aber angesichts des ’fertigen’ Filmes kann man ihnen eigentlich nur raten: Chill out! Soviel Glück hat man normalerweise nicht. Auf der anderen Seite ist ’Fantastic Four’ den Umständen entsprechend ganz putzig geraten. Ausgelassene Trashfans werden hier genau so ihren Spaß haben wie trinkfeste Comicnerds.


Hudson