Fair Play



Originaltitel: Fair Play (2006) Regie & Drehbuch: Lionel Bailliu
Darsteller: Eric Savin, Benoît Magimel, Marion Cotillard FSK: ungeprüft


Der sportliche Wettbewerb im Kampf um Aufstiegschancen und vielversprechende Projekte im Berufsleben, was sonst eher als Metapher zu sehen ist, ist in der Abteilung unter Chef Charles schweißtreibender Ernst.
Die beiden karrieregeilen Mitarbeiter Jean-Claude und Alexandre kämpfen im Kanu, beim Squash, auf dem Trimm-Dich-Pfad um das größere Projekt, den nächsten Karrieresprung oder den Arbeitsplatz im Allgemeinen. Und Fair Play spielt dabei absolut keine Rolle. Intrigen, Abmachungen und Ränke werden geschmiedet, immer mit dem Paddel, dem Golfschläger oder dem Racket in der Hand.

Mach's mit...
Dabei schafft es Regisseur Lionel Bailliu großartig, einen Spannungsbogen zu ziehen vom harmlosen Geplänkel über Spielregeln im Allgemeinen während einer Kanutour, bei der die selbst gesetzte Herausforderung noch darin besteht eine Mädchenrudermannschaft zu überholen über ein Nerven aufreibendes Squashspiel zwischen Charles und Alex, bei dem beide versuchen, den anderen physisch und psychisch an seine Grenzen zu treiben, bis hin zum großen Finale, einem Outdoortrip mit der gesamten Abteilung – Jean-Claude, Alex, den beiden Assistentinnen Nicole und Béatrice und Charles.
Bei dieser Klettertour durch einen Wildwassercanyon eskalieren die unterschwelligen Konflikte und Rivalitäten. Mit fatalen Folgen.
Hier kommt niemand mit einem blauen Auge davon und das hätte auch keiner der egoistischen Kriecher verdient (na gut, mit Ausnahme von Béatrice).

...mach's nach...
Besonders gelungen ist bei diesem Festival der Gemeinheiten die Verlagerung der gesamten Handlung in das sportliche Umfeld. Niemals ist das Büro zu sehen. Der Arbeitsalltag wird ausschließlich über die Gespräche während der Trainingseinheiten vermittelt.
Für seinen rabenschwarzen Film (welchen er übrigens um seinen oscarnominierten Kurzfilm „Squash“ konstruierte, in dem es um ein aus dem Ruder gelaufenes Spiel zwischen einem Angestellten und seinem Chef geht) konnte Bailliu unter anderem bekannte Darsteller wie Benoît Magimel (aus „Die purpurnen Flüsse 2“, hier mit karottenroter Pumuckl-Perücke), Jérémie Renier („Pakt der Wölfe“) und Marion Cotillard (Edith Piaf in „La vie en rose“) gewinnen. Auch der Rest des Teams erhält volle Punktzahl. Ganz besonders gefällt mir Eric Savin als total inkompetenter Chef, der um seinen Ruf fürchten muss, da er wegen sexueller Belästigung verklagt werden soll und der es nicht wirklich versteht, Privates von Beruflichem zu trennen.

...mach's besser!

An diesem Punkt ist es an der Zeit mal etwas festzuhalten: Die Franzosen haben meiner Meinung nach wirklich ein sicheres Händchen für einen guten Thriller. Begeisterte uns im letzten Jahr „Tzameti“ mit seiner düsteren, abgedrehten und bitterbösen Story, so schafft „Fair Play“ es in diesem Jahr das tiefschwarze Filmfreundeherzchen zu erfreuen. Absolut empfehlenswert.


Leone