Die erste Fahrt zum Mond


‘H.G. Wells' Astounding Adventure in Dynamation!’


Originaltitel: First Men in the Moon (1964)
Regie: Nathan Juran Drehbuch: Nigel Kneale, Jan Read, H.G. Wells
Darsteller: Edward Judd, Martha Hyer, Lionel Jeffries FSK: 12


196undeinpaarzerquetschte: Die multinationalen Astronauten staunen nicht schlecht, als sie eine britische Flagge inmitten des Mondgesteins finden, direkt neben einem Dokument, welches besagt, dass der Mond zum Besitz von Königen Victoria gehört.

"Gut gemacht. Jetzt fehlen noch
Haselnuss & Nougat-Füllung!"
Victoria? Die ist ja nun schon vor einigen Jahren abgetreten, also macht man sich auf die Suche nach den angeblichen Astronauten von damals und findet den mittlerweile greisen Arthur Bedford, der die Geschichte bestätigt. 1899, Bedford war eigentlich im Begriff, ein Theaterstück zu schreiben, erfand ein Bekannter, der leicht angeschrägte Wissenschaftler Cavor ein Material, das die Schwerkraft überlistet. Mit Bedford und seiner wenig begeisterten Verlobten Kate im Schlepptau baute Cavor ein Raumschiff, in dem sie schließlich (eher zufällig) zum Mond flogen, wo die drei erschreckende Abenteuer inmitten einer (offensichtlich) außerirdischen Zivilisation erlebten…

Ha, auf dem Mond lebten also einst insektoide Wesen, die sich Riesenraupen wie Kühe hielten und von drei albernen Menschlein besucht wurden, welche ohne Probleme die dortige Atmosphäre atmen konnten und an fast unsichtbaren Klaviersaiten durch’s Bild geschwenkt wurden.

Drei Wörter: Orangen - Netz - Haut
Solcherlei Extrem-Wissen lernt man nur in den irrwitzigen Ausflügen in die Wunderwelten der Traumfabrik. ’Die erste Reise zum Mond’ ist ein solcher Ausflug und ein ungemein charmanter obendrein. Einer verspielt ausgelassenen Einleitung auf dem englischen Lande folgt die kurze Reise zum Mond, wo schließlich eine gelungene außerweltliche Stimmung auf die drei Protagonisten und den Zuschauer wartet. Die erstklassige Effekt-Schau des Ray Harryhausen ist auch hier ein Highlight. Die von ihm zum Leben erweckten Kreaturen (jene bedrohlichen, insektenhaften Mondmännchen, die mal mit Stop-Motion animiert, mal in Kostümen durch die Tunnel des Mondes spazieren) sind faszinierend und bedeutend unheimlicher als in seinen fantastischen Ausflügen zu 1001 Nacht. Die gut aufgelegten Schauspieler (vor allem Lionel Jeffries als der urige Wissenschaftler Cavor) werden von den Effekten dabei keinesfalls in den Hintergrund gedrängt. Ihre Motive bleiben letztlich Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Und schließlich gelang es den Machern sogar, dem Film eine mahnende (mittlerweile allerdings gewaltig ausgelutschte) Botschaft und eine (gemein) witzige Pointe zu verpassen. Hut ab!

Verstopfung vorprogrammiert

’Die erste Fahrt zum Mond’ ist ein ganz klassischer Science-Fiction-Film, opulent ausgestattet, hübsch getrickst und gut gespielt. Empfehlung nicht nur für Genre-Fans und Harryhausen-Anhänger, sondern für alle, die liebevollem Trickkino etwas abgewinnen können.

Hudson