Fire & Ice: The Dragon Chronicles


‘When danger strikes from above, either burns your soul or freeze you to death.’


Originaltitel: Fire & Ice (2008) Regie: Pitof
Drehbuch: Michael Konyves & Angela Mancuso
Darsteller: Amy Acker, Tom Wisdom, John Rhys-Davies FSK: 16


“Das wird eines Tages alles dir gehören!“

Ein ’SciFi Channel Original’ vom Regisseur der Superhelden-Schlaftablette ’Catwoman’? Autsch, Baby.
Aber, hey: In dubio pro reo. Gewähren wir Pitof, der sich in den Filmen Jean Pierre Jeunets als Meister visueller Effekte bewiesen hat, eine neue Chance (als ob ich einen Grund bräuchte, mir einen Fantasystreifen mit Drachen anzuschauen).

Im Lande Carpia herrscht Terror aus dem Maul eines brandgefährlichen Feuerdrachen. Da König Augustin (Arnold Vosloo) keine Söhne gezeugt hat, hält seine Tochter als tapfere Thronfolgerin her.

"Toll. Der Chef macht Versprechungen
und wir dürfen den Balkon sichern!"
Prinzessin Luisa reitet und fechtet wie ein echter Kerl und hält, sehr zum Ärger ihrer Mutter und der höfischen Berater, ihre Zunge nicht im Zaum. Als der niederträchtige König Quilok, Herrscher des vom Drachenfeuer verschonten Nachbarreiches Augustin nur Hilfe im Falle der Unterwerfung anbietet, macht sich Luisa auf die Suche nach Gabriel, dem Erben eines berühmten Drachentöters. Mit Hilfe von Gabriel und dem alten Sangimel (John Rhys Davies) gelingt es der Prinzessin tatsächlich das Ungeheuer vorerst zu vertreiben. Doch von Menschenhand kann der Feuerdrache unmöglich besiegt werden, also entschließen die Helden sich, einen Eisdrachen herbeizurufen…

“Werden sie uns etwas tun?“
“Nein, es sei denn sie töten uns.“

Ähm… ja. Die Logik hinkt. Aber wir sind hier schließlich auch in einem Fantasyfilm und nicht auf dem Planeten Vulkan. Und wo sonst hätte man die Chance, zwei Drachen aufeinanderzupeitschen. Scheiß doch der Hund drauf, dass das die Lage erst recht kompliziert macht und die Situation ad absurdum führt.

Ich hab keine Ahnung, was zum Teufel
J. Rhys-Davies hier eigentlich macht...
Die Story von ’Fire & Ice’ ist handelsüblicher ’Kerker & Drachen’- Schmafu, wie er seit ’Herr der Ringe’ dutzendfach auf die kleinen und großen Schirme gebracht wurde. Das beinhaltet die üblichen Klischeefiguren, den guten alten ’Reite von Ort A nach Punkt B, um Gegenstand X zu Person Y zu bringen, damit Z passieren kann’-Plot und hakelige Fantasy-Dialoge (“Gabriel, was ist nun? Könnt ihr dieses Untier besiegen?“ “Das ist doch nicht von Interesse.“)
Was Pitof daraus macht ist immerhin visuell über dem Durchschnitt. Seine Drachen haben ein interessantes Manta-Design (der Fisch, nicht das Auto!) und sind für TV-Verhältnisse ordentlich animiert. Die Kamera fängt passable Landschaftsbilder ein, die hin und wieder mittels Computer-Zauberei auf Fantasy getrimmt wurden. Nur die moderne Musik will oft gar nicht zum Thema passen.
Was die Darsteller angeht, herrscht bei ’Fire & Ice’ ebenfalls leicht gehobener Durchschnitt. Arnold Vosloo (die Mumie aus ’Die Mumie’) und John Rhys Davies (der sich entweder in solchen Filmen extrem wohl fühlt oder keine anderen Rollenangebote mehr bekommt) fügen sich gut ins Bild. Heldin Amy Acker (’Angel’) und Held Tom Wisdom (’300’) geben ein hübsches Paar ab, doch fehlt Wisdom die nötige Ausstrahlung eines echten ’Leading Man’.

“Ich erwarte ein Echo der Hölle wenn ich dich jetzt töte!“

... aber hier erfindet er gerade das Lichtspieltheater (auch als ’Kino’ bekannt).

Würden die ’Dragon Chronicles’ nach der Hälfte nicht in ein Tief aus belanglosen, schnellen Szenen-Wechseln und gepresster Dramatik abtauchen, könnte man hier beinahe eine sachte Empfehlung aussprechen. So bleibt’s ein gediegener Lückenfüller für die LARP-Community und Leute, die mit blonder Langhaarperücke, angeklebten Spitzohren und scharf geschliffenem Replika-Schwert im Schoß auf der Couch der Dinge harren, die da aus dem Genre-Wald kommen werden.


Hudson