Ewoks - Kampf um Endor



Originaltitel: Ewoks: The Battle for Endor (1985)
Regie: Jim Wheat & Ken Wheat
Drehbuch: Ken Wheat, Jim Wheat & George Lucas
Darsteller: Wilford Brimley, Warwick Davis, Aubree Miller FSK: 12


Da sind sie wieder. Die flubbernden Fell-Bäusche vom Waldmond Endor, dessen Vegetation (wie wir schon im ersten Teil erleben durften) gar nicht auf Wälder beschränkt ist, sondern alle möglichen Klimazonen parat hält. Wahrscheinlich ist Endor noch nicht mal ein Mond. Da haben die Allianz-Kundschafter von Mon Mothma damals scheinbar reichlich miese Recherche betrieben.

Wicket & Cindel: Unterholz-Gesindel
Hier leben die Ewoks, zottelige Knuddel-Teddies, mit starren Fratzen, archaischen Waffen und liebenswerten Absichten in den Hütten und Bäumen der Wälder. Unter ihnen lebt auch immer noch die zu Beginn des ersten Filmes mit ihrem Shuttle auf Endor abgestürzte Familie Towani: Mama, Papa, Mace und Cindel. Letztere mussten im ersten Teil Stein und Bein in Bewegung setzen, um ihre Eltern auf einer wagemutigen Reise vor einem Ungetüm zu retten und erlebten dabei allerlei Abenteuer im Ewok-Land, bis sie schließlich allesamt wieder glücklich und unversehrt daheim, im guten alten Raumschiff-Wrack waren und bis an ihr Lebensende... ähem. Kennt ihr den Film 'Alien³'?
Ganz recht, Freunde. Gleich zu Beginn von 'Kampf um Endor' (und ich denke ihr seid euch der Tatsache bewusst, dass hernun Spoiler folgen) beißen drei Viertel der Famile Towani ins Trockengras, als das Dorf der Ewoks von fiesen Barbaren-Ork-Maraudern überfallen, angezündet und geplündert wird. Heilig's Blechle und das in einem Film, der für Kinder gedacht ist. Das macht man doch nicht! Ich bin empört, erzürnt und emotional ergriffen. Aber vielleicht war das ja eines der Anliegen der Macher.

Die gute, alte 'Village Raid'-Nummer...
Bekäme ich für jedes Mal, wenn diese Nummer im Genre-Film abgezogen wird,
eine Ewok-Locke, dann könnt ich mir mittlerweile ein Chewbacca-Kostüm basteln.

Übrig bleibt nur Goldlöckchen Cindel, die ihrem besten Kumpel Wicket (Warwick 'Willow' Davis) mittlerweile gebrochen English (bzw. 'Basic', bleiben wir bei Fach-Termini) beigebracht hat. Und der Wicket kann diesmal beim Sprechen sogar beinahe die Lippen bewegen. Gemeinsam können beide der Gefangenschaft der Fieslinge, die alle überlebenden Ewoks eingesackt haben, entfliehen und sich auf den Weg zur Hütte des alten Einsiedlers Noah und seines Meerschweinchen-Flitze-Viehs machen. Ich weiß, irgendwo in diesem Satz ist der Wurm drin und damit meine ich nicht die Grammatik.

Ist euch schonmal aufgefallen, dass
die Aliens in Filmen mit Wille Brimley
kontinuierlich knuddeliger werden?
Erst 'The Thing', dann 'Cocoon' und
jetzt die 'Ewoks'. Als nächstes spielt
er womöglich den Onkel von Alf.
'Kampf um Endor' wiederholt das Wander-Prinzip von Karawane der Tapferen' und ergänzt es durch das Finale von 'Die Rückkehr der Jedi-Ritter'. Hier wie da geht's um die Rettung gefangen genommener und verschleppter Freunde mit anschließendem Fight-Finale. Aber Leute; nach der fiesen Einleitung fiel es mir schwer, mich wirklich am Gedanken an eine weitere abenteuerliche Reise festzuhalten. Ich meine, was passiert im dritten Teil? Werden die heimgekehrten Ewoks von Nazi-Bikern auf den Scheiterhaufen gepackt, während Wicket entführt und dann von Noahs Flitze-Meerschwein von der dunklen Seite des Monds gerettet wird? Nee, kommt.
Dabei hat auch 'Kampf um Endor' einige witzige Ideen und vor allem kultige FX aus dem Stop-Motion-Trickkasten. Monstrositäten wie die Reittiere der Marauder sind toll gezaubert und für Leute wie mich, denen bei jedem halbwegs an Harryhausen erinnernden Special Effect einer abgeht, ein Augenschmaus. Auch die Szene, in der Wicket die kleine Cindel aus den Krallen eines Wesen befreit, das ich aus Mangel an Alternativen als den kleinen Bruder von 'Q' (aus dem gleichnamigen Film von Larry Cohen) bezeichnen möchte, ist spitze getrickst, spannend inszeniert und ein echtes Highlight des Films.

Mit dem Kinnbart hätte er auch prima
den Schurken eines italienischen
Sandalenfilms spielen können.
Wie schon im Vorgänger legten die Macher hier wieder mehr Gewicht auf Märchen-Aspekte. Die Lokal-Hexe trägt einen Zauberring wie Klarabella persönlich, Fabelwesen diverser Couleur beherrschen das Bild und wer hätte gedacht, dass auf Endor eine Burg aus Roger Cormans Barbaren-Archiv mit passendem Fantasy-Interieur steht? Science Fiction war gestern. Lediglich die Marauder tragen Blaster-Kanonen, aber mei, die hatten die Slayer aus 'Krull' auch.
Amüsanterweise sind diese Wesen, die von einem Hünen namens Terak (Carel Struycken, 'Lurch' aus der 'Adams Family') und Hexe Chanal (Sian Phillip, die Bene Gesserit Reverend Mother aus 'Dune') angeführt werden, auf der Suche nach Powerzellen, mit denen sie überhaupt nichts anfangen können, von denen sie sich aber große Macht und Magie versprechen. Womöglich war ja einer der Pappköpfe der Rebellenallianz ihr Gefangener und hat ihnen dieses Märchen aufgetischt, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Wissen die denn nicht, dass den verdammten Mon Calamari Fischköppen nicht zu trauen ist? It's a trap!

Monstren greifen Opas an!
Besetzungstechnisch hat sich einiges verbessert. Mit Paul Gleason ('Breakfast Cbub') und Wilford Brimley ('Cocoon') haben wir zwei echte Garde-Haudegen im Forst, die dem Material einen Hauch von Klasse und Gravitas verleihen. Gleasons Neubesetzung auf Cindels Papa erscheint allerdings seltsam, ist er doch gerade mal knappe zwei Minuten auf dem Bildschirm, wenn auch in einer der wenigen emotional relevanten Szenen des Films.
Die Idee, das persönliche Finale neben dem Ewoks vs. Marauder-Scharmützel von Opa Brimley und Monster Struycken ausfechten zu lassen, halte ich jedoch für einen der bekloppteren Einfälle des Filmes. Mano-a-Mano ist anders.
Cindel-Darstellerin Aubree Miller (die danach nie wieder auf irgendwelchen Bildschirmen zu sehen war) ist nach wie vor putzig, aber immer noch keine Schauspielerin. Wollen wir nicht zu hart mit ihr ins Gericht gehen. Wer den Tod seiner ganzen Familie so tapfer durchsteht (ich will es immer noch nicht glauben) und in Moonboots zwei derartig strapaziöse Reisen übersteht, ohne sich dabei die puppenhafte Lockenpracht zu zerzauseln, hat sich 'nen Lolly und die Heimreise in die Zivilisation redlich verdient.

Mich beschleicht das Gefühl, dass die Idee für den
kleinen Scheißer hier von George Lucas persönlich kam.

Bildlich wie tatsächlich stellt 'Kampf um Endor' nicht viel mehr als den Kampf um eine handvoll Waldhütten zwischen einer Schar knuffiger Teddi-Typen und den bösen Orks aus der Gummiwerkstatt dar. Beide Gruppierungen verbindet ein absurd starrer Gesichtsausdruck, der durch die statischen Masken bedingt ist. Alle Kreaturen laufen hier ständig mit offenem Mund herum, als staunten sie über den Unfug, den ihre Puppenspieler just mit ihnen anstellen. Das Staunen der Zuschauer hält sich in Grenzen.


Hudson