Die Ewoks - Karawane der Tapferen


‘You'll live the adventure... You'll love it's heroes.’


Originaltitel: The Ewok Adventure (1984) Regie: John Korty
Drehbuch: George Lucas & Bob Carrau
Darsteller: Eric Walker, Warwick Davis, Fionnula Flanagan FSK: 12


Die Teddies reiten wieder.

Die Ewoks - verhasst, geliebt, verspottet, geknuddelt. Jeder hat seine eigene Meinung zu ihnen. Ich mag sie und der Herrscher des Universums auch. Wie sonst lässt es sich erklären, dass die fusseligen Quietsch-Teddies nicht nur einen, sondern sogar zwei eigene Filme spendiert bekamen. Nun, womöglich mit George Lucas' Vorliebe für Zwerge und seiner Ambition, nach der 'Krieg der Sterne'-Trilogie mal was für Kinder zu machen. Einen Trend, den er 15 Jahre später mit einem Film namens 'The Phantom Menace' und der Aussage "'Krieg der Sterne' sei ja eigentlich schon immer für die Kinder gedacht!" fortsetzte. Aber lassen wir das. Ich bin schließlich einer der vier Leute, die sogar 'TPM' etwas abgewinnen können.

Chewies böser Onkel Grrrewie.
Ein netter Märchenonkel (Stimme: Burl Ives, 'Die Katze auf dem heißen Blechdach') erzählt uns im nun folgenden Film die Geschichte der Ewoks, die in einem "verzauberten Wald" auf dem Mond Endor leben. Den kennen wir schon aus 'Die Rückkehr der Jedi-Ritter', obwohl ich ganz ehrlich nicht weiß, ob 'Ewoks' ein Prequel oder ein Sequel ist.
Ewok Wicket (Warwick Davis, 'Leprechaun'), der auch schon Luke Skywalker und seine Gefährten über den Waldmond begleitete, kann hier jedenfalls immer noch kein Englisch (oder 'Basic', wie's wohl im 'SW'-Universum heißt), dafür sind seine Kollegen aber zivilisiert genug, um die beiden menschlichen Protagonisten, ein Geschwister-Paar namens Cindel und Mace, nicht sofort auf den Grill zu legen, wie einst (oder später) Luke, Han und Leia.

Morgens halb zehn auf Endor:
Zeit für nen deftigen Braten.
Die kleine Cindel, ihr großer Bruder Mace und ihre Eltern (Fionnula Flanagan, 'The Guard' und Guy Boyd, 'Retroactive') sind mit einem Shuttle auf Endor gecrasht und beim Aufprall scheinbar in verschiedene Richtungen geprallt. Während das Geschwisterpaar sich im Shuttle-Wrack versteckt, wurden ihre Eltern von dem örtlichen Supermonster Gorax (ein Riesenzottel mit 'Rancor'-Synchro) verschleppt und wie einst Hänsel und Gretel im Käfig zum späteren Verzehr aufbewahrt.
So gesehen ist 'Karawane der Tapferen' fast eine clevere Umkehr-Variante des Grimmschen Märchens. Nur dass hier die Kinder die Eltern retten müssen, weil die scheinbar nicht raffiniert genug für den Trick mit dem Knochen sind. Na gut, vielleicht nicht unbedingt clever, aber adäquat für einen Film, dessen menschliche Protagonisten eigentlich nur für die Connection zwischen Publikum und den eingeborenen Pelzviechern da sind.
Auch wenn beide Kinder-Darsteller keine sonderlich guten Schauspieler sind und den Zuschauer gelegentlich mit (zumindest in der Originalversion) furchtbar vorgetragenen Dialogen ("This sure is a good candle. It never burns out.") abschrecken, sind wir auf sie (und Onkel Märchen aus dem Off) angewiesen, denn das zuweilen reichlich debil wirkende Ewok-Gefasel wird nicht mit Untertiteln versehen, hat aber amüsante Phrasen wie 'Nappschuh', 'Waikiki' und 'N'altaa' im Vokabular.

Zur Sprachbarriere gesellt sich anfangs auch noch der Hauch des Misstrauens. Kein Wunder: Als die Ewoks Cindel bergen - aber seht selbst:


Also ich hätte mich auch gefürchtet, aber gleich und gleich gesellt sich gern. Deswegen findet die wie ein Püppchen aussehende Cindel schnell Anschluss bei den wie Teddybären aussehenden Ewoks. Nachdem eine Auseinandersetzung mit Mace ("Get your hands off her, you muttface!") überstanden ist, rottet man sich schließlich zusammen, um zum weisen Schamanen Logray zu wandern, der ja bereits in den Baumhütten von 'Die Rückkehr der Jedi Ritter' herumzauselte und später auch in der Trickserie und den Comics eine größere Rolle spielte. (Kuckt nicht so pikiert! Als Bub war ich begeisterter 'Ewok'-Leser und Fan der Lore.) Mithilfe von Lograys Zauberwürfel kann jetzt auch die Location der Eltern ermittelt werden.

Hmm, den Witz mit dem Drogenstrich
kann ich hier nich bringen oder?
'Star Wars' war schon immer mehr Weltraum-Märchen als Science Fiction, aber 'Karawane der Tapferen' dreht den Fantasy-Regler noch mal eine Runde weiter. So zieht die knuddelige Gemeinschaft im Laufe des Films von einem Wunder (Trickfilm-Feen) zum nächsten (magischer See), vorbei an märchenhaften Gefahren (ein Riesenschwein) und sammelt neue Gefährten (Ewok-Puppen) ein.
Für die TV-Produktion (die in Deutschland sogar im Kino lief) stand Production Designer (und späterem 'Captain America'-Regisseur) Joe Johnston natürlich nicht das Budget eines 'Star Wars'-Streifen zur Verfügung, weshalb bei der Qualität der Tricks auch ein paar Abstriche zu machen sind.
Set-Design, Matte Paintings und Effekte sind durchwachsen, treffen bei mir aber genau auf den Nerv, der sich beim Anschauen solcher Filme den Spaßfaktor abgreift. Besonders die Vielfalt der Monstrositäten, die entweder mittels Stop-Motion, Animatronik oder simpler Puppen dargestellt wurden, hatte es mir schon als Kind angetan. Es gibt ein Baum-Muränen-Monster, das einen einäugigen Critter anstelle der Zunge hat, eine Ratten-Wildschwein-Kreatur, die aussieht wie ein Vorfahre von Rocksteady dem Turtles-Schwein und dann diese herrlichen Film-Spinnennetze, die aus Seilen und Fadenspray zusammengebastelt werden und auf denen wundervolle Spiders-on-Sticks herumkrauchen.

Und deswegen, meine Damen und
Herren, schauen wir solche Filme!
Man muss unweigerlich an die Puppenspieler denken, die wahrscheinlich in der Szene irgendwo links unter jenen Viechern liegen, um die Gliedmaßen zu bewegen. Das punktet bei mir genau so, wie Soundeffekte (klassische 'SW'-Laser-Geräusche) und Musik (die knuddelige Ewok-Theme), die teilweise direkt aus dem 'Star Wars'-Archiv übernommen wurden. Genauso die Ewok-Kostüme, die schon bei 'Rückkehr der Jedi-Ritter' kaum State-of-the-Art waren und ihre Träger auf winkende, hinkende Knuddel-Säcke beschränken, deren Bewegungen mehr an Übersprungshandlungen als an Gestik erinnern. Von der Mimik ganz zu schweigen.
Die Pelz-Knäuel wurden auch in der Originalfassung nachsynchronisiert, da selbst ihr sinnloses Gebabbel schwerlich hinzubekommen sein dürfte, wenn die Zunge (wie von Wicket ununterbrochen zur Schau gestellt) zwischen den gewaltigen Zähnen und der wulstigen Lederlippe steckt.

George Lucas scheint tatsächlich ein Herz für Gnome, Feen und Monster zu haben. Mit 'Willow' ließ er 1989 den gleichen Film (ebenfalls mit Warwick Davis) quasi noch mal drehen.

Applaus, Applaus!
In 'Die Ewoks - Karawane der Tapferen' vermischte er seine Goldesel-Franchise mehr als zuvor mit Elementen diverser Märchen, Fabeln und der griechischen Mythologie zu einem familientauglichen Garn, das im Herzen Zusammenhalt und Opferbereitschaft trägt. Die Ewoks stellen sich ihrem langjährigen Feind erst, als zwei verlorene Fremde in ihren Wald kommen, die ihre Hilfe brauchen. Und daran, dass ich diesem Film ein emotionales Fundament andichten will, erkennt man auch ganz gut, dass ich mich möglicherweise zu intensiv mit solchen Filmen beschäftige oder im Allgemeinen nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Tja, oft sagen solche Rezensionen mehr über ihren Autor, als über den Film.
Auch heute debattieren Fans immer noch, ob 'Die Ewoks' zum 'Krieg der Sterne'-Canon gehören. Ich sage ja. Wicket, Logray, orangene Jump-Suits, der Name Mace und die Synchronstimme vom 'Rancor' sind mir Beweis genug. Ist aber auch mehr ein Bauchgefühl.


Hudson