Evolver


‘He Makes Reality A Virtual Nightmare’


Originaltitel: Evolver (1995) Regie & Drehbuch: Mark Rosman
Darsteller: Ethan Embry, Cassidy Rae, Nassira Nicola FSK: 16


Virtual Reality! Wer erinnert sich?

So sah's aus in den 90ern!
Wenn es nach den Trends der Neunziger Jahre ginge, wäre Virtual Reality nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Wir würden ununterbrochen eine dämliche Helmbrille auf der Omme tragen und in immer schicker designten virtuellen Matrizen einkaufen, Leute treffen und diese vermaledeiten Killerspiele zocken. Die multimediale Entwicklung wollte es Gott sei Dank anders. Aus der Helmpflicht wurde nichts und heute bleiben uns nur noch Relikte einer lustig bunten Dekade, die entweder in schimmeligen Kellerregalen auf den Putzteufel warten oder in unseren hochmodernen Abspielgeräten rotieren und stinknormal mit blanken Augen und Ohren konsumiert werden. Neben dem ’Stephen Kings Rasenmäher-Mann’ (von Stephen King) ist vor allem die hanebüchene Killerrobo-Klitsche ’Evolver’ ein schönes Beispiel für diesen schwachsinnigen Trend.

Uh oh. Rieche ich hier etwa
eine Killerroboter-Debatte?
Gleich zu Beginn sehen wir die Protagonisten Kyle und Jamie in einem virtuellen Match, dessen Hauptpreis ein waschechter, intelligenter, autodidakter Roboter ist. Der ’Evolver’ genannte Blechkasten wird dem erstaunten Gewinner Kyle unverzüglich von Wissenschaftler Bennett (John ’Q’ De Lancie) ins Kinderzimmer gekarrt und schon initiiert Evolver ein amüsantes ’Shoot-em-up-with-rubber-balls’-Gesellschaftsspiel.
Wäre Evolvers Hauptplatine nicht versehentlich mit einem Killerprogramm des Verteidigungsministerium bestückt und dieser Film kein Techno-Schocker, dann würde jetzt womöglich ein tollpatschiges Malheurs nach dem anderen passieren und der kleine Aushilfs-R2 sich in die Herzen seiner ’Mitmenschen’ eimern. But the show must go on… and so must the killings!

Öff, Killerroboter gehören wirklich nicht zu den genialsten Geschöpfen des Genre-Kinos. Von ’M.A.R.K. 13’ bis ’M.R.C.V.’, rollen, fiepen und rauben die Dinger ihren Zuschauern meist den letzten Nerv. Den meisten Spaß hat man da noch bei Cormans ’Shopping’.

Käfig-Match mit Laserbarriere
’Evolver’ führt diese Tradition der unbefriedigenden Techno-Töterei fort und fährt dazu noch eine unglaublich bekloppte Hintergrundgeschichte, hoffnungslos käsige VR-Szenen und peinliche 90er Jahre Teenager auf, die mich mit Scham an meine eigene Pubertät zurückdenken lassen.
Hier sind die Plot-Milestones genau so obligatorisch, wie Evolvers Beuteschema (Kifferdudes, Nerds, Bullies, die üblichen Verdächtigen halt). Immerhin gibt es ein paar Lacher zu ernten, beispielsweise, wenn Evolver Kyles kleine Schwester mit Gummibällen beschießt und zur Schlussfolgerung “Munition ineffektiv!“ kommt.
Aber musste es wirklich ein putziger Blecheimer mit K.I.T.T.-Gedächtnis-Glühleisten auf Rollschuhen sein? Durfte niemand mit einem besseren Vorschlag, als der durchgekauten ’verkacktes Militärprojekt’-Idee aufwarten? Und kann es sein, dass John De Lancie mal gar nichts taugt, wenn er nicht gerade als schwuler Daniel der Enterprise Crew auf die Klötzer geht?

“Ich dachte das Ding ist superintelligent.“
“Ich schneide dir gleich die Gurgel durch.“
“Was hat er gesagt?“
“Verschwinde, oder die Schlampe stirbt!“

The end of all things robotic

Fazit: Weder spannend, noch allzu unterhaltsam, dafür aber reichlich überflüssig, kentert ’Evolver’ recht bald ins ’Don’t give a Shit’-Vakuum seiner Zuschauer. Davor retten den Film weder die hin und wieder belustigenden Bemerkungen der Titelmaschine, noch der amüsante Fakt, dass diese im Original von William H. Macy “gesprochen“ werden. Switch off.


Hudson