Escalation


“There's a party every day, a movie every night, and all the junk food you can eat. What more can a kid want... except to get out.”


Originaltitel: Dead-End Drive In (1986)
Regie: Brian Trenchard-Smith Drehbuch: Peter Smalley
Darsteller: Ned Manning, Natalie McCurry, Peter Whitford FSK: 18


Das wird hart…

Also gut. Kennt ihr diesen Alptraum? An einem Platz festzustecken, wo ihr nicht hingehört, von dem ihr aber nicht entfliehen könnt? Ein Platz der euch arg bizarr vorkommt, der aber für alle anderen (inklusive eurer Freunde), mit seinen absurden Regeln, selbstverständlich ist? Genau dieses Thema behandelt Brian-Trenchard Smith’ ’Esacaltion’.
Es gibt mehrere Arten, diesen Film zu beschreiben. Die beiden offensichtlichsten wären: Als Gesellschaftskritik getarnter Trashfilm oder ins schrille 80’er Gewand gekleidete Sozialsatire.
Was anfangs wie Fun-Trash von Down Under daher kommt (man beachte den Klappentext der VHS, wo von ’Mad Max-artigen Zuständen’ die Rede ist), entwickelt sich schnell zu einer spannenden, und verdammt ironischen Zukunfts-Karrikatur, die vor allem aufgrund unserer Sympathie zu ihrem Hauptdarsteller fesseln kann.

Sogar die Autos hatten
irre Frisuren in den 80ern.

Crabs (Ned Manning) ist ein netter Junge aus der Nachbarschaft, in der nicht allzu fernen Zukunft. Er versucht groß und stark zu sein, wie sein Bruder, joggt und boxt, jedoch ohne Erfolg und hat nur einen lausigen Job als MiniCar-Fahrer.
Die Gegend ist alles andere als sicher, die skrupellosen ’Carboys’ beherrschen die Straße und da dass Benzin knapp ist, verscheuern korrupte Polizisten die ’Exklusiv-Rechte’ für Unfallorte an den höchstbietenden Abschleppfahrer, von denen einer auch Crabs Bruder ist. Als dieser ihm eines Tages seinen teuren Chevy für ein Date im Autokino leiht, nimmt der Film eine Wendung. Eigentlich wollte Crabs mit seiner Freundin Carmen (Natalie McCurry) nur einen netten Abend auf dem Rücksitz des Autos verbringen, während ein blöder Film auf der Leinwand flimmert. Mitten im Schäferstündchen werden vom Wagen aber plötzlich zwei Reifen abmontiert. Crabs verfolgt die Diebe, findet aber zu seiner großen Überraschung heraus, dass es die Polizei war. Als er sich beim Manager des Auto-Kinos beschweren will, gibt dieser ihm lediglich zwei Decken und einen Schub Essenmarken und erklärt Crabs, dass er und Carmen das Gelände nun nicht mehr verlassen dürfen.
Was Crabs anfangs für einen schlechten Scherz hält, nimmt am nächsten Morgen skurile Realität an. Auf dem riesigen Grundstück stehen überalle Autos ohne Reifen herum, deren Insassen (größtenteils aus den sozialen Unterschichten) hier leben und eine eigene kleine Gesellschaft gebildet haben. Der Platz ist durch Polizeipräsenz und einen elektrisch geladenen Zaun gesichert. Crabs und Carmen sind gefangen im Alptraum Auto-Kino…

"Dein Milchgeld, sofort!"

Ich weiss, die meisten von euch denken jetzt ’Was für ein Humbug?’, doch nicht zu voreilig, liebe Film-Fans, denn hier haben wir meines Erachtens eine unterschätzte Perle der etwas anderen Art vorzuliegen.
Keine Frage, an manchen Stellen schreit der Film geradzu nach TRASH, ein offenherziger Zuschauer sollte sich vom schrillen Design und der teilweise vorhandenen Holzhammer-Sozialkritik nicht blenden lassen. Zugegeben, letztere stößt zuweilen arg sauer auf, wenn zum Beispiel Lastwagen voller Asiaten auf das Gelände ’deportiert’ werden und die weissen Insassen ’Schlitzaugen raus’ Chöre anstimmen, einen Turban tragenden Inder auf der Toilette verwemsen wollen oder in der platzeigenen Mensa (!) populistische Reden gehalten werden, denkt sich der eine oder andere Feingeist, dass man das auch subtiler hätte gestalten können. Davon abgesehen weiss der Film aber von der ersten bis zur letzten Minute zu unterhalten, bietet Spannung, einen guten Hauptdarsteller und Anleihen bei ’Die Welle’ und ähnlichen literarischen und filmischen Werken rund ums Thema Gesellschaftskritik. Zum Finale hin kommt auch sogar noch die Action in Fahrt und wer sich (rein thematisch) bei ’Story of Ricky’ und ’Street Trash’ gut aufgehoben fühlte, der wird auch an ’Escalation’ seine Freude haben. Das Trenchard Smith’ (’Die BMX Bande’) Zukunftsfarce eine FSK Freigabe von 18 bekommen hat ist hingegen Quatsch (womöglich aber durch Archiv-Material von Trenchs Exploitation-Hauer 'Escape 2000' zu begründen).

Kino-Erlebnis im Erlebnis-Kino

’Escalation’ ist eine schrille Satire, die zuweilen trashiger scheint, als sie ist. Wer auf verrückte Ideen steht, die konsequent ausgeführt werden und unkonventionelle Unterhaltung vertagen kann, der sollte nach dem Streifen Aussschau halten.

Hudson