Er – Stärker als Feuer und Eisen


‘Ein gewaltiges Abenteuer 4500 Jahre vor unserer Zeit’


Originaltitel: Guerra del ferro - Ironmaster, La (1983) Regie: Umberto Lenzi Drehbuch: Alberto Cavallone, Lea Martino, Dardano Sacchetti & Gabriel Rossini
Darsteller: Sam Pasco, George Eastman, Pamela Prati FSK: 16


“Vor tausenden von Jahren, als die Feuer der Vulkane die Nacht erleuchteten, entdeckte ein Stamm eine fürchterliche Waffe und erfand den Krieg.“

"Ey kieck ma, ick hab Feuer erfunden!"

Der Stamm der zottelköppigen Zausel-Opis und waschbrett- bis schmerbäuchigen Speerträger braucht einen neuen Häuptling. Vood (George Eastman, ’Die Barbaren’) ist einer der Anwärter, hat aber nur Muskeln und kein Hirn. Deshalb will der alte Häuptling auch Ela als Nachfolger. Vood, der gemeine Hund, kann das nicht akzepieren und nutzt den Hinterhalt eines feindlichen Stammes als Gelegenheit, dem Alten die Schädeldecke von der Rübe zu spalten. Ela wird Zeuge der Tat und vertreibt den Mörder aus dem Stamm. Kurz darauf kommt es zu einem furchtbaren Unwetter plus Vulkan-Ausbruch (Archiv-Footage galore!), das am nächsten Tag die italienischen Nebelmaschinen hart arbeiten lässt. Im Wust der Nachwehen findet der verstoßene Vood das erste Schwert der Welt, im frischen Vulkan-Gestein (jaja, schon fast fertig geschmiedet und abgekühlt) und probiert es gleich an einem Löwen aus (der am Tag zuvor noch aus einer Baumkrone heraus die Frauen des Stammes beim Baden beobachtet hat… kein Witz!)

Am Anfang war die Frisur!
Erst dann kam das Feuer!
Nachdem er das Raubtier erfolgreich niedergemetzelt hat, tritt ihm plötzlich ein Weib in den Weg: “Ich heiße Lith. Ich grüße dich, Vood. Du wirst in Zukunft die Erde und die Menschen beherrschen!“ Lith, die aus irgendwelchen stammes-internen Gründen ihr Land (“…von der anderen Seite des Vulkans…“) verlassen musste, bietet sich Vood ohne lang Palawer auch gleich als Liebes-Sklavin an.
Betört und völlig überzeugt von ihren Worten kehrt er zu seinem Stamm zurück. Diesmal aber mit dem Schwert, der neuen Waffe und dem ausgehöhlten Löwen-Kopf auf der eigenen Rübe (keine Angst, liebe Tierschützer, es ist nur ein närrischer Plüsch-Löwi!). Die restlichen Cromagnons sind schnell von seiner Aufmachung und den Worten von Lith (die nun wie ein weiblicher Goebbels daher kommt) beeindruckt und vertreiben Ela, den einzigen Zweifler, in die Wildnis. Dort lernt dieser (nach einigen Büffel-Jagden und Begnungen mit unfreundlichen Affenmenschen) bald die junge Blondine Isa kennen, die von nun an seine Gefährtin sein soll. Doch Ela muss sich seiner Verantwortung, und somit Vood stellen.
Denn dieser ist völlig in seinem Führer-Dasein aufgegangen und löscht einen Stamm nach dem anderen aus…

Schau an, Umberto Lenzi wollte wohl einen Mix aus ’2001’, ’Conan’ und ’Am Anfang war das Feuer’ mit gesellschaftskritischer ’Drittes Reich’-Analogie, um das Lendenschurz-Genre neu zu erfinden. Um das gleich mal vorweg zu klären: Gelungen ist es ihm nicht.

Catweazle & the Skull of Power
Das mag daran liegen, dass Lenzi ein wirklich ausschweifendes Budget genau so wenig zur Hand hatte, wie ein überzeugendes Drehbuch und außerdem die Hauptrolle mit dem völlig unbekannten Bodybuilder Sam Pasco besetzte, der danach auch nie wieder in einem Film zu sehen war.
Auch ist der Film weder mit anschaulichen Effekten oder trefflichem Make-Up gesegnet. Die Affenmenschen z. B. wären plausibler, wenn sie ein Schild mit der Aufschrift ’Wir sind Affen, glaubt uns!’ getragen hätten, doch passen sie, zusammen mit den Fellgamaschen und Synthetik-Perücken, den Lepra-Zombies und Knet-Mammuts in den Guß dieses steinzeitlichen Barbaren-Trashers hinein.
Und genau hier enden meine Beschwerden auch schon. Denn so sollte man den Film auch nehmen: Als Barbaren-Trasher, zumal er ähnliche italienische Gurken (’Schwert des Barbaren’, ’Throne of Fire’) locker in die Tasche steckt. Da ist es natürlich hilfreich, dass hier mit einem Ernst zur Sache gegangen wird, der dem gezeigten in jeder Weise entgegen steht. Da ist zum Beispiel William Berger als Weiser Mogo zu sehen, Anführer eines Stammes, der nur Pflanzen isst und auch sonst vom Pazifismus geplagt ist (“Mogos Stamm hat keine Waffen. Waffen bringen nur Unglück.“ Recht dumme Einstellung für einen Barbarenfilm). Außerdem hat der Streifen ein Titellied, das mich irgendwie an eine von Männern geröhrte Version von ’Don’t cry vor me Argentina’ erinnert (die restliche Musik ist allerdings recht gelungen), wunderschöne Landschaftsaufnahmen (immer ein Pluspunkt!) und Pamela Prati (’Die Abenteuer des Herkules’), der immer wieder die linke Brust aus dem Fell-Bikini hüpft.

Erinnert sich noch jemand 'Steinzeit-Games'?

Fazit: Unterhaltsames und durchaus anschaubares Trash-Epos mit netten Bildern, adretten Höhlenmenschen und fetten Büffelherden, die andauernd ’Muuuuh’ machen. Zum Lachen und ’Überhaupt-nicht-Ernst-nehmen’!

Hudson