Equinox


‘It was a peaceful mountain retreat until IT came home...’


Originaltitel: Equinox (1970)
Regie: Jack Woods Mark Thomas McGee & Dennis Muren
Drehbuch: Mark Thomas McGee & Jack Woods
Darsteller: Edward Connell, Barbara Hewitt, Frank Bonner FSK: 12


’Equinox’ war ein Studnik-Projekt des Special FX-Genies Dennis Muren, der 1967 mit ein paar Kumpis in die Wildnis marschierte, um nach einer Bierdeckel-Anekdote ein paar FX im Hinterwald zu filmen. Dass das Teil 1970 tatsächlich für den Kino-Release rausgekramt und neu überarbeitet ("überarbeitet") wurde, spricht einmal mehr für die Unzurechnungsfähigkeit einiger Geschäftsleute der Traumfabrik, wundert mich aber kein bisschen. Aber gut, mich wundert eigentlich gar nichts mehr, wenn’s um Filme geht…

Geile Weiber...
Die traurige Entschuldigung von einer Story handelt von zwei Pärchen, allesamt Studenten des Zausel-Profs Dr. Waterman, die letzteren in seiner Waldhütte nahe der Hollywood Hills besuchen wollen. Dort angekommen sieht man zunächst einmal ein geheimnisvolles Pappschloss in der Ferne blinken, als ein Jägersmann mit dem wohlklingenden Namen Asmodeus herbei reitet und die Jugendlichen vor den Tücken der Gegend warnt. Ungeachtet dessen trapst man in die nächstgelegene Höhle, in der ein alter Opa den Damen und Herren ein Buch überreicht, bei dem es sich natürlich um das Necronomicon handelt. Natürlich. Kurze Zeit später (ich hoffe, ihr folgt mir noch) sitzt man beim Picknick, als Dr. Waterman plötzlich aus dem Unterholz hüpft und den Kids das Buch entwendet. Eine knappe Verfolgungshatz später liegt der gute Doc mit Herzstillstand im rauschenden Bach und die Studis bekommen allmählich das grobe Gruseln. Irgendetwas stimmt hier nicht (no shit), lasst uns doch mal in dem Buche lesen…

"Asmodi. Ja genau! Ich kann mich erinnern. Das ist… Asmodi ist ein anderer Name für den Teufel."
"Der Teufel?"
"Das kann ich mir vorstellen. Ihr hättet ihn sehen sollen, als er in Aktion war."

In Deutschland wurde ’Equinox’ mit einem ’Schwertschwingender Muskelmann nebst halbnackter Ische vor Saurier-Panorama’-Cover, unter dem Titel ’Harry und der Zauberring’ unters Volk gebracht und auf dem Backcover mit ’Tanz der Teufel’ verglichen.

...Kruzifix...
Selbstverständlich gibt es hier weder Muskeln, noch Schwerter, Halbnackerte, Saurier, einen Typen namens Harry oder einen Zauberring, dafür aber tatsächlich das ’Necronimicon Ex Mortis’ (Buch des Todes), das genau wie in Sam Raimis Schock-O-Rama zehn Jahre später allerlei Unheil anrichtet und dämonische Wesen herbeizaubert.
Die technische Umsetzung der von vornherein zusammen gezutzelten und im Nachhinein für den Kinorelease gepatchten Story ist eine einzige Katastrophe. Die Darsteller haben keine Ahnung vom Schauspiel, die Kamera wackelt und juckelt, wie von Opa Erwin kurz vor dem Schlaganfall bedient, die Schnitte sind so amateurhaft, dass Gunnar Hansen mit der Kettensäge bessere Arbeit hätte leisten können und die Synchron-Hoschis tragen die ohnehin depperten Dialoge nicht vor, sie lesen sie ab.
"Bekannte Special FX Größen gaben hier ihren Einstand." steht ebenfalls hinten auf dem Backcover und das stimmt wohl. Dennis Muren ist einer der bedeutendsten Visual FX Profis der letzten dreißig Jahre. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir es hier mit großen Special FX zu tun haben. Der Einsatz von Forced Perspective (grünbemalter Fellriese), Stop Motion-Tricks (fliegender Knet-Dämon) und ein paar schummrigen Lichteffekten sind für Studentenfilm-Verhältnisse vielleicht ganz amüsant, aber gemessen am Standard der damaligen Zeit gerade mal eine trashige Fingerübung.

...mittendrin: Speschel Effix

Nein wirklich. Das war nix. Vielleicht zum ‘Auf dem intimen Bierfest den besten Kumpis zeigen’, aber nicht zum ‘Auf DVD packen und der Öffentlichkeit zugängig machen’. Doch genau so geschah es und nicht nur irgendeine DVD, nein, das Ding wurde von ’Criterion’ veröffentlicht. Aber gut, die haben ja auch Michael Bays ’Armageddon’ im Angebot. Für Trashfans goutierbar, für den Rest Whiskeybar.


Amüsante Anekdote am Rande: Fritz Leiber, Autor der kultigen ’Fafhrd und der graue Mausling’-Romane (und etlicher Science Fiction-Klassiker) spielt hier den Dr. Waterman.


Hudson