In der Gewalt der Riesenameisen


‘It's no picnic!’


Originaltitel: Empire of the Ants (1977) Regie: Bert I. Gordon
Drehbuch: Bert I. Gordon, Jack Turley, H.G. Wells
Darsteller: Joan Collins, Robert Lansing, John David Carson FSK: 12


Presented in Ant-o-Vision!

Bert I. Gordon, bei diesem Namen werden Herzen und Hirne von B-Movie-Fans weich. Das umfangreiche Repertoire des Regisseurs birgt Schund-Klassiker wie den spaßigen ’Earth vs. The Spider’, das unvergleichliche ’Ascalon, das Zauberschwert’ und den Tier-Mutation-Schwank ’Die Insel der Ungeheuer’. Nach letzterem kam Meister Gordon in Sachen ’Menschlicher Eingriff in die Natur’ erst so richtig in Fahrt, spezialisierte sich aber auf eine Spezies, nämlich die der ’Ameisen’.
Sicherlich haben wir alle schon die Geschichten stoffeliger Biologiestudenten gehört, dass Ameisen, wären sie so groß wie ein Terrier, die Welt beherrschen würden und uns entweder ausrotten oder versklaven würden. Wer kann’s ihnen verdenken, bei all den ungezogenen Menschenkindern mit Brenn-Lupen oder dem ekelhaften Insektenspray im Sommer auf der Datscha, wenn Tante Käthe den Kirschkuchen mal wieder auf der Veranda hat stehen lassen und die kleinen Freunde glauben, er sei für sie gedacht?

Pump up the Oooze, pump it up!

Und hier sind wir also, an der Küste Floridas, wo demnächst das großes Freizeitzentrum ’Dreamland Shores’ entstehen soll, jedenfalls wenn es nach Makler-Ische Joan Collins geht, die eine handvoll stinkreicher Investoren mit dem Loveboat hat einkuttern lassen, welche das riskante Projekt begutachten sollen. Riskant, nicht nur weil die Lage etwas ab vom Schuss ist, sondern weil hier kürzlich ein paar Fässer hochtoxischen Materials ins Meer und auf den Strand gekippt wurden, was in Filmen mit Titeln wie ’In der Gewalt der Riesenameisen’ früher oder später zu Ereignissen führt, die keinen breiten Raum für Interpretationen lassen. Einheimische Ameisen laben sich an dem Kram und wachsen im Nu zu Pony-Größe heran und attackieren die wohlhabenden Besucher. Ganz recht, Freunde: Die Natur schlägt zurück und es trifft auch noch Kapitalisten. Man möchte meinen, Bert I. Gordon wollte uns hier etwas sagen…

"Ich will aber zurück nach Denver!"

Das, so scheint es, war überhaupt ein wichtiges Anliegen diverser Genre-Filmschaffender in den unseligen Siebziger Jahren, die ihre Filme mit ökologischen Botschaften bis unter die Hutschnur füllten und dann meinten: Da schaut her, der Mensch ist schuld.
Ponyhof der Riesenameisen? Der Mensch ist Schuld! Gigantische Ratten, aggressive Frösche, Riesenkraken? Tja, der Mensch dringt in ihre Umgebung ein, macht sich breit, kippt irgendwo seinen Abfall hin und ist selber Schuld, wenn ihm die Biester an die Börse wollen. Danke, liebe Filmemacher, dass ihr uns so eindringlich auf diese Problematik hinweist, aber darf ich jetzt bitte weiterschauen, wie die Riesenameise Joan Collins die Bluse vom Leib bügelt? Danke und zurück zum Film.

"Ich muss los, hab Passagiere."

Was den unterhaltungstechnischen Faktor angeht, bietet ’Empire of the Ants’ zunächst hanebüchenen Monster-Horror der hetzigen Art. Nach diversem “Oh my god!“, “Why is this happening?” und “Oh, my ankle!“-Geschrei der Anwesenden, folgen die ersten Opfer durch gigantische, haarige Pappmaché-Ameisen.
Tricktechnisch gehört das kaum zu den oberen Zehntausend, jedoch ist die Mischung aus Kompositionen echter Ameisen und animatronischen Krabblern für einen Film dieser Machart durchaus als gelungen zu bezeichnen. Und sei es auch nur, wenn man ’gelungen’ mit ’bierlaunisch’ gleichsetzt.
Etwas verwirrend ist die Akustik. Die bedrohliche Musik beim Annähern der Biester ist bei John Williams berühmten ’Jaws’-Theme gemopst, außerdem verbinden die Ameisen ihr animalisches Zirpen mit einem Kreischen, das bei Konfrontationen mit unseren Protagonisten schwerlich vom Gekreische Joan Collins’ zu unterscheiden ist.
In den Overdrive geht das Geschehen im letzten Drittel, wenn unsere Helden sich schon in Sicherheit wähnen und die Macher plötzlich den ’Bodysnatchers’-Hammer auspacken und dem Zuschauer damit die Birne völlig wund klopfen.

"Hey, eure Quartiere sind unter Deck!"

Ich möchte mich an dieser Stelle unseren neuen Ameisen-Herrschern als loyale Bezugsperson anbieten. Aber lasst mich vorerst meinen unwissenden Mitmenschen die Botschaft bezüglich dieses Filmes überbringen...
RENNT SO SCHNELL IHR KÖNNT!!! Uaaargh…
Hail all Ants! Lang lebe das Imperium der Ameisen!


Hudson