Elvira


‘Here comes Elvira... there goes the neighbourhood!’


Originaltitel: Elvira, Mistress of the Dark (1988) Regie: James Signorelli
Drehbuch: Sam Egan, John Paragon & Cassandra Peterson FSK: 16
Darsteller: Cassandra Peterson, William Morgan Sheppard, Daniel Greene


“Ist das alles? Ein Haus, ein Köter und ein Buch?“

Ex-Horror-Show-Hostess Elvira (Cassandra Peterson) ist sichtlich enttäuscht über die müde Erbschaft, die ihr das verstorbene Tantchen hinterlassen hat. Dabei braucht sie doch dringend Kohle, nachdem sie achtkantig aus ihrer Sendung geflogen ist und jetzt in Las Vegas ihre eigene Show aufziehen will. Widerwillig begibt sie sich nach Falwell, Massachusetts, ein kleines Kaff im nordamerikanischen Hinterland, dessen Einwohner von puritanischem Gedankengut besessen, und gar nicht gut auf jemand zu sprechen sind, der so aussieht…

Rrrrrrr!

“Ich weiß doch ganz genau, was ihr rot angehauchten Heavy Metal Spinner mit Motelzimmern anstellt. Ich lese nämlich Zeitung!“

Außerdem ist Elviras fieser Onkel Vincent (William Morgan Sheppard) scharf auf ihre Erbschaft. Insbesondere auf das olle Buch, in dem sich Rezepte befinden, mit denen man allerlei magische Mächte heraufbeschwören kann.
Bald hat Elvira jede Menge Ärger am High Heel-Hacken. Doch die heiße Hexe lässt sich nicht ins Boxhorn jagen. Sie engagiert die ihr wohlgesonnenen Teenager des Kaffs, um ihr Haus zu renovieren, frisiert das Hündchen und nutzt das Kochbuch, um für ihren neuen Macker, den netten Kinobesitzer Bob, ein dämonisches Candle-Light-Dinner zu zaubern…

“Ich hab den Eindruck, dass dieses billige kleinen Flittchen dafür blechen wird.“
“Sagtest du billig? Wer von uns beiden gurgelt denn jeden Tag mit dem Beckensteinchen aus dem Pissoir?“

Wenn die Mahlzeit ’Mahlzeit’ brüllt!

Um das Offensichtliche gleich aus dem Weg zu räumen: Ja, ’Elvira - Mistress of the Dark’ klaut schamlos beim Grundgerüst von ’Samstag der 14.’ (und darüber hinaus bei etlichen ähnlichen “Person XY erbt Spukhaus und erlebt unheimliche Abenteuer“-Streifen). Das Haus, das magische Buch, die fiese zweite Partei, die das auch alles will, Viecher aus dem Küchenschrank, die überkandidelte Erbschafts-Montage (siehe ’Transylvania Twist) und der gute alte “Hey diese Hütte sieht ja ganz fesch aus. Dafür kriegt man sicher ’ne Menge Moos.“ “Ja, womöglich, aber ihr Haus steht dort drüben.“ (Kamera schwenkt zu verrotteter Villa)-Gag… alles dabei.
Doch das ist halb so wild, denn alles, was Howard R. Cohens Horror-Comedy (und dessen unsägliches Sequel) falsch machte (dröge Charaktere, extreme Pointenverpuffung und beschränkte Handlung) machen die Köpfe hinter ’Elvira’ richtig und amüsieren weit über die Grenzen sämtlicher Vorlagen hinaus.

Also bitte! Die Dame ist
doch schon heiß genug!
Zwar hat der Film etliche Anspielungen auf Klassiker des Genres in petto (schon im Intro bringen uns Clips aus ’It Conquered the World’ zum Lachen und später gibt’s eine Matinee mit den ’Killertomaten’), verlässt sich im Gegensatz zu vielen Horror-Spoofs aber nicht vollkommen darauf, sondern behält immer seinen Star und dessen abwechslungsreiche Abenteuer im Fokus.
Sexy Hexie Cassandra Peterson ist nicht nur ein echtes Showgirl, sie ist trotz teilweise arg überkandideltem/hysterischem Auftreten verdammt sympathisch und ihre selbstironischen Sprüche (“Wenn mal jemand nach mir fragt, sagt ihm, dass ich nicht nur einen großen Busen hatte! … Sagt ihm, dass ich auch meterlange Beine hatte!“) sitzen fast immer. Auch die Nebendarsteller versuchen lauthals mitzuziehen. Sei es Edie McClurg (’Freitag der 713.’) als Spießbürger Leading Lady ’Chastity Pariah’, Type Cast-Schmierlappen Kurt Fuller (’Ghostbusters 2’), Hollywood-Altholz William Morgan Sheppard (’Hawk the Slayer’) und Daniel ’Paco, die Kampfmaschine’ Greene als lächerlich gut gebauter und netter Boyfriend der Heldin.
’Elvira’ punktet zudem nicht nur mit ulkigen und für einen solchen Film fast schon obligatorischen Creature- und Masken-FX und dem Umstand, dass die Titelfigur auf dem Segment von Petersons ’Movie Macabra’-Show basiert und somit eigentlich kaum als Grundlage für einen eigenen Film reichen dürfte, sondern auch mit einigen Weisheiten, deren Gemeingültigkeit nach wie vor steht:

“Ich darf nur jugendfreie Filme vorführen.“
“Oh. Da ist ja nichts Schlimmes dran, an diesen jugendfreien Filmen. Solange genug Sex und Gewalt drin ist.“

Muss denn immer alles in einer Musical Nummer enden?

’Elvira mit der kessen Lippe’ ist quasi die lustige Schwester von ’Edward mit den Scherenhänden’. Ab ins Spießerkaff, einmal richtig durchgerührt und alles auf den Kopf gestellt. Das hier ist Kult mit witzigen Effekten, witzigem Witz (selten genug) und einem Star ohne Scham, sich und das eigene Image auf die Schippe zu nehmen... und die Hupen ununterbrochen in die Linse zu halten!


PS: Zu schade, dass die ’Wilde Hilde’ (die ’deutsche Elvira’) keinen eigenen Film bekommen hat. Na ja, zumindest behaupte ich das an dieser Stelle mal!


Hudson