Schwerter des Königs - Dungeon Siege


‘A Dungeon Siege Tale’


Originaltitel: In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale (2007)
Regie: Uwe Boll Drehbuch: Jason Rappaport, Dan Stroncak, Doug Taylor & Chris Taylor Darsteller: Jason Statham, John Rhys-Davies, Ray Liotta FSK: 12


Warum versuchst du’s überhaupt?
Die Frage muss sich jemand, der mit dem Oevre eines Uwe Boll vertraut ist und dennoch dessen neuen Film im Kino anschaut, eindeutig gefallen lassen.
Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich ein hemmungsloser Fantasy-Liebhaber bin. Alles, was aus dieser Richtung kommt und auch nur ansatzweise nach Schwertern, Magie und Drachen riecht, muss von mir konsumiert werden. Wenn ich also die Gelegenheit bekomme, das vor der großen Leinwand zu tun, dann nutze ich sie. Ja, sogar in diesem Fall und ja, ’Dungeon Siege’ ist genau so beschissen, wie Uwe Boll mittlerweile großkotzig ist.

"Mutti, Mutti, muss ich hier mitmachen?"
"Ja, Junge. Die Leute haben dafür bezahlt."

Und das, obwohl ihm die technischen Mittel, eine handvoll B-Stars und ein für seine Verhältnisse beinahe obszön großes Budget zur Verfügung standen. Hier hakt auch gleich meine erste Frage ein: Wo zum Teufel sind die 60 Millionen geblieben? In den Sets, den Frisuren, den visuellen Effekten und beim Drehbuchschreiber sicher nicht, es sei denn, die haben die Produzenten über den Nuckel gezogen. Ich kann nur hoffen, dass den Beteiligten ein kulinarisches Catering zur Verfügung stand, das diese Summe rechtfertigt und ihnen eventuell eine bessere Zeit bescherte als dem Zuschauer, der diesen Driss ganze zweieinhalb Stunden ertragen musste.
Aber der Reihe nach, fangen wir bei der Geschichte an, die vom Namen, nee vom Untertitel her lose auf dem Videospiel ’Dungeon Siege’ basiert, einem keineswegs storylastigen Action-Rollenspiel, dessen Lizenz von Boll wohl preiswert erstanden wurde.

Bauer Farmer
Im Königreich Ehb liegt einiges im Argen. Der böse Magier Gallian (mit föhnwelliger Grimassiererei von Ray Liotta gespielt) plant die Übernahme des Reiches vom weisen, aber greisen König Konreid (Burt Reynold, schlecht toupiert und alt). Dessen wahnsinniger, machtbesessener Neffe Fallow (irre: Mathew Lillard) ist dem Hokuspokussibus dabei nur allzu gern behilflich. Ebenso Muriella (fad: Leelee Sobieski), die Tochter des Hofmagiers Merrick (John Rhys Davies, kein Kommentar), die von Gallians Zauberei verhext und verführt wurde. Das alles könnte dem Farmer … Farmer (Jason ’Für ’ne Perücke hat’s nicht gereicht’ Statham) am Arsch vorbei gehen, hat er doch genug mit seinen Feldern, seinem Sohn und seiner liebeshungrigen Frau (Claire Forlani, auch alt geworden) zu tun. Doch die Krugs, ein Heer lahmärschiger Zweiter Klasse-Orks reiten unter Gallians Zepter in bester Barbarenfilm-Manier in des Farmers Ortschaft Stonebridge, metzeln dessen Schwiegereltern und seinen Sohn nieder und zünden alles an. Von Rache getrieben und in Begleitung seines alten Ziehvaters Norrick (Ron Perlman, warum nur?) und Bastian (Will Sanderson, das war klar), dem Bruder seiner von den Krugs verschleppten Braut macht er sich auf den Weg. Gemeinsam juckeln die drei Kumpis durch die Unterhölzer des Königreiches, begegnen Waldelfen und anderem Gesocks und werden schließlich getrennt. Während Bastian und Norrick Farmers Frau suchen, schließt sich dieser der Armee des Königs an und noch bevor irgendjemand “Ich bin dein Vater!“ röhren kann, werden Bogenschützen-Formationen im Wald (!) positioniert und ein weiteres Fantasy-Scharmützel ist eingeläutet…

Ähm... ach, ich halt's Maul...

Warum versuchst du’s überhaupt?
Die Frage muss sich auch Uwe Boll allmählich gefallen lassen.
Aber bitteschön, fangen wir mal mit dem Positiven an: Boll hat auf jeden Fall ein Auge für Locations. Wie schon bei ’Bloodrayne’ (der ’bessere’ Film) stechen die toll gefilmten Landschaften aus dem Story-Einerlei und den fragwürdigen Leistungen der Darsteller hervor. Tja, hm, öh… das war’s dann aber auch schon auf der Habenseite. Der Rest ist Tinnef.
Was schon wieder? Ja, leider. Und das ’leider’ ist ernst gemeint, denn ich hasse es, wenn jemand Fantasy verkackt.

So sieht Hellboy ohne MakeUp
& ohne vernünftige Regie aus.
In seinen zahlreichen Promo-Interviews fragt Boll regelmäßig, warum ausgerechnet er für seine Filme so geschunden wird. Ganz einfach, weil er als Produzent und Regisseur (und zuweilen auch als Autor) für ihre Qualität verantwortlich ist und im Vergleich zu dem anderen Schund recht stattliche Budgets zur Verfügung hat. Auch beim Betrachten von ’Dungeon Siege’ springt das Bollsche Markenzeichen dem Zuschauer ins Gesicht, wie bei seinen vorherigen Ergüssen (egal aus welchem Genre): Belanglosigkeit.
Wo aktuelle Fantasy-Streifen, wie zum Beispiel ’Wolfhound’ neben obligatorischem Ideenklau eigene Komponenten und dringend notwendige Charakter-Entwicklung einbringen, gibt sich ’Dungeon Siege’ blank wie ein Laken. Boll und seine Schreiberknechte wollen und wollen einfach nicht begreifen, dass mehr dazu gehört, etwas imposant aussehen zu lassen, als ein paar Schwerter klirren zu lassen und Protagonisten in fahrigen Posen durch das Bild zu scheuchen. Nichts hat hier Fundament, alles wurde fix aus dem Ärmel gezerrt, um dieses Machwerk zu schustern, sei es die öde Hintergrund-Geschichte oder die grottige CGI-Burgmauer. Ganz besonders aber die Charaktere. Kein Zuschauer dürfte sich um irgendjemanden in diesem Film kümmern. Das Gelächter des Kino-Publikums bei den stümperhaft emotional gehaltenen Szenen war fast schon schmerzhaft peinlich.

Facial Acting Standoff:
Holzmimik vs Gummimasken
Hauptkritikpunkt hier: Jason Statham. Zugebegen, der Mann tritt unter den richtigen Voraussetzungen Ärsche wie kein zweiter. In den ’Transporter’-Filmen und ’Crank’ und in Guy Ritchis Gangster-Knallern gibt es kaum jemanden, der ihm die Eiswürfel reichen kann. Die Rolle des ’Farmer’ (konnte sich wirklich niemand einen Namen für ihn ausdenken?) verlangt Statham aber Emotionen ab, die der ehemalige Turmspringer einfach nicht aufbringen kann. Die Szene, in der seine Frau zu Beginn verlangt, er solle ihr sagen, wie sehr sie ihn liebt ist bezeichnend. Nachdem Statham unbeholfen rumdruckst kommt von Claire Forlani “Du sagst nichts!“ (kann man prima auf den ganzen Film anwenden). Lernt der Farmer über den Verlauf des Filmes also seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen? Nein. Resultat: Verkrampfte Trauer und von Stirnfalten geprägter Zorn, die Statham für’s Drama so prädestinieren, wie Ottfried Fischer für’s Turmspringen.
Seine Co-Stars stellen sich bis auf Ausnahmen jedoch nicht viel besser an. Mathew Lillard ist bei der Wahl seiner Filme wieder bei ’Ghoulies 3’ (der ’bessere’ Film) angekommen, chargiert gnadenlos over the top und bekommt am Ende noch nicht einmal den wohlverdienten Leinwandtod (sollte das die Röhre ins mögliche Sequel sein?). Ray Liotta schien immerhin etwas Spaß an seiner Performance zu finden. Schön für ihn und für ein Publikum, das Comedy-Elemente erwartet. Seine aufgedunsene Visage, das Nagetier-Grinsen und die Föhnfrisur passen sicher herrlich in einen ’Saturday Night Live’ Sketch.

"Du hälst dich wohl für 'was
besonderes, du Lockenluder?
Knie nieder vor King Föhn!"
Hier sind sie so fehl am Platz, wie die Matrix-Moves, die er zum Finale auffährt (an denen hat Boll scheinbar einen Narren gefressen). John Rhys Davies steht die Bestürzung ins Gesicht geschrieben. Er weiß ganz sicher, in welchem Bockmist er hier gerade herumstolziert, nicht nur weil er seinen Namen bereits etliche Male für ähnlichen Schwachsinn hergegeben hat, sondern vor allem, weil er persönlich anwesend war, als mit ’Herr der Ringe’ der moderne Klassiker eben jenes Genres gefertigt wurde. Der Rest ist entweder leblos (Sanderson), überflüssig (Kristanna Loken und ihre Waldelfen) oder verschenkt (Perlman).
Die optischen Effekte sind annehmbar, aber meist platt überproportioniert auf den Schirm geklatscht. Eine der wenigen gelungenen FX-Shots kopiert dann wieder rotzfrech die Achterbahnfahrt in den Isengardschen Ork-Stollen™ bei ’Herr der Ringe’. Als man gegen Ende tatsächlich in einem unterirdischen Verließ (’Dungeon Siege’, remember?) zu Gange ist, erweisen sich die Kulissen als schlecht beleuchtete ’Rubber Rocks’ (Sollte das wirklich in einer echten Höhle gedreht worden sein; Gratulation, liebe Anti-Rumpelstilzchen, ihr könnt Gold in Scheiße verwandeln!). Den Gummi-Adler schießt aber das steife, lieblose Make Up der Krugs ab. Selbst die Trashmonster in Fulcis ’Conquest’ hatten besser designte Masken an der Rübe. In den meist ohne Sinn und Verstand (Stichwort Bogenschützen im Wald) inszenierten Kämpfen hat der alles kaschierende schnelle Schnitt die Vorherrschaft. Einen Extra-Punkt vergebe ich aber. Die Szene, in der ein angezündeter Krug bereitwillig in ein Katapult steigt, um als Fackel-Geschoss in den feindlichen Reihen zu enden ist ganz großes Trash-Kino.

"... und daher, Majestät, wissen wir, das Farbige
sehr wohl in Fantasy-Filmen mitspielen können,
ohne üble Ghetto-Klischees zu bedienen!"
"Dafür aber üble Fantasy-Klischees, hm!?"
"Nun... ja... Majestät."

Wenn Uwe Boll sich mehr Respekt erhofft, sollte er sich weniger auf sein poltriges Marketing und mehr auf seine Filme und deren Inhalte konzentrieren. Ideen und Elemente zu kopieren, die in anderen Filmen oberflächlich Eindruck schinden, diese dann vermischen und ihnen keinerlei Tiefe zu verpassen, das bringt es einfach nicht. Niemand erwartet einen zweiten ’Herr der Ringe’ (auch wenn ihn jeder gerne hätte), aber wenn man schon in diese Sphären wandert, dann muss man sich auch am Besten der Besten orientieren. Und dazu gehört mehr, als sich ein paar Themen, visuelle Kniffe und Posen abzuschauen, um letztlich dann doch die zweiseitige Story-Sektion eines Videospiel-Handbuches zu verfilmen.


Hudson