Duell der Giganten


‘It's A Mean Machine - Cuts Your Head Off Clean!’


Originaltitel: Du bi quan wang da po xue di zi (1975)
Regie & Drehbuch: Yu Wang
Darsteller: Yu Wang, Kang Kam, Chung-erh Lung FSK: keine Jugendfreigabe


’Kommt ein Vöglein geflogen, setzt sich nieder auf sein’ Fuß,
Für den Meister eine Nachricht, von den Schülern einen Gruß…’

Nicht mit diesen Worten, sondern mit diesen Bildern beginnt ’Duell der Giganten’ aka ’Master of the Flying Guillotine’ aka ’The One Armed Boxer vs. The Flying Guillotine’ aka ’Du kriegst die Tür nich’ zu, weil da schon die Füße von hundert Kung Fu-Killern dazwischen stecken!’

Zurück zur Handlung:

’The roof, the roof...’
Der blinde Meister Fung Cheng ist nicht erfreut über die Nachricht der kleinen Brieftaube. Seine beiden Schüler sind tot. Praktischerweise haben sie auch gleich den Namen des Mörders auf die Botschaft gemeißelt: ’Der Einarmige Boxer’.
Jetzt hält Fung Cheng nichts mehr. Er nimmt gar nicht erst den Umweg durch die Tür, sondern springt gleich durch’s Dach in den Hof, um dort mit seinem tödlichen Mord-Instrument, der ’fliegenden Guilliutine’ zu üben. Nachdem er sein Können an einigen Hühnern und Stein-Statuen bewiesen hat, macht sich der Alte auf den Weg, um seine Nemesis zu finden... brennt aber erst noch seine Hütte ab (er meint’s ernst!).
Auftritt des ’Einarmigen Boxers’. Jedenfalls, sollen wir (das jetzt schon lachende Publikum) das denken. Tatsächlich ist es nämlich Wuxia-Ikone Wang Yu, der seinen linken Arm unter dem Wams verknotet hat, was selbstverständlich in jeder Kampf-Szene deutlich ins Auge fällt. Zunächst sehen wir ihn aber erstmal in bester Sportlehrer-Manier seine Schüler schinden. Er zeigt ihnen, wie man Wände hoch und runter läuft, drischt ihnen in den Griff und keucht Befehle aus (fehlt eigentlich nur noch der ’Medizinball in den Unterleib’-Wurf).

Der ähm... 'einarmige' Boxer!
Ganz woanders im Land richtet ein Fürst Schlachmichtot ein Prügel-Turnier aus. Vom Ruf der Schellen gelockt, pilgern unsere beiden Kontrahenten dorthin, treten aber seltsamerweise gar nicht gegeneinander an. Dafür gibt es dort jedoch irre choreographierte Fights von zig anderen ’Honk Fu-Dudes’ zu sehen (der Affen-Boxer, das fliegende Seil, der Yogi mit der Mörder-Eule, Iron-Skin, der Mann mit der Schlangenfaust, Tung Eng der Räuber und der Mann der woanders gerne auf einer Tröte spielt und dabei das Bein hebt).
Nachdem sich die Spreu vom Weizen getrennt hat, taucht auch bald Feng Chung auf, um seine Rache zu nehmen. Doch die übrigen Kombatanten haben alle ihr eigenes Süppchen am Kochen und treten allen Beteiligten kräftig auf die Füße.

Umwerfend!
Für mich war ’Duell der Giganten’ schon immer eine Art Quintessenz des asiatischen Wuxia-Genres. Das mag zum Teil daran liegen, dass ich mich auf diesen Pfaden eher selten bewege, also noch nicht einmal gefährliches Halbwissen besitze. Auf der anderen Seite rockt dieser Film jegliches von mir bislang begutachtete alt ehrwürdige Kung Fu-Powerhouse dermaßen aus der Fassung, dass ich ihm völlig hilflos meine Ehrfurcht zollen muss.

Kann ich auch...
Sei es die Action, die Dialoge oder die Charaktere, allen voran natürlich der Meister der fliegenden Guillotine. Dieser völlig abgedrehte Zampano ist eine Gestalt filmischen Wahnsinns. Je nach Lust und Laune wirft er wie Zauberer Tim (’Monthy Python’-Fans wissen, wen ich meine) mit Spreng-Körpern um sich, kann seinen Kopf wie Linda Blair um 360 Grad drehen und wenn er seine Kampfübungen macht, hört es sich an, als würde der Tonmann mit einem nassen Handtuch auf ein betriebsbereites Mikrofon schlagen.
Die Vertonung wird überhaupt auf solch obskure Art und Weise präsentiert, dass es jedem Schalk eine pure Freude ist. Wenn Wang Yu, nachdem ein Kontrahent wie ein Eichhörnchen über eine Zeltplane gehüpft kommt, die Szene mit einem absolut ernst gemeinten: “Gut gesprungen!“ kommentiert bricht der ganze Saal in Gelächter aus.
Ähnlich verrückt sind die Dialoge. Hier ein (unvergessenes) Beispiel:
“Sie haben ihn umgelegt! Holt doch die Polizei!“
“Ist das etwa nicht der einarmige ’Boxer’?“
“Aber nein! Das ist ein harmloser Irrer. Ein Verrückter!“
“Was soll mich das kümmern?! Ich werde all diese verdammten Einarmigen umbringen!“

Der erste, der 'Streetfighter 2' schreit, hat verloren!

Dass zwischendurch immer noch versucht wird, so etwas wie eine Handlung (inklusive Kabale und Liebe und hastenichjesehn) reinzuschummeln, ist eigentlich das einzige, was ich diesem Streifen übel nehmen kann. Denn wichtig ist hier nur eins: Ob Logik-Gesetze, Knochen oder die Erwartungs-Grenzen der Zuschauer; hier wird alles gebrochen!

Hudson