Duell der Besten


‘A legend of savagery, sorcery and passion forged in a flash of steel.’


Originaltitel: I Paladini - storia d'armi e d'amori (1983)
Regie: Giacomo Battiato Drehbuch: Ludovico Ariosto, Giacomo Battiato,
Sergio Donati & Luciano Vincenzoni
Darsteller: Tanya Roberts, Ronn Moss, Maurizio Nichetti FSK: 12


Italienische Fantasystreifen aus den Achtziger Jahren. Da bin ich ja immer dabei. Da bin ich quasi zu Hause. Da bin ich… schon baff, dass hier jeder bekleidet ist.
Dachte ich zumindest, bis (keine drei Minuten im Film) schon die erste versuchte Vergewaltigung zur Schau gestellt wird. Doch Glückes Geschick: Eine magische Ritterrüstung (is’ keiner drin) kommt herbei geritten und erleichtert die unzüchtigen Bastarde um ein paar Gliedmaßen und Schädeldecken. Die Verwunderung hört nicht auf, schließlich ist dieser Film von der FSK ab 16 freigegeben.

Wer lieferte das Referenzmaterial
für diese Mauren? Bummi-Hefte?
Wir befinden uns übrigens zur Zeit der Kreuzzüge, als (wie später auch in ’Warrior Angels’) christliche Ritter schon mal weiblich waren. Der jungen Bradamante wird von einer Hellseherin prophezeit, dass sie sich in Ruggero, einen Helden der Mauren verlieben wird, der sein Ende in einem Duell mit einem Helden der Christen finden soll. Dieser Christ ist Ritter Orlando, ein Kumpel von Bradamante, der sich wiederum in Angelica verliebt, ein She-Knight (das Wort Ritterin gibt’s ja wohl nicht) der Mauren und Tochter des Königs derselben. Seid ihr noch am Ball?
Wenn nicht, ist’s auch nicht allzu schlimm. Denn bei ’Duell der Besten’ geht es eigentlich nur um eine handvoll schöner junger Leute die sich um der Liebe und des Hasses willen lieben und hassen, allerlei Duelle unter freiem Himmel ausfechten und hammerharte Helme zur Schau tragen. Das glaubt man nicht, wenn man’s nicht selbst gesehen hat. Die Rüstungen sind äußerst gelungen, entbehren allerdings nicht einer gewissen dramatischen Übertreibung. Ein Schwert sieht beispielsweise aus wie ein zu lang geratener Stahlkamm, während der Helm des Samurais nach Metallzylinder mit Mistgabel-Applikation ausschaut.

Sir Blindfuchs & Sir Gockel
Gedreht wurde beinahe ausschließlich in Outdoor-Locations, mit gemäßigtem Einsatz der guten alten Nebelmaschine. Die schick fotografierten Bilder werden meist von einem schwermütigen Synthesizer begleitet und verleihen dem Film einen leichten ’Fantaghiro’-Touch (Zwerge und Hexen kommen hier genauso vor, wie bunt bekleidete Rittersleut).
Trotzdem gibt es für eine 16er Freigabe mitunter erstaunlich grafische Gewaltszenen und zudem viel nackte Haut zu sehen (Zitat Mama Leone: “So viel entblößter Schambereich gehört nicht in einen Ritter-Film!“).
Dass bei der ganzen tollen Ausstattung, der schönen Optik, den gelungen inszenierten Gefechten im Tann, sowie Liebesszenen in Hartweizenfeldern und Laubhaufen zuweilen der dramaturgische Bestand und die bitter nötige Spannung flöten gehen, liegt womöglich daran, dass der Stoff (unbestätigten Gerüchten zufolge) ursprünglich als vierteilige TV-Serie gedacht war, die für einen internationalen Release auf Kinoformat getrimmt wurde.
Mit dabei: Italo-Asiat Al Yamanouchi (’Sinbad’), ’Dämonen’-Slayer Bobby Rhodes, Tanya Roberts aus dem ’Beastmaster’, Leigh ’Bermuda Depths’ McCloskey, sowie Genre-Regular Al Cliver (’Astaron’).

Al Yamanouchi umringt von Hütten und Hüten

“Ein phantastischer Ritterfilm voll glühender Leidenschaft und erbarmungsloser Zweikämpfe.“ steht auf dem Backcover und der Teil mit dem ’Ritterfilm’, der ’Leidenschaft’ und den ’Zweikämpfen’ stimmt schon. Phantastisch, glühend und erbarmungslos sind dann doch eher Attribute, die auf ’Excalibur’ zuträfen, den mit Abstand besten Ritterfilm diesseits des Merkurs. ’Duell der Besten’ ist trotz seiner netten Optik für diese Liga leider etwas zu zäh, jedoch sicher nicht uninteressant für Genre-Liebhaber, die von einem Film, in dem Tanya ’Sheena’ Roberts die Tochter eines Maurenkönigs spielt, kein allzu durchdachtes Edelepos erwarten.


Hudson