Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten


‘oder Wie ich in 25 Stunden und 11 Minuten von London nach Paris flog’


Originaltitel: Those Magnificent Men in Their Flying Machines or How I Flew from London to Paris in 25 hours 11 minutes (1965) Regie: Ken Annakin
Drehbuch: Ken Annakin & Jack Davies
Darsteller: Stuart Whitman, Sarah Miles, James Fox FSK: 6


So wie ich das sehe, ist es mal wieder Zeit für einen Klassiker und getreu dem Motto „Wenn schon, denn schon!“ widme ich darum heute den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten.
Für das Filmdrehbuch gab es 1966 eine Oscar-Nominierung.
2002 wurde Regisseur und Drehbuchautor Ken Annakin, der außerdem an Produktionen wie „Der längste Tag“ und „Die letzte Schlacht“ beteiligt war, von den Disney-Studios zur „Disney-Legende“ ernannt und George Lucas nannte die Figur des Anakin Skywalkers in seinen „Star-Wars“-Filmen nach ihm.

Tollkühner Mann auf stehender Kiste

Aber wir fangen mal von vorne an. Im Jahr 1910, in der Zeit der ersten Flugversuche mit den abenteuerlichsten Geräten, veranstaltet Lord Rawsley (Robert Morley), der Herausgeber einer Zeitung, ein Wettfliegen von London nach Paris. Ziel ist es, die englische Überlegenheit auch in der Luft zu beweisen und außerdem die Auflage der Zeitung anzukurbeln. Es winken 10 000 Dollar Prämie. Den Sieg soll der smarte Schwiegersohn in spe (James Fox) einholen. Aber wie Rawsley so schön bemerkt: das Dumme bei diesen internationalen Rennen ist, dass immer so viele Ausländer dabei sind.

Unser Gert...
(Natürlich mit Pickelhaube)
Da wäre zum einen Jean-Pierre Cassel (der Vater von Vincent) als französischer Teilnehmer Pierre Dubois. Er begegnet immer wieder der gleichen rothaarigen Schönheit, die sich ihm aber jedes Mal mit einem anderen Namen vorstellt und repräsentiert das angespannte Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Deutsch-Französischen Krieg, indem er sich immer wieder kleinere und größere Gefechte mit dem deutschen Teilnehmer Oberst Manfred von Holstein (Gert Fröbe) liefert.
Der Oberst muss kurzfristig für den eigentlichen deutschen Piloten, Hauptmann Rumpelstoß, einspringen, da dieser einem Abführmittel-Anschlag zum Opfer fällt. Dass er noch niemals in einem Flugzeug gesessen hat, sollte kein Problem darstellen, es gibt ja schließlich die „Heeresdienstanweisung zur Bedienung eines Flugzeugs“, an die man sich einfach nur halten muss.
Für diese Rolle opferte Fröbe, der fast zeitgleich in einem benachbarten Studio für „Goldfinger“ vor der Kamera stand, einen Gag, den er sich eigentlich für seinen ersten eigenen Film aufheben wollte. Der Oberst macht, wann immer er zur Tat schreitet mit dem Mund eine Blaskapelle nach und das noch besser, als der Opa in Loriots berühmtem Weihnachtssketch.

Papierflugzeuge im Sturzflug
Und fröhlich werden die Klischees weiter bedient. Der italienische Teilnehmer Graf Emilio Ponticelli (Alberto Sordi) reist mit der gesamten Bambini-Schar und besorgter Ehefrau an und die Japaner basteln sich ihr Siegerflugzeug aus nachgebauten Teilen der anderen Teilnehmer zusammen.
Außerdem gibt es noch den genauso arroganten, wie ehrgeizigen Sir Percy Ware-Armitage (Terry-Thomas), der unbedingt gewinnen will, seinem entweder sehr dummen oder sehr unerschrockenen Diener immer wieder eins mit der Reitpeitsche verpasst und auch vor Sabotage nicht zurückschreckt.
Fehlt nur noch ein cooler Ami? Könnt ihr haben. Stuart Whitman ist der hemdsärmelige Orville Newton aus Phoenix, Arizona. Er ist zwar ein armer Schlucker, aber er liebt die Fliegerei und beeindruckt die Tochter des Veranstalters, deren größter Traum es ist, auch einmal in einem Flugzeug mitzufliegen.

Die Liebe in den Zeiten des Höhenkollers
Für Sicherheit auf dem Übungsplatz sorgt übrigens Benny Hill mit seiner zappeligen Feuerwehrtruppe. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Bruchpiloten wieder aus den strategisch nicht günstig gelegenen Rieselfeldern zu ziehen und mit ihrem Feuerwehrauto aufgeregt durch die Gegend zu flitzen.
Nachdem alle Teilnehmer eingetroffen und ausreichend vorbereitet sind, kann das große Rennen über den Ärmelkanal starten.
Die heute in sieben Minuten zu bewältigende Strecke birgt viele Gefahren und so kommen dann auch nicht alle Teilnehmer ins Ziel, aber zum Schluss hatten doch alle Spaß und das ist ja wohl das Wichtigste.
Die Flugzeuge im Film sind übrigens funktionsfähige Nachbauten von tatsächlich einmal existierenden Ein- und Doppeldecker-Modellen, die von Stuntpiloten geflogen werden. Da kann man mal sehen, was alles so ausprobiert wurde, bevor man zum heute bekannten Ergebnis kam.
Die großartige Titelmusik mit Ohrwurmgarantie (im Deutschen „Richt'ge Männer wie wir und ein reizendes Kind – das macht Spaß dieljabbdabb – in der Luft dieljammdamm...“) ist Ron Goodwin zu verdanken, der auch schon für die Miss-Marple-Verfilmungen mit Margaret Rutherford komponierte.

Stratos' Lehrjahre waren keine Herrenjahre

Ich gebe zu, dass der Film, der mit seinen 138 Minuten ganz schön lang ist, im zweiten Teil nicht so ganz die anfangs aufgebaute „ein-Lacher-jagt-den-nächsten“-Stimmung aufrecht erhalten kann, aber die wirklich schönen Luftaufnahmen entschädigen dafür und im großen und ganzen ergibt sich ein sehr sehenswerter Klassiker, der schön luftig leicht daherkommt und einfach nur Spaß macht.


Leone