Dschungel Mission



Originaltitel: Jungle Heat (1985) Regie: Jobic Wong
Drehbuch: Bobby Ming & Jobic Wong
Darsteller: Sam J. Jones, Christopher Doyle, Bobby Ming FSK: 18


Uff. Haarige Dschungel Exploitation voraus. Warning. You might wanna skip this one.

Welcome to the Nam

Alles fing an, als John F. Kennedy… Hmnee, das geht jetzt zu weit. Kurzfassung ahoi:

Es sollte nur eine harmlose Feldübung werden. In Vietnam. Doch Gordon (nicht Richard Harrison, sondern Sam Jones) und seine Anfängertruppe werden vom Vietcong ins Foltercamp nahe der Bambushölle, Dschungelmitte, letzte Ausfahrt links verschleppt. Während einigen Glücklichen die Flucht gelingt, muss der Rest die täglichen Strapazen der Foltermühle ertragen. Erwartet an dieser Stelle bitte keine spezifischen Charakterbeschreibungen. Wenn sich der Film nicht die Mühe macht, muss ich das auch nicht. Einer von ihnen ist auf jeden Fall Sam Jones, leicht zu erkennen, da er die einzige Langnase unter den Protagonisten ist. Wahrscheinlich wusste Jones selbst nicht, dass er in diesem Film hier enden würde. Zu konfus gerät das Spektrum der Figuren und deren Zentrierung im Plot. Mal haben wir einen Richard auf dem Schirm (asiatischer Darsteller mit Vokuhila), dann wieder seinen Bruder (asiatischer Darsteller mit Vokuhila und Schnurrbart). Das tut auch alles nichts zur Sache, glaubt mir, denn das Hauptaugenmerk für Exploitation-Freaks ist hier das heillose Sammelsurium diverser Nam-Tropes, die kunterbunt unter den Plot gemischt und mit brachialer Lust an der Verwüstung zelebriert werden.

Sam J. Jones - Kumpel, Kämpfer, Kanonier

Ist die dröge und scheinbar nicht enden wollende Ausbildungsmontage, die wohl als emotionales Fundament dieser Wackelkiste dienen soll, erst einmal überstanden, gibt’s Urwald-Gerödel, bis sich das Auge dumm zuckend abwendet: P.O.W.-Folter in groben Mengen, Dschungelfallen der albernen Art, Stealth-Kills mit Grimassen-Bonus, Buschwald-Shootouts bis zum Tod im Morgengrauen. Eine kunterbunte Grabbelkiste der Vernichtung. Geschmacklosigkeiten, wie rasende Kokelratten, die P.O.W.s anschmoren (deren Wächter auf den Nager wetten, als wär’s der Duracell-Hase), treffen auf Brutalinski-Gekröse-Einlagen, wie eine Säure-Exekution eines Gefangenen und das Aufsägen eines anderen zu lustiger Clowns-Musik.

Optisch und akustisch macht der Film den Eindruck eines schlecht gedubbten Nam-Exploiters aus den Siebzigern. Dabei ist er tatsächlich ein schlecht gedubbter Nam-Exploiter aus den Achtzigern. Manchmal spielen einem die Sinne üble Streiche. Wer bis zum Ende durchhält, schafft es vielleicht, die personelle Situation aufzudröseln und wird mit einem kitschig-schmalzigen und selbstverständlich völlig unsinnigen Drama-Finale belohnt.

Same Shit - Different Film - Totally Different Level of Exploitation

An dieser Stelle bin ich normalerweise verpflichtet, euch eine Empfehlung oder das Gegentum ausszusprechen, schließlich seid ihr hier, weil ihr die Kotze nicht im Sack kaufen wollt. Bei ’Dschungel Mission’ zuckt mir neben dem Auge allerdings auch die Schulterpartie. Leute, ihr habt’s ja selbst gelesen. Der Streifen ist von inhaltlich durchdachter und professionell produzierter Unterhaltung so weit entfernt, wie Sam Jones vom Liftetime Achievement Award, aber wer seine Standards nur flach genug drückt, der darf sich hier gerne mal dran probieren.


Hudson