Dr. Frankenstein



Originaltitel: Frankenstein (1992)
Regie: David Wickes Drehbuch: David Wickes & Mary Shelley
Darsteller: Patrick Bergin, Randy Quaid, John Mills FSK: 16


Wieviele ’Frankenstein’ Filme gibt es jetzt eigentlich? Nein, halt. Falsch formuliert. Wieviele ’Frankenstein’ Filme waren nach dem Original (und meinethalben der Mel Brooks Veräppelung) eigentlich nötig? Ich mein ja nur…

Das Geheimnis einer jeden guten Wiederbelebungsapparatur:
Ein Planschbecken voller P[ee[p]!

Story: (…Muss ich euch wirklich die Story von ’Frankenstein’ erzählen? Traurig…)
Dr. Viktor Frankenstein wird von seinen jugendlichen Anhängern gefeiert, wie kein zweiter Gelehrter seiner Zeit. Doch die wissenschaftliche Obrigkeit, von der Kirche immer flankiert, ist einfach noch nicht soweit, das Genie des Doktors anzuerkennen. Doch Viktor arbeitet längst an seinem ultimativen Meisterwerk, das alle Kritiker umhauen soll. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ihm schwebt der perfekte Mensch vor, natürlich basierend auf seinem Ebenbild. Nur ohne seine Schwächen und Fehler und immun gegen Krankheiten. Wer weiß, was Dr. Frankenstein seinem Humuncolus noch alles mit auf den Weg geben will.

I PITY THE FOOL!
Wir können es nur ahnen, als wir einen Blick auf seine Haustiersammlung werfen (u.a. eine Katzenschlange und ein Stachelschweinkaninchen mit riesigen Zähnen). Das Geheimnis des Erfinders ist ein Apparat, irgendwo zwischen ’Seth Brundles’ Teleporter, einem ACME-Magneten und einem Etch-a-Sketch-Aquarium. Schließlich entschlüpft dieser konfusen Apparatur Frankensteins Monster. (Ganz wichtig liebe Kinder: Es heißt ’Frankensteins Monster’ und nicht ’Frankenstein’. Der Dr. Frankenstein ist der Erfinder. Also denkt daran, wenn ihr das nächste mal euren Hausmeister beleidigt!) Das Monster kann entfleuchen und stürzt kurz darauf von der Reiterei aufgeschreckt eine Schlucht hinab. Fälschlicherweise für tot gehalten, wird das Wesen von seinem Schöpfer verlassen. Frankenstein zieht es in die Heimat, wo er seiner Verlobten endlich das Ja-Wort geben, und alles möglichst schnell vergessen will. Doch das Monster lebt und es findet den Weg zu seinem Meister, um sich zu holen, was ihm zusteht…
Also schön, die Macher haben es versucht, das zumindest muss man ihnen lassen.

Er trauert immer noch
seiner Schnurre nach :(
Sie haben versucht, einen der bedeutendsten Romane aller Zeiten (dass mir hier keiner mit Horror-Schinken kommt!) zu verfilmen und haben es verhauen.
Das geht schon bei Randy Quaid in der Rolle des Monsters los. Versteht mich nicht falsch: Ich mag Randy Quaid, ich mag ihn sogar sehr und er gibt sich auch alle Mühe, zunächst die menschliche Seite des Biestes durch Verwirrung, Angst, sogar Mitgefühl und später durch Wut und Verbitterung darzustellen. Aber das alles ist nutzlos, wenn wir es optisch mit der Huddel-Wuddel-Version des berühmten Grobians zu tun haben. Ein bissel Muckibude, eine Zeltplane und etwas Fell übergeworfen und später einen fizzeligen Bart in die Visage gepappt, nee, das bringt es bei Randy Quaid einfach nicht.
Dann mal eine kurze Zwischenfrage: Wer ist denn bitteschön auf den Blödsinn mit der körperlichen Verbindung zwischen dem Doc und seiner Kreatur gekommen?
(Schieß auf’s Monster und Frankstein wird verletzt? Was ist das hier? Dragonheart?) Es kann nur Regisseur David Wickes gewesen sein (der zuvor auch ’Jack the Ripper’ und ’Jekyll und Hyde’ verfilmte), schließlich hat er neben Mary Shelley den einzigen Autoren-Credit (und Mary Shelley hat sich diesen Unfug nicht einfallen lassen).

Für's Modell stehen sollte
er sich dann vielleicht doch
auf seine Schokiseite drehen!
Überhaupt ist wenig von der Brillanz ihres Buches bei dieser Verfilmung hängen geblieben. Mit Ausnahme von John Mills (in der Rolle des Blinder) und dem impulsiven Lambert Wilson (what a horrible way to die!) reißen die Schauspieler ihr Publikum kaum aus den Latschen. Hinzu kommt, dass Patrick Bergin zu verkrampft in der Rolle des Dr. Frankenstein wirkt. (Und verzeiht mir diese persönliche Bemerkung, aber es gibt einen Grund dafür, dass Bergin in den meisten Filmen eine Mega-Schnurre spazieren trägt. Rasiert sieht er verdammt nochmal aus, wie Scotty ’Critters’ Grimes durch ’nen Weichzeichner gefilmt. Naja, wenigstens kraucht Bergin im Laboratorium nicht halb nackt herum wie ein Jahr später Kennie Branagh. Das ging ja gar nicht.)
Die Ausstattung kann sich sehen lassen, auch wenn einige Sets (wie das des Schiffes) an Kulissen aus alten Defa-Filmen erinnern. Ein zuweilen übertrieben pompöser Score, viel barockes Gesülze und ein wenig stringenter Handlungverlauf lassen die Verfilmung des zeitlosen Klassikers schließlich hinter etwaigen Erwartungen zurück.


Hudson