Dr. Detroit


"He's making the world safe for insanity."


Originaltitel: Doctor Detroit (1983)
Regie: Michael Pressman Drehhbuch: Carl Gottlieb
Darsteller: Dan Aykroyd, Howard Hesseman, Kate Murtagh FSK: 16


Die Achtziger.
Das Jahrzehnt der Föhnwellen, Synthesizer, Bekleidungsverbrechen und Haarspray Rocker. Aber auch Dan Aykroyds beste Jahre. ’Blues Brothers’, ’Ghostbusters’, ’Die Glücksritter’, alles beliebte und äußerst erfolgreiche Perlen der Comedy. Und zwischendrin: ’Dr. Detroit’, das filmische Äquivalent zu einem Teller bunte Knete im Kopf.

Vom Streber...
Clifford Skridlow (Aykroyd) lehrt Geschichte an der Universität, schlägt sich mit gelangweilten Studenten rum und ist auch noch Sohn des Rektors. Sein Tagesablauf ist nie improvisiert und läuft genau nach Uhr und Plan. Clifford ist ein korrekter Streber, ein Spiesser mit einen gewaltigen Stock im Arsch. Das sieht man ihm auch beim täglichen Walking an (herrlich albern). Eines Tages lenkt er damit die Aufmerksamkeit von Edelzuhälter Smooth (Howard Hessemann) und dessen Mädchen (u.a. Fran ’Nanny’ Drescher und Donna Dixon, die Aykroyd nach den Dreharbeiten ehelichte) auf sich. Smooth steckt in der Klemme. Er schuldet der fiesen Gangsterchefin Mom (Kate Murtagh, ’Die Bronx Katzen’) 80000 $, die er nicht hat. Als Mom ihn von ihren Schlägern (genannt ’die Yul Brynner Jungs’) zu sich schaffen lässt, benutzt er den alten ’Keyser Soze’ Trick und denkt sich anhand einiger Indizien in Mamas Büro den erzgemeinen Ober-Zuhälter Dr. Detroit aus. Dieser hätte sein Geld und würde natürlich um einiges bösartiger sein als Mom. Das kann die natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Als Smooth den steifen Clifford am selben Abend in einem Lokal wiedererkennt, kommt ihm ein teuflischer Plan. Ein Dummy muss her! Einer, der Dr. Detroit spielt. Und wer würde sich dazu besser einigen, als dieser Typ, der aussieht wie „…ein Pandabär beim Frisör im Testbildsakko!“ So überredet Smooth den armen Clifford, mit Hilfe seiner Mädchen, sich statt der ’Indischen Elefanten-Trilogie’ (!) im Kino, doch lieber sein Appartment anzuschauen. Hier erlebt Clifford eine Nacht, wie sie sich seine kleine Spiesserseele nie erträumt hätte. Und sie verändert sein Leben. Smooth lässt sich am Tag darauf von seinem (ansonsten ganz netten) Chauffeur Diavolo zusammenschlagen, verabschiedet sich bei Mom und verlässt die Stadt. Von nun an kleben die Mädels und Diavolo an Cliffords Backe und bringen ihn in eine prekäre Lage nach der anderen. Als Mom die Mädels dann zwingen will, für sie zu abrbeiten, muss Clifford in die Rolle des üblen Zuhälters Dr. Detroit schlüpfen (quasi ’Pimp my Uniprofessor’), um den Kampf gegen die alte Hexe aufzunehmen. Und als hätte er damit nicht genug Ärger am Hals, erwartet sein Institut auch noch einen wichtigen Sponsor, um den gerade er sich kümmern soll.

...zum Party-Hengst!
Dr. Detroit ist ein netter aber unbedeutender Film, mit einem gar nicht so uninteressantem Thema. Der innere Konflikt zwischen anständigem Bürger und lasterhaftem Lebemann ist hier zentral und wird von Aykroyd auf spassige Art und Weise proträtiert. Der Film bietet manch lustige Ideen und Szenarien (die Traumsequenz, in der seine Eltern sich plötzlich der Prostitution hingeben) und findet seinen Höhepunkt im Finale, als Clifford im Minutentakt die Identität wechseln muss. Aykroyds (der hier eher aussieht wie Rick Moranis) Schauspiel unterhält und schleust den Zuschauer durch die Höhen und Tiefen der 90 Minuten. Die restlichen Schauspieler scheinen ebenfalls Spass an der Sache zu haben, und Cameos wie der von James Brown tragen zur guten Stimmung bei. Die Dialoge und Sprüche a la Rainer Brandt sind schön albern („Ich hab zwar schwach angefangen aber dann stark nachgelassen!“) und der funky Discosound passt zum Geschehen wie Dr. Detroits Eisenklaue auf Moms Auge. Die, nach den Cerdits versprochene, Fortsetzung ’Dr. Detroit II – The Wrath of Mom’ wurde leider nie verwirklicht, da der Film beim Publikum durchfiel.

Und alle machen mit.

Trotzdem sei ’Dr. Detroit’ vor allem Dan Aykroyd Fans und ’80er-Komödien ’Komplettisten’ zu empfehlen. Und allen anderen die einen Teller bunte Knete im Kopf haben.

Hudson