Dragonquest


‘Our fate lies in the hands of one.’


Originaltitel: Dragonquest (2009) Regie: Mark Atkins
Drehbuch: Brian Brinkman & Micho Rutare
Darsteller: Marc Singer, Brian Thompson, Daniel Bonjour FSK: unbekannt


Es war einmal im Königreich Dingsbums…
Arkadi, ein junger, Sumpfgras rauchender, Sackleinen tragender, zukünftiger (aber noch nichts davon wissender) Auserwählter in der Obhut eines alten Zauberers namens Grandfather* gerät in die Wirren eines typischen Fantasy-Krieges, als Opa vom Drachen des finsteren Schurken Kirill getötet wird.

Dragon vs. Grandfather ... FIGHT!
Bevor der Bösewicht gemeinsame Sache mit riesigen Reptilien machte, gehörte er einer Bruderschaft von Kämpfern an, die eigentlich für die gute Sache fochten. Aber wir kennen das. Angst führt zu Hass und der führt zur dunklen Seite. Und wenn der Knabe dann auch noch von Brian Thompson (’Mortal Kombat 2’) gespielt wird, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass eine finstere Mine aufgesetzt, ein schwarzes Gewand umgeschmissen, und mit kehliger Stimme “Embrace the darkness!“ gegrunzt wird.
Nachdem der König selbst dem Drachen zum Opfer fällt, ist es an Arkadi (fantasynesisch für ’plötzlich Auserwählter’) den Karren aus dem Dreck zu ziehen. An der Seite eines kauzigen Kämpfers der Bruderschaft (Marc Singer!) und einer Amazone geht es auf die gefahrvolle Suche nach einer Handvoll Klunker, die ein magisches Amulett vervollständigen sollen, mit dem der Krieg zu gewinnen ist…

Okay. Bei der Story ist Augenrollen vorprogrammiert. Und auch beim Namen der Produktions-Firma klatscht die Hand eines kundigen Genre-Fans automatisch an die Stirn. ’The Asylum’ sind bekannt für ihre Mockbuster, übelste Rip Offs aktueller Kinohits. Ab und zu hauen sie jedoch einfach ’nur’ in die Trendkerbe und basteln einen halbwegs brauchbaren C-Streifen zusammen. Das war der Fall bei ’Merlin und der Krieg der Drachen’, einer leidlich amüsanten Fantasy-Wurst und ganz ähnlich wird’s auch beim vorliegenden Film gemacht. Mit der Benutzung des Begriffes ’brauchbar’ hänge ich mich allerdings ziemlich weit aus dem Fenster. Bitte beachtet, dass wir uns innerhalb der qualitativen Grenzen zeitgenössischer Cheapo-Derivate einer gewissen Trilogie befinden.

"Ach und da drin versteckst du deine
Bonbons? Und ich soll vorgehen?"
Ein naseweißer Jüngling läuft auf der typischen Heldenreise mit Xena, Opa Beastmaster, Robin of Sherwood Version 2.0 und einem Vulkanier durch Wälder und Felder, bekämpft Sumpfschlangen, eine Riesenspinne, Verräter und schließlich einen reichlich schodderig zusammengetricksten Drachen (courtesy of bits & bytes). Bedeutungsschwangere Artefakte werden im Minutentakt verteilt und ein Lisa Gerard-Wannabe jault über den Score. Soweit wie gehabt.
Hauptdarsteller Daniel Bonjour (Tach auch) gewinnt vielleicht einen Trostpreis, mehr aber nicht. Brian Thomson agiert gewohnt finster und Jason Connery ist schon wieder von der Bildfläche verschwunden, bevor man überhaupt weiß, was seine Figur für eine Bedeutung hat. Einzig Marc Singer hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Der ehemalige ’Beastmaster’ macht hier einen auf Meister Yoda und kommt zuweilen herrlich kauzig rüber. Inhaltlich ändert das natürlich gar nichts. Dümmliches Fantasy-Sprech (“The sun is moving, we should be too!“ und “You must control your virtues!“) wirkt halt keinen Deut origineller, nur weil man es auf eine schrullige Art und Weise vorträgt.

Suchbild: Welche Gusche passt hier nicht rein?

“Why aren’t you the keeper?”
“Because I wasn’t chosen.”
[…]
“I didn’t ask for this.”

Nobody did. Aber hier sind wir nun. Produktionstechnisch an der Debakel-Grenze und inhaltlich debil, aber ein bisschen Spaß hat’s schon gemacht. Im Vergleich zu großen Werken der Fantasy ein so kleines Licht, dass es nur durch das Mikroskop der ’Ich kuck alles. Hauptsache Drachen, Schwerter und Haare.’-Fraktion zu erkennen ist. Stellt man ’Dragonquest’ jedoch neben die preiswerten Genre-Brüder aus dem letzten Jahrzehnt, macht der Film plötzlich gar keinen so schlechten Eindruck mehr. Ist alles eine Frage der Relation.


* Anmerkung am Rande: Der Mann heißt wirklich ’Grandfather’. Als der Junge beim König vorspricht heißt es: “Your Majesty. My name is Arkadi.“ “Who sent you?” “Grandfather.”

Hudson