The Dragon lives again


’12 underworld assassins trained to find and kill Bruce Lee’


Originaltitel: Li san jiao wei zhen di yu men (1977) Regie: Kei Law
Drehbuch: Shek Ke, Wei Liang & Chi Lo
Darsteller: Siu-Lung Leung, Bobby Canavarro, Hsi Chang FSK: unbekannt


Von ‘Bruceploitation’ habt ihr sicherlich schon gehört. Dabei handelt es sich um jene Welle von halbärschigen RipOffs und zusammengeschnittenen Machwerken, in denen entweder Stockfootage von Meister Lee persönlich verwurstet wurde oder einfach irgendwelche zweitklassigen Impersonatoren (gibt’s das Wort?) so taten, als seien sie Bruce. (Ihr wisst schon: Bruce Le, Bruce Li, Bruce Lei, Bruce Lemke und Lily Lilili.)

Impressionen aus dem Vorspann

Ich kann nur davon ausgehen, dass ‘Dragon lives again’ dieses Subgenre sowohl verarschen, als auch selbst ein wenig auf der Wellte mitreiten wollte. Davon abgesehen habe ich KEINE Ahnung, was sich die Macher beim Dreh dieser unglaublichen Killerschote gedacht haben.

"Oh, Bruce Lee I like you. Please don’t kill me. I tell you what. You can be the king if you like. Please, you mustn’t kill me."

Der Wahnsinn schimmert schon durch, ach was, wird uns direkt vor den Latz geknallt, als während des Vorspanns James Bond, Zatoichi, Dracula, der Pate, der Mann ohne Namen und der Exorzist vor einer roten Leinwand gegen Bruce-Darsteller Bruce Leong antreten und von diesem windelweich geprügelt werden.

USELESS FLAUSENTRIVIA # 1:
Der medizinische Fachbegriff für dieses Phänomen lautet 'Nächtliche penile Tumeszenz', ihren Ursprung hat sie in der REM-Phase (durch Beschleunigung des Pulses und der Atmung). Diese Art der Erektion
findet meist mehrmals pro Nacht statt, übrigens auch bei Frauen, was natürlich nicht derartig auffällt.

Genau so wahnsinnig geht’s direkt weiter, als Bruce plötzlich in der Unterwelt (gemeint ist das Totenreich) mit einer gewaltigen Morgenlatte unter dem Leichentuch (auf dem übrigens Kakerlaken herumkrabbeln… nicht fragen, weiter lesen!) aufwacht und der Konversation zweier Konkubinen lauschen darf:

"Are you sure it’s Bruce Lee? Doesn’t look like him."
"It so happens when a person dies, their face and their body undergo a change. When he was alive, all the girls were after him."

Als nächstes stellt sich dem frisch Verstorbenen auch schon der König der Unterwelt vor, doch der Zuchauer ist nur verwirrt… Was ist hier los? Was sind das für Leute? Und hat die Wache da hinten tatsächlich einen Papphelm auf...

...der aussieht wie der Kopf von Mr. Krabs’ Tochter?

Der Unterwelt-König verlangt von Bruce schließlich, dass er sich um subversive Elemente im Teehaus um die Ecke kümmert (im Teehaus um die Ecke im Totenreich, gelle?), damit er eventuell wieder zurück auf die Erde darf. Also nichts wie hin. Zatoichi, James Bond und Caine von Kung Fu warten schon, genau wie der einarmige Boxer und Popeye und wer an dieser Stelle denkt: "Ja, komm, is gut, der Hudson hat eindeutig einen zuviel gekuckt.", dem kann ich nur antworten "Ja, vielleicht. Aber all das passiert WIRKLICH!"

Nach einigen Prügeleien mit diversen Ikonen der Filmgeschichte, die Bruce allesamt besiegt, setzt der Exorcist niemand geringeren als Emmanuelle auf Bruces Gemächt an, doch ihre Verführungskünste prallen gnadenlos an ihm ab ("You tried to trick me. Get up, you bitch!").

Ja, das sind James Bond, Der Mann ohne Namen
und ein Haufen Typen in Skelett-Uniform.

An dieser Stelle mit einer ausschweifenden Synopsis fortzufahren bringt nichts. Ihr würdet mir ja sowieso nicht glauben. Glaubt mir jedoch bitte, wenn ich sage: NIX macht hier Sinn, alles ist auf möglichst dämliche Kaspereien und Popkultur-Verulkungen angelegt. Absurde Fraktionen schmieden Pläne, verkacken sie, legen sich immer wieder mit Bruce Lee an, schicken Armeen von Untoten (springende Männer in Skelett-Pyjamas) oder Mumien (hüpfende Männer in Mull-Pyjamas) ins Feld, Popeye kommt mit ‘ner Dose Spinat vorbei und rettet den Tag… ihr kennt das.
Dazu gibt’s farbenfrohe Sets aus der Restmülltonne der Shaw-Discounter, die Triola-Versionen diverser populärer Filmsoundtracks (das Kung Fu-Thema, diverse Morricone Stücke, sowie das Beste aus ‘Der Pate’, ‘Enter the Dragon’ etc. etc.) und Kostüme, bei deren Anblick man aus dem Lachen nicht mehr rauskommt (selbst ich hatte als Drittklässler beim Fasching eine überzeugendere Vampirkauleiste als der hiesige Dracula).
Die Fights sind lächerlich. Natürlich sind sie das. Ich denke mal, das ist ein weiterer Punkt, den die Macher unter "Merkt das Publikum bei dem Scheiß eh nicht!" abhaken konnten.

Doin' the legwork...

"I’m sorry Linda."
"Who is this Linda?"
"Linda was my wife."

Vielleicht, aber auch nur vielleicht ist es ein klitzekleines bisschen verwerflich, hier tatsächlich auch noch die Familie des echten Bruce Lee mit einzuarbeiten (im Film gesteht Bruce, dass er seiner Herzdame untreu war. WTF was that all about?). Aber hey, hierbei handelt es sich um einen Streifen, in dem James Bond, der Mann ohne Namen und der Exorcist (alle natürlich asiatischer Abstammung) sich auf einem Sofa lümmeln, während im Hintergrund Skelett-Ninjas Wache schieben und über das Für und Wider aggressiver Aktivitäten gegen den kürzlich verstorbenen Bruce Lee schwadronieren:

"Exorcist, I don’t understand. Why do we have to wait around here so long?"
[…]
"What the hell are you worrying? […] What’s more, we got Dracula. He can summon up all his Zombies."

Wo Riki-Oh seine Tricks her hat...

Muss ich Flausköpfen, Trashfans und in just diesem Moment infantil grinsenden Brüdern und Schwestern wirklich noch eine Empfehlung aussprechen? Der Deal für alle anderen: Den hier anschauen und sich dafür die restlichen Bruceploiter komplett kneifen.


Hudson