Dragon Fury



Originaltitel: Dragon Fury (1995) Regie & Drehbuch: David Heavener
Darsteller: Richard Lynch, Robert Chapin, Chona Jason FSK: 18


2099. Vor 100 Jahren zerstörte ein gewaltiges Erdbeben die Zivilisation, was natürlich jedermann und jedermanns Verwandschaft dazu zwang, sich ausschließlich in brustfreie Ledermode zu zwängen, zottelige Föhnfrisuren wachsen zu lassen und unter der Herrschaft des örtlichen Diktators Vestor (Richard Lynch, autsch) zu zittern. Dessen Brutaltrupp, die Dragons, versetzen die brave Bevölkerung in Angst und Schrecken. Will sagen: Immer wieder nehmen sie Gefangene, schleppen sie auf ihr Anwesen und spielen Ringelpietz mit Abstechen. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen hat sich gegen die abartige Brut verschworen.

Richie Lynch darf sich bekleiden.
Der dreckige Rest bleibt barbusig.
Zu allem Übel grassiert auch eine besonders üble Version der klassischen Endzeit-Grippe, die das Bestehen der gesamten Menschheit (und ihrer Haare) in Gefahr bringt (schon wieder).
Mason, eine gestählte Kampf-Frisur im Auftrag des Guten, rettet zwar eine Mutter und deren kleine Tochter vor einer weiteren Ringelpietz-Metzelei, doch kann er auch die Welt retten?
Zauselkopp-Erfinder Milton ist jedenfalls der Meinung und steckt Mason in eine Zeitmaschine (sowas hat der Zausel von Morgen immer parat), die den Pantene-Pro-V-Musklor ins Jahr 1999 katapultiert, wo ein Heilmittel für die Seuche winkt. Das kann Schurke Vestor nicht zulassen, schließlich sind die Seuchenopfer gleichzeitig Abonnenten einer temporär wirksamen Medizin, die exklusiv von seiner ominösen Firma A.A.M.A. produziert wird (Ähm, nein, ich denke mir das ganz bestimmt nicht aus!). Also schickt der Lump seine Dragons ebenfalls durch’s Zeitportal. Während die Grobiane ihn gnadenlos durch die späten Neunziger jagen, bleibt Mason ein Zeitfenster von 36 Stunden, um blablabla…

“Das gibt’s doch gar nicht. Der Kerl lebt und hat trotzdem keine Gehirnströme?“

Doch das gibt’s und nein, hat er nicht.

BUSY TIME!
(Für Nebelmaschinen und Friseure)
Die Zukunft ist grausamer, als Orwell es wahr haben wollte. Kulissen-Armut bestimmt das Bild, müde Sythezizer klingeln den Bewohnern den letzten Rest Demut aus den Ohren, elendig mies choreographierte Martial Arts-Rauferien vergällen jedem Action-Atze den Fun und Matschgummi-Make Up lässt Köpfe schütteln. Bleiben noch die Komparsen-Kostüme aus dem Restbestand von ’Sinbad - Herr der sieben Meere’, das kitschigste Ende, das sich ein Film dieser Art jemals erlaubt hat und Haare, Haare, Haare, soweit die Spule reicht. Alles vereint in ’Dragon Fury’, dem “Kickbox-Kampf der Sonderklasse“ (VHS-Backcover). Ja, Story und Figuren (sowie ganze Szenen) wurden ratzefatz bei ’Terminator’ und ’T2’ geklaut. Das haben schon andere Filme getan, aber nicht auf eine so unglaublich billige Art. Selbst bei ’Time Barbarians’ (dem zeitlich umgekehrten ’Dragon Fury’) war mehr Spaß rauszuholen, als bei dieser Mischung aus Cheapo-Optik und 0815-Skript.
Hauptdarsteller Robert Chapin ist laut seiner IMDB-Vita ja ein ganz bunter Hund, der überall seine Finger im Spiel hat. Regisseur einer TV-Serie, Stuntman bei ’Scooby-Doo’, Visual FX Artist bei ’Armageddon’, ’Cloverfield’ und ’Watchmen’. Nicht schlecht, nur schauspielern kann er genau so wenig, wie seine Co-Stars. Bettmieze Chona Jason (’Shira: The Vampire Samurai’) bringt zwar vollen Titteneinsatz, kann aber sonst nur mit Gelaber aufwarten (“Ich beantworte dir all deine Fragen, nachdem du mit mir geschlafen hast. *zieht blank* Wir kämpfen zusammen und wir schlafen miteinander.“) und Nebendarsteller Chuck Loch… naja, der hat immerhin einen lustigen Namen. Schande auf das Haupt von Richard Lynch (’Die Barbaren’). Der hat zwar allerlei Scheiße in seinem Leben gedreht, lässt jedoch hier selbst gestandene Genre-Konsumenten grübeln was abstoßender ist: Sein Auftritt in ’Dragon Fury’ oder dessen homo’erotisches’ Cover.

“Wir nennen das was du gerade durchmachst, die effektive Dragon-Ghinwäsche. Man hat dich hier hergebracht, damit du lernst, wie ein Dragon zu kämpfen. Zum besten Wohle der A.A.M.A.“

Fragt nicht... schaltet einfach ab!

Es wird zwar nie zur Sprache gebracht, wofür ’A.A.M.A.’ steht, mein Tip aber wäre ’Asoziale Arschgesichter Minderwertiger Abstammung’. Ist auch völlig Wumpe, schließlich wird sich diesen Streifen hier niemand freiwillig anschauen. Und da sind auch hartgesottene Action-Trash-Fans und Friseur-Azubis nicht ausgenommen.


Hudson