Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein


‘It's a real monster mash when they clash!’


Originaltitel: Dracula vs. Frankenstein (1971)
Regie: Al Adamson Drehbuch: William Pugsley & Samuel M. Sherman
Darsteller: J. Carrol Naish, Lon Chaney Jr., Anthony Eisley FSK: 16


“Mal schauen, was in der Glotze kommt.“

Mad-Scientists und kein Ende!
Der letzte Nachfahre des ewig missverstandenen Dr. Frankstenstein hat sich in ein Gruselkabinett auf der Kirmes zurückgezogen, wo er im Keller ein Labor eingerichtet hat und mit seinem debilen Assistenten Groton in verbotenen Experimenten an frisch geschlachteten Frauenkörpern herumschraubt. Ebenfalls vor Ort: Graf Dracula, oder eine blau getünchte Bart-Version desselben, der mit Zauberring und zuckfreudiger Mimik den guten Doktor in seinem Wirken bekräftigt. Der Graf hat nämlich Franks altes Monster ausgegraben, das er dem Doktor gegen eine Wagenladung Blut-Gallonen anbietet. In dieses lustige Treiben fällt die junge Judith ein, die auf der Suche nach ihrer Schwester ist, welche leider kürzlich von Groton zur Schlachtbank geführt wurde.

Wo sind sie alle? In der Leichenhalle!

Was für ein Bestiarium! Da haben wir Dr. Frankenstein, sein vermoses Monster, den Grafen Dracula, einen fiesen Zwerg und eine Igor-Figur, die irgendwo zwischen Axtmörder und Zombie angelegt ist. Nicht zu vergessen, die ungewaschene Bikerbande, deren Anführer (Russ Tamblyn, ’West Side Story’) sauer ist, dass seine ehemalige Braut jetzt mit einem Streber Strandspaziergänge zu unsäglichen Schlager-Schmonzetten veranstaltet. Die Motorrad-Rocker spielen hier allerdings nur deswegen eine Rolle, weil der Film eigentlich als Sequel zum Biker-Terror ’Satans Sadists’ gedacht war. Doch dann entschied sich Regisseur Al Adamson (’Horror of the Blood Monsters’) dafür, lieber einen Horror-Murks daraus zu machen, was (so sagt es mir jedenfalls meine Abneigung gegen Bikerfilme dieser Kajüte) letztlich wohl die bessere Endtscheidung war.

“Scheiss Zensur!“
In seiner letzten Rolle ist hier Lon Chaney Jr. zu sehen, der ’Wolfsmensch’ persönlich. Er spielt Groton, den Diener Frankensteins, der nicht von ungefähr an ’Lobo’ erinnert, Bela Lugosis Assisstenten aus ’Bride of the Atom’ (ja, genau, der Kulissenschüttler aus ’Ed Wood’!). Und, ja, es ist traurig mitanzusehen, wie das Ansehen einer solche Ikone in seinen letzten Tagen verschandelt wird. (Schaut euch seine Performance in ’Von Mäusen und Menschen’ oder ’Flucht in Ketten’ an und ihr wisst, was ich meine!)
Als Dr. Frankenstein (der eigentlich ’Dr. Dureya’ heisst, was sich im englischen Original immer wie ’Dr. Dre’ anhört… ja, genau ’Keep the heads ringin’!) sitzt Hollywood-Uraltholz J. Caroll Nash (’Beau Geste’) im Rollstuhl, starrt unentwegt in die Kamera und geifert grienend unbesonnene Schlagwörter in die Gegend (“Deh masst oall die! Deh masst oall die! Deh masst oall die!“). Auch für Nash war dies die letzte Vorstellung.
Wer ob der gnadenlosen Verheizung dieser Männer gerade noch die Tränen zurückhalten kann und überhaupt auf Geschmacklosigkeiten abfährt, ist sicher bestens bedient. Man erfreut sich an einem Frankensteinmonster, das aussieht wie Leatherface nach der Gurkenmaske und an dem Terror-Zwerg aus ’Brain of Blood’, der auf seine eigene Axt fällt.
Dass die klassisch schrille Grusel-Musik (ich fress ’nen Besen, wenn das nicht der Score von ’This Island Earth’ ist!) zwischendurch immer wieder vom Geräusch eines Zahnarztbohrers ergänzt wird, hilft zumindest, das Gefühl körperlichen Schreckens ab und an aufkommen zu lassen.

“Tja, Junge. Es kann nur einen geben!“

Hört sich nach ganz großem Trash an? Sicher. Fängt aber erst sehr, sehr spät an zu zünden! Dann aber um so schlimmer… also besser… also naja. Für Normalsterbliche völlig ungeeignet. Für Trashonauten absolut qualifiziert.


Hudson