Dollman


‘He's the toughest cop on the planet Arturus -- but on earth he's in over his head!’


Originaltitel: Dollman (1991)
Regie: Albert Pyun Drehbuch: Charles Band, David Pabian & Chris Roghair
Darsteller: Tim Thomerson, Jackie Earle Haley, Kamala Lopez-Dawson FSK: 18


Man kann über Albert Pyun und Charles Band sagen, was man will; an verrückten Ideen jenseits des Genre-Mainstreams mangelte es den beiden (zuweilen!) jedenfalls nicht. So auch in ’Dollman’, ihrer zweiten gemeinsamen Arbeit, einem Trashfest der unglaublich seltsamen Art.

Brick Bardo (Tim ’Trancers’ Thomerson) ist ein ausrangierter Cop auf dem Planeten Arturus. Er wollte nur seine schmutzigen Hemden im Waschsalon säubern, als er dort einen irren Geiselnehmer mit 10 fetten Frauen als menschliches Schild vorfindet.

COP...
Bardo braucht nicht länger als der Schnellwaschgang, um den Kidnapper mit den eigenen Waffen zu schlagen. Einen Anschiss vom Bürgermeister später, wird er im trauten Heim von einem widerlichen Handlanger außer Gefecht gesetzt und erwacht kurz darauf in Gegenwart seines alten Widersachers Sprug (Frank Collison, ’M.R.C.V.- Der Killerrobot’).
Von selbigem ist nach unzähligen Begegnungen mit dem Spacecop nur noch der Kopf übrig, der auf einer schwebenden Gerätschaft über dem Boden eiert. Kein Wunder, ist Bricks Knarre doch ein Splattermaker par Excellence, was er nach kurzem Laber-Intermezzo an Sprugs Henchmen vorführt. Letzterem gelingt die Flucht zur Erde, wohin ihm der pflichtbewusste Bardo selbstredend folgt. Doch wer denkt, Brick könne hier auch den großen Max markieren, der hat den Titel nicht ganz kapiert. Auf der Erde ist der gute nämlich gerade mal so groß wie eine Barbie-Puppe. So findet sich der harte Bulle bald in der Gesellschaft einer engagierten, jungen Lady wieder, die in der Bronx für bessere Umstände kämpf. Während er sich mit neugierigen Kids und Nachbarn herumschlagen muss, ist Sprug in die Dunstkreise übler Straßengangster unter der Leitung von Jackie Earle Healey geraten, die sich seine außerirdischen Fähigkeiten zu Nutze machen wollen…

“Gottverdammte Riesen. Ich hasse Riesen!“

...und KOPP...
Leider wären Pyun und Band (zuweilen!) nicht Band und Pyun, wenn sie nicht einen Weg finden würden, das Ding mittendrin irgendwie zu verhunzen, bzw. die gegebenen Möglichkeiten nicht konsequent unterhaltsam umzusetzen. So auch in ’Dollman’…
Das Konzept vom ’Miniman from Outer Space’, der seinen Erzfeind bis auf die Erde jagt und dort im hiesigen Ghetto aufräumt, klingt nicht nur für Freunde des Absurden vielversprechend. Dabei kann man den Machern nicht einmal das Minimal-Budget anlasten, das zwar zu Beginn ein nettes B-Movie-Sci-Fi-Szenario ermöglicht und auch nicht bei zerplatzenden Körpern stop macht, dem spätestens aber bei der Darstellung der Größenunterschiede die Puste ausgeht (von den ewig gleichen Abriss-Sets, die auch schon für Pyuns Endzeit-Actioner ’Cyborg’ und ’Nemesis’ herhalten mussten, fang ich gar nicht erst an). Völlig wurscht! Hätten Band und seine Co-Autoren doch nur ein wenig mehr am Script gefeilt und die letzten beiden Drittel nicht zum uninspirierten Actionwerk mit Humorbeilage verkommen lassen.
Bösewicht Jackie Earle Healey, der gerade eben noch für das Drama ’Little Children’ für den Oskar nominiert war, ist auch hier die schauspielerische Referenz. Tim Thomerson sieht dagegen aus, wie eine coole Version von Heino und benimmt sich auch so.

... im Ghetto.

Schade. Mit etwas mehr Ideenschmalz hätte das hier grandiosen Genre-Blödsinn abgegeben. Trotzdem muss ich den Ansatz einfach würdigen. Immerhin zieht sich ’Dollman’ nicht ewig in die Länge, sondern dauert gerade mal 70 Minuten. Soviel Zeit sollte jeder Trashfan für die Herren Pyun, Band und Thomerson übrig haben.


Hudson