Denn nachts kommt Charlie


‘Schrecken! Panik! Todesangst!’


Originaltitel: The Night Brings Charlie (1990) Regie: Tom Logan
Drehbuch: Bruce Carson
Darsteller: Chuck Whiting, Al Arasim, David Carr FSK: 18


’Denn nachts kommt Charlie’ – Dieser Titel, kombiniert mit dem Sackgesicht-Slasher im Hillbillie-Format vom Backcover, versprach amüsante Knifekill-Unterhaltung der Käseklasse. Wobei ich mittlerweile wissen sollte, dass die Begriffe ’Slasher’ und ’unterhaltsam’ nur im losesten Sinne in Verbindung gebracht werden sollten.

Radarfalle Charlie
Charlie ist ein Killer mit Sack über’m Kopp und Taucherbrille drüber, er hackt gerne Leuten die Rübe mit der Laubsäge ab, schaut nackten Mädels beim Duschen zu (dafür ist wohl die Taucherbrille) und haut denen dann ebenfalls die Omme vom Leib. Kurz gesagt: Charlie ist der typische, einfallslose, amerikanische Slasher-Dude. Na gut, er ruft nachts (denn nachts kommt er ja) beim Sheriff an, grunzt banale Prophezeiungen in den Hörer und verdingt sich tagsüber als Gärtner. Ich dachte, ich spinne, als eines der nervtötenden Weiber, die hier als Protagonisten herhalten müssen, den Killer ganz beifällig mit den Worten: “Willkommen zu Hause, Charlie.“ begrüßt. Zugegeben, so was findet man nicht überall. Ich meine, “Mahlzeit, Michael“, “Juten, Jason“ oder “Pfiat di, Freddy.“? Nein, das wär mir aufgefallen.
Charlies Fresse wurde übrigens einst in einem furchtbaren Kettensägen-Zwischenfall völlig zerhobelt, außerdem war er mit dem Gerichtsmediziner der Stadt in Saigon. Selten zuvor hörte ich eine glaubwürdigere Vorgeschichte, die mich tiefer berührte und der Figur näher brachte. Nein, Charlie ist nicht einfach nur ein weiterer Slasher-Dude. Er selbst war ein Opfer der Grausamkeit menschlicher… äh... und er war in Nam! Aber nee, halt! Kurz vor Schluss ziehen uns die Macher dieser Schote den Teppich unter den Füßen weg und bauen einen Twist ein. Ist Charlie vielleicht gar nicht der Killer? Und Wayne…

“Wie sicher ist es, Zivilisten mit geladenen Waffen rumlaufen zu lassen?“
“Nicht sehr. Ich hoffe nur, der Killer weiß das.“

Erntezeit für Schlitzgestalten
’Denn nachts kommt Charlie’ schafft es glatt, das ohnehin schon durchhängende Slasher-Niveau um ein paar Klicks zu senken. In grauslich belichteter Video-Optik (immerhin der etwas gehobenen und nicht der ’Onkel Abert dreht Ferkeleien’-Art) wird der Zuschauer Zeuge von flauen Slashs und zickigem Gekeife mies geschminkter Luder-Ladies. Wobei letzteres noch der güldene Dialog-Standard des Filmes ist, denn die meiste Zeit über gibt’s hier Laber-Gedöhns courtesy of “MömömöQuakQuakQuak“-Charlie Browns-Lehrerin meets Porno-Synchro.
Die Krönung der allgemeinen Ereignislosigkeit, die ’Denn nachts kommt Charlie’ anheftet, wie die Dritten dem Gaumen einer Oma nach zwei Tuben Haftcreme, ist übrigens ein Running Gag, in dem ein weibisch frisierter Boy alle zehn Minuten aus einem Busch gesprungen kommt, um die Luder-Ladies zu erschrecken. Man, does that work out well.

“Ich sah, jemand versteckte sich hinter einem Busch.“
“Wie sah er aus.“
“Ich kann’s nicht sagen. Das Fenster war ganz beschlagen. Aber ich glaube, er trug eine Maske.“
“Was für eine Maske?“
“Ich weiß es nicht, aber sein Gesicht war bedeckt. Aber er war gruselig. Wie böse, wissen sie?“
“Ich weiß.“

Immerhin: Wo findet man schon einen Killer,
der sich dermaßen akribisch um seine Gemeinde kümmert!?

Der Preis für das ’Wurst Acting’ in einem Slasher geht ohne Frage an ’Denn nachts kommt Charlie’. Nirgendwo sonst sah man solch lustlose Eierköppe ohne jegliche Begabung einen Killer suchen, sich vor ihm verstecken oder sich von ihm abstechen lassen. Die deutsche Synchro gibt dem Film den Rest. Ereignisloser Schnarchstoff ohne irgendwelche Schauwerte, aber mit Taucherbrille. Der Junge wusste wohl, dass der Film absaufen würde.


Hudson