Disaster!


‘In Space, No One Can Hear You Fart’


Originaltitel: Disaster! (2005) Regie: Roy T. Wood
Drehbuch: Paul Benson & Matt Sullivan
Darsteller: Danny Dyer, Laura Harris, Tim McInnerny FSK: unbekannt


Die Knetmännchen kommen!
Und sie benehmen sich äußerst unanständig.
Roy T. Woods Animations-Farce ‘Disaster!’ ist ein echter Schenkelklopfer, der es ohne Umwege über die Geschmacksnerven direkt auf den Bereich unter der Gürtellinie abgesehen hat.

Die Handlung wird beinahe eins zu eins von Michael Bays Action-Schmus ’Armageddon’ übernommen:

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Katastrophen-Experte Harry Bottoms wird von der Regierung angeheuert, um einen Asteroiden zu stoppen, der auf die Erde zurast und die gesamte (Knet)-Menschheit vernichten wird. Schnell hat Harry ein Team aus weiteren Experten zusammengesetzt. Da sind V.D. Johnson (der Ben Affleck des Films), der mit Harrys Tochter Sandy vor Dads Augen ungeniert rumvögelt, Donkey Dixon, ein afroamerikanischer Pimp im Shaft-Format, Hanukah Jonze, eine dauergeile Raketen-Wissenschaftlerin und Guy Kirk, ein dümmliches William Shatner-Double. Diese herrlich bescheuerte Mannschaft tritt natürlich keinen Trip in den Weltraum an, ohne vorher dem Publikum nicht zahlreiche Verhohnepiepelungen der aus ’Armageddon’ (und ähnlichen Filmen dieser Garde) bekannten ’Warm-Up-Montagen’ der Marke ’Everyday-Life-Dudes get ready to be Astronauts’ darzubieten.
Kaum ins All geschossen, bemerkt man, dass die zuständige Weltraum-Behörde (mit Namen 'ASSA') vergessen hat, zu tanken. Also auf zur nächsten Space-Station, wo dieses Mal kein Russe, sondern ein Franzose mit unanständigen Manieren (was sonst!) und einem Riesen-Haufen Käse haust. Auch dieser Zwischenstopp ist bald in die Luft gesprengt worden und es geht weiter zum nahenden Asteroiden, auf dem dann von Michael Bay’s apocalyptischen Actioner, über dessen Konkurrenten ’Deep Impact’ bis hin zu P.J.s ’King Kong’ alles durch den Kakao gezogen wird, was auch nur annähernd nach Katastrophe riecht.

Bloody's Diner: All you can eat
’Fick, Furz und Fäkal’ - Sind das Schema F von ’Disaster’. Neben den Verulkungen der offensichtlichen Idiotien bekannter Action-Blockbuster, ist dem Film keine Geschmacklosikeit zu derbe, kein Witz zu platt, kein Spruch zu hohl. Ein französischer Dauerpupser, Kinder, die jubelnd von Gedärmen überschüttet werden, ein Space-Klo, dass die Exkremente direkt in den Raumanzug zurückpumpt und ein schwuler Roboter.
Hatte ich schon erwähnt, dass immer wieder eine Stephen Hawkins-Parodie über den Schirm scheuert, um sabbernd hust*hilfreiche*hust*wissenschaftliche*hust Tipps zu geben?
Dass dem Geschen ein ’Celebrity Deathmatch’-mäßiger Look verpasst wurde, verschafft dem Film zusätzlich eine visuelle Groteskheit.
Die Gags sind zahlreich, leider hapert es in Sachen Qualität (das Niveau will ich hier gar nicht erst anreißen, ihr lest’s ja selbst). Nachdem man sich in der ersten halben Stunden den sprichwörtlichen Ast gelacht hat, gibt es bald nur noch ein gefälliges Grinsen. ’Zu viel des Guten’ nennt man das. Dazu kommt, dass ’Disaster!’ vom erzähltechnischen Aspekt im Stil der Genre-Spoofs der letzten Dekade herkommt. Will sagen: Handlung adé!
Eine Story gibt es nicht. Außer dem ’Zerstört den Asteroiden’-Setup ist nicht viel da, woran sich der Zuschauer festklammern kann. Freilich sei dahingestellt, ob ein Film dieses Kalibers so etwas wie eine Story nötig hat. Dass das aber durchaus hilfreich sein kann, bewiesen Trey Parkers & Matt Stones mit ihrem gleichfalls absurden ’Team America’. Die hatten auch die lustigeren Musical-Nummern. Immerhin sind hier die ’Mötley Crüe’ am Start (in der Originalversion auch mit den Stimmen der Bandmitglieder) und geben ’The World’s Last Rock Concert’ zum Besten.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Für Liebhaber des ganz derben Humors ist ’Disaster!’ sicherlich ein gefundenes Fressen. Das Katastrophen-Genre war auch wirklich langsam reif, zerpflückt zu werden. Nicht alle Gags zünden und die werden letztlich auch nur aneinander gereiht. Ideenlosigkeit kann man den Machern aber nicht vorwerfen. Ich hätte nichts gegen das versprochene Sequel. Dann aber weniger Kacka und mehr Kohäsion!

Hudson