DinoCroc


‘It feeds on fear.’


Originaltitel: Dinocroc (2004) Regie: Kevin O'Neill
Drehbuch: Dan Acre, Frances Doel & John Huckert
Darsteller: Costas Mandylor, Charles Napier, Bruce Weitz FSK: 16


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DinoCroc, halb Dinosaurier, halb Krokodil, ganz gezüchtet im Labor der gentechnischen Abteilung von ’Gereco’‚ ihrer freundlichen Schurkenfirma um die Ecke.
Zwei Exemplare rüffeln in der DNS-Ausnüchterungszelle um die Wette, als eines der beiden das andere kurzerhand kaputtbeißt. Da alle Verantwortlichen schon Feierabend haben, macht die unterqualifizierte, Nachtdienst schiebende Mad Scientist-Azubine was? Na? Ganz recht: Rein in den Zwinger und nachgucken. Was folgt, dürfte klar sein. Und was dem folgt ist gewissenhafte Polizeiarbeit:

“Dieses Tier hat die Frau getötet?“
“Ja. Es war ein unglücklicher Laborunfall und nichts weiter.“
“Okay, das schreib ich in den Bericht.“

... zuschnappen ...
Ja, Sheriff Harper (Charles Napier) ist ein einfaches Gemüt und will nicht viel Scherereien. Was er aber nicht weiß: Das tote Tier auf dem Seziertisch ist nicht der Killer. Der entfläuchte nämlich flugs in die Freiheit. Da Gereco nicht nur Dino- und Kroko-DNS gemixt, sondern auch ein paar Wachstumshormone mit hineingewürfelt hat, gibt es in der Nachbarschaft bald ein großes Problem. Nachdem die ersten Opfer zu beklagen sind, nehmen sich ’Gereco’-Angstellter Dr. Campbell, Tierschützerin Diane, Bildhauer Tom und Crocodile Hunter Sydney der Angelegenheit an…

’DinoCroc’ ist ein Monster-Schinken aus Roger Cormans ’Concorde’-Schmiede und reiht sich somit in eine lange, lange Tradition von Creature Features ein, die 1954 (ganze 50 Jahre früher!) mit ’Monster from the Ocean Floor’ begann.
50 Jahre sind eine lange Zeit, möchte man meinen, doch wenn es um die Mechanismen des Monster-Horrors geht, hat sich nicht allzu viel geändert. Schöne, junge Menschen, fieses Monster, tote Menschen, totes Monster, Ende.

... verschlingen.
Die Verantwortung durch menschliches Verschulden ist dabei so alt wie ’Godzilla’ himself. Nach Innovation sollte man in diesem Genre nicht suchen (sie schadet natürlich nicht), eine packende Inszenierung, fesches Monster-Design und eine möglichst stimmige Atmosphäre helfen jedoch ungemein, um Fans bei Laune zu halten. Von all dem hat ’DinoCroc’ ein bisschen, gerade genug, um entnervtes Augenrollen und gähnende Langeweile zu vermeiden.
Die komplett digital realisierten Effekte sind zwar nicht mit ’ILM’- oder ’WETA’-Produkten zu vergleichen und haben arg mit hakeligen Animationen zu kämpfen, sind für einen Film dieser Preisklasse jedoch durchaus anständig. Gummimonster-Fans schauen hier natürlich in die Röhre.
Von den Darstellern ist leider nicht viel zu erwarten. Immerhin ist Charlie Napier (’Rambo 2’) als alter grummeliger Sheriff zehnmal überzeugender, als Costas Mandaylor (’Picket Fences’) in der Rolle des raubeinigen Krokodiljägers.
Neben der nötigen Portion Spannung und interessanter Musikauswahl (pompöse Choräle, wann immer die Kacke am dampfen ist) kann man dem Film vor allem einen tatsächlich gelungenen ’Holy Shit’-Moment attestieren, wie es ihn in 08/15-Creature Features nicht allzu oft zu sehen gibt.

Ah, le dessert!

“Da ist ein Dinosaurier.“
“Wie schön, Brandon. Dann bleib mal vom Wasser weg!“
“Okay.“

’DinoCroc’ ist ein für B-Movie-Verhältnisse technisch solider, in seinen besten Momenten fesselnd gefertigter, wenn auch mau besetzter Monsterfilm, der Freunden gediegener Viecher- Unterhaltung durch einsame Stunden helfen könnte.
An dieser Stelle möchte ich jedoch anmerken, dass es nichts lahmeres gibt, als das olle ’In der letzten Einstellung muss das Monster nochmal auf dem Bildschirm aufpoppen!’-Klischee. Traurig aber wahr: Heutzutage ist es in dem Genre hundertmal origineller, wenn unsere Helden einfach in den Sonnenuntergang reiten. Lasst es gut sein, Movie-People!


Hudson