Die Meute


‘They're not pets anymore.’


Originaltitel: The Pack (1977) Regie: Robert Clouse
Drehbuch: Robert Clouse & David Fisher
Darsteller: Joe Don Baker, Hope Alexander-Willis, Richard B. Shull FSK: 16


Orcas, Kraken, Kaninchen, Frösche, Würmer… Einige Genre-Filmer versuchten schon in den Siebzigern allzu exotische und abwegige Krabbel- und Kriech-Gefahren in ihren Tierhorror-Streifen zu etablieren, doch Robert Clouse, der vorher eher durch Martial Arts Streifen auf sich aufmerksam gemacht hatte, griff kurzerhand zur offensichtlichsten.

Dies unrühmliche Schicksal hätte
sich Lassie Jr. nie träumen lassen
Jeder Mensch ist schon mal von einem fiesen Köter angebellt worden und der Anblick einer zähnefletschenden, sabbrigen Schnauze, deren tierischer Besitzer angespannt zum Sprint bereit ist, dürfte kaum jemanden kalt lassen, der seine Kleidung nicht vom städtischen Tierheim sichern lässt.
Zu vermehrten Attacken genau dieser Art kommt es auf Seal Island, einer beschaulichen kleinen Wald-Insel vor der Ostküste Nord-Amerikas, die von Touristen scheinbar hauptsächlich deshalb besucht wird, weil sie einen idealen Entsorgungsplatz für unbeliebte Hunde bietet. (Autobahnen gibt’s ja nicht in den USA.) Da die Fauna der Insel nicht viel mehr hergibt, als ein paar lausige Single-Kaninchen und das bewachte Vieh der Einwohner, rotten sich die ausgesetzten Tiere zur titelgebenden Meute zusammen und machen bald den Insulanern um Shrimp-Forscher Jerry (Joe Don Baker) und dessen Familie das Leben zur bellenden Hölle…

"Git offa ma laaawn!"
Tierhorrorfilme schaffen es immer wieder, ihre menschlichen Protagonisten in ausweglose Abgeschiedenheit zu zwingen, von welcher aus keine Kommunikation möglich ist. Da wird die einzige Funkantenne der Insel von einem Sturm vom Dach gefegt, die Fähre legt erst wieder zur nächsten Saison vom Festland ab und der Indianer für die Rauchzeichen hatte wahrscheinlich Urlaub.
Klischees wie dieses finden sich auch bei ’The Pack’ (Originaltitel) im Dutzend billiger an. Macht aber nichts, denn die Meute selbst ist so beeindruckend reißerisch dressiert, dass man fast bei PETA durchklingeln möchte, um nach dem Rechten zu fragen. Die fiesen Attacken der tollwütigen, verschmutzten, sabbernden Köter sind actionreich und spannend in Szene gesetzt, keiner der Darsteller muss sich eine Wauzi-Puppe an den Hals hängen und so tun, als würde er angegriffen werden.
Die an Persönlichkeitsmangel leidenden Überlebenstypen können zwar die rudimentären Identifikations-Bedürfnisse der Zuschauer abdecken, sind aber schnell vergessen, sobald der Abspann rollt. Die mit idyllischen Filmschauplätzen angereicherte, bedrohliche Grundstimmung begleitet den Film bis hin zum klassischen Hausbelagerungs-Finale, in dem die Protagonisten einen recht ungewöhnlichen oder auch ungewöhnlich bekloppten, aber ungewöhnlicherweise funktionierenden Plan aushecken.
Der allerletzten Einstellung des Films gehört je nach Auffassung in den Arsch getreten oder selbiger geküsst. In Anbetracht des Verzichtes auf den genre-üblichen Buhu-Moment, tendiere ich fast zu letzterem.

Canis rabiosus - Endstadium

’Die Meute’ gehört zum höheren Standard des Subgenres und kann trotz Wegwerf-Figuren und Klischeedichte mit spannenden Hundeangriffen und atmosphärischer Inszenierung punkten. Im direkten Vergleich zum Schlocker ’Killerhunde’ und Robert Clouses eigenem Tierhorror-Nachzügler ’Night Eyes’ ist das hier geradezu perfektes Thrillerkino.


Hudson