Die Jugger - Kampf der Besten


‘The time will come when winning is everything’


Originaltitel: The Blood of Heroes (1989)
Regie & Drehbuch: David Webb Peoples
Darsteller: Rutger Hauer, Vincent D'Onofrio, Joan Chen FSK: 18


“Die Jugger kommen!“ plärrt der Knabe am Ortseingang des staubigen Endzeit-Dorfes, nachdem das erklärende Voice-Over verklungen ist.
Wer sind denn die Jugger und was wollen sie denn?
Sie sind die Gladiatoren der Post Apokalypse und wollen nur einen Hundeschädel auf einen Speer ditschen.
Warum wollen sie das?

Bluten für Dollars
Weil dies das Ziel des Spieles ist, das die Jugger spielen. Man muss es sich als eine Mischung zwischen Rugby, American Gladiators und einer aus dem Ruder geratenen Schulhofprügelei im Matsch vorstellen. Recht brutal das Ganze und dementsprechend grindig sehen die Jugger auch aus. Sie reisen von Ort zu Ort, kämpfen gegen ansässige Spieler und sammeln so einen Sack voller Hundeschädel ein, die in dieser Version der Zukunft nach dem BUMM so etwas wie Medaillien sind. Unter der Führung von Sallow (Rutger Hauer) kämpfen Mbulu (Delroy Lindo), Gar (Vincent D’Onofrio), Cimber (Anna Katarina) und Dogboy. Als letzterem bei einem Spiel der halbe Fuß abfällt springt, die junge Kidda (Joan Chen) für ihn ein. Als das Team sich von Match zu Match verbessert, zieht es den ehemaligen Ligaspieler Sallow in den Norden, wo die ’Rote Stadt’ (unter der Erde) liegt, in der die Elite der Jugger ihr Spiel in großem Stil zelebriert…

Ihr merkt schon: Erzählerisch bleibt hier alles recht überschaubar. Es wird gekämpft, es wird geruht und die Wunden geleckt, es wird gewandert, dann wieder von vorn. Dazwischen gibt es vereinzelte Dialoge, die Motivationen, Spielregeln und Hintergrundgeschichten anreißen. Spektakulär ist das nicht, dennoch überzeugt ’Die Jugger’ in punkto Set-Design und Besetzung.

Posen umsonst
Rutger Hauer glänzt als bröckelnder Fighter, der auch auf dem Weg zum Finale einiges verliert. Hugh Keyes Burnes, den man eher als rauhen Grobian kennt (zum Beispiel als ’Toecutter’ im ersten ’Mad Max’), beweist, dass er auch einen reichlich tuffigen Dekadenzio verkörpern kann. Vincent D’Onofrio (’Full Metal Jacket’) war damals anscheindend noch auf leicht depperte Weirdo-Rollen aboniert, macht hier aber eine gute (und breitschultrige) Figur. Und auch Delroy Lindo (’Schnappt Shorty’) und Joan Chen (gemeinsam mit Hauer auch in ’Wedlock’ zu sehen) zeigen vollen Körpereinsatz, der in den blutigsten Minuten des Filmes sogar bis zum populären Ohrabkauen geht. Allzu große Emotionen werden hier jedoch niemandem abverlangt. Als Kampfmachine ’Gonzo’ ist der australische Charakterdarsteller Max Fairchild (’Mad Max’) zu sehen und sogar Prügelonkel Richard Norton (’City Hunter’) juggert sich über das Feld der Ehre.
Die Outfits der Fighter sind ähnlich überzogen, wie die Klamotten anderer Endzeit-Heroen, mit dem kleinen Unterschied, dass die exorbitante Schulterpolsterung hier endlich einmal Sinn macht. Etwas verwirrender kommen die überdimensionalen Wattestäbchen (kennt man aus ’American Gladiators’) daher, mit denen die Jugger sich gegenseitig den Tag versüßen.
An den beiden Enden des Stabes scheinen gepolsterte Säcke angebracht zu sein, um welche dann jedoch Ketten, Stacheldraht und anderer Scharf-Tand herumgewickelt wird. Man wird also weich getroffen, bekommt aber trotzdem die Fresse zerschnitten. (Zwei Jugger sollten übrigens nach einem Match nicht miteinander schlafen. Nicht etwa, weil das gegen irgendwelche moralischen Regeln verstößt, sondern einfach nur verdammt schmerzhaft ist.)

Ich hoffe, der Kopf ist nicht geklaut.
Sonst gibt's Ärger mit Tony Jaa!
Während die Outdoor-Sets in typischem PA-Coleur dargestellt werden (abgerissene Hütten, ein Steinkreis als Sportplatz, hier und da ein futuristisches Dünen-Vehikel), hat die unterirdische Stadt (in der Endzeit sehr polulär, man denke nur an ’Ein Junge und sein Hund’) ein interessanteres Design. Die ’Bettwälle’, die Arena und die Tunnelkonstruktionen sind Bauten, die der unterirdischen Stadt eine ganz eigene Atmosphäre verleihen.
Dort angekommen gewinnt der Film auch tatsächlich etwas an Fahrt und zeigt zwei (brutal)spannende Spiele, bevor er schließlich in ein unspektakulär antiklimaktisches Ende führt (das möglicherweise in Richtung Sequel winken sollte).
Regie führte der renomierte Drehbuchautor David Webb. Peoples (’Der Blade Runner'), der ausgerechnet beim Skript nur bestenfalls Durchschnitt liefert.
So bleibt ’Die Jugger’ auch hinter den Möglichkeiten, der eigentlich recht ansprechenden Grundidee zurück. Dennoch können Endzeit-Fans und Brutal-Sport-Fans einen Blick wagen.



PS: Unglaublich aber wahr! Der Film inspirierte in Deutschland (!) eine eigene JUGGER-SPORT-Szene. Seit 2003 gibt es die erste deutsche Juggerliga. Wer mehr darüber wissen will... es gibt sogar Literatur:






















Hudson