Die Bestie


‘There is something evil out there... Possessed by a force that doesn't belong to this world - and it's going to kill me!’


Originaltitel: Horror High (1974)
Regie: Larry N. Stouffer Drehbuch: Jake Fowler
Darsteller: Pat Cardi, Austin Stoker, Rosie Holotik FSK: ungeprüft


Erst gibt's Keile...
Vernon Potts ist ein Schwächling wie er im Buche steht: ängstlich, verwirrt und körperlich unterlegen, aber überdurchschnittlich intelligent. Von den Lehrern missverstanden, von seinen Mitschülern geschasst und als Prügelknabe missbraucht, bleibt ihm als Freund nur sein Meerschweinchen Mr. Mumps. Dieses muss allerdings zu biologischen Versuchen mit einer von Vernon erstellten Formel herhalten und verwandelt sich eines Nachts in eine mordsmäßige XXL-Version. Während er fasziniert von der Wirkung seiner Formel ist, entdeckt Hausmeister Griggs den Kadaver seiner toten Katze (einem Kolleteral-Schaden der Killer-Meersau) im Bio-Labor und dreht durch. Er zwingt Vernon, sein eigenes Gebräu zu schlucken, mit fatalen Konsequenzen! Aus dem Weichling wird ein Unhold, den nichts im Zaum halten kann. Nachdem der Hausmeister am nächsten Tag in der laboreigenen Säuretonne entdeckt wird, schaltet sich die Polizei ein. Doch das hält Vernon nicht davon ab, auch mit seinen anderen Peinigern abzurechnen…

...dann gibt's Drinks...
Wenn man so will, ist ’Horror High’ (O-Titel) ein Quasi-Remake von ‘I was a teenage Werewolf’, nur dass hier eher der ’Jeckyll & Hyde’-Mythos zum Tragen kommt.
Das High-School-Setting war schon 1974 nicht mehr wirklich originell und trotzdem wurde es immer und immer wieder, vornehmlich von Horrorfilmern, genutzt. Und warum auch nicht: In der Schule waren wir schließlich alle mal und egal auf welcher Seite, eine Identifikation mit den Protagonisten ist da fast immer drin. Auch bei ’Horror High’ ist das ein dicker Pluspunkt und das tolle Siebziger-Flair verschärft die Wirkung (vor allem für Nostalgiker) enorm.
Das Script mag vorhersehbar sein und die technische Gestaltung (v.a. die Beleuchtung und das Make-Up) insgesamt nicht annähernd so professionell und ’flashy’, wie die detailiert brutalen (und oftmals seelenlosen) Horror-Filme, die uns seit einigen Jahren überschwemmen, aber nennt mich einen verklärten Wirrkopf… Ich finde: Genau so gehört sich das, für einen zünftigen 70s-B-Horror.
Die Stärke des Films liegt in seiner Geradlinigkeit und seinen Schauspielern.

..dann kommt die Revanche...
Pat “Ich schlag nie zurück. Dann würd ich noch mehr Prügel kriegen.“ Cardi ist wohl einer der jämmerlichsten und somit besten On-Screen-Schwächlinge, die mir jemals unter die Augen gekommen sind. Entweder sie haben den direkt aus dem Schachclub entführt, oder Cardi ist ein grandioser Schauspieler, dessen Karriereende nach ’Horror High’ wahrlich zu betrauern ist. Die restlichen Darsteller sind durch die Bank weg ’No Names’, die danach ebenfalls nie wieder in einem Film zu sehen waren. Im Gegensatz zu den meisten Akteuren, auf die das zutrifft, sind die Gestalten hier eine Bereicherung. Sei es Joy Hash als fiese, alte Ziege, die selbst in ihrer letzten Minute dem Protagonisten droht: “Vernon, ich sorge dafür, dass sie nie die Hochschulreife erhalten!“, der ‘Coach’-Darsteller John Niland, der aussieht, als hätte man den gesamten Baldwin-Clan zu einem miesen, blauäugigen Triezer verschmolzen, oder die womöglich echten Football-Profis, die hier die Bullys spielen. Einzig Austin Stoker dürfte dem einen oder anderen bekannt sein, unter anderem als Bishop in John Carpenters ’Assault’. Sein Auftritt als lässiger Bulle erinnert hier jedoch mehr an ’Columbo’, als an einen hartnäckigen Vertreter der Blaxploitation-Zunft.

...und schließlich der ermittelnde Shaft!

Die objektive Bewertung fällt mir hier besonders schwer. Ich fühlte mich durchweg unterhalten, aber ich habe auch eine spezielle Zuneigung für diese Filme mitsamt ihren Unzulänglichkeiten. Wenn ihr also Fans griesiger Siebziger Jahre Horrorstreifen seid, solltet ihr hier unbedingt einen Blick reinwerfen. Die grobe Masse dürfte sich weniger dafür begeistern und sollte dann doch lieber ins Kino gehen. Achje, bin ich heute wieder elitär…

Hudson