Gefahr: Diabolik


‘Out for all he can take, seduce, or get away with...‘


Originaltitel: Diabolik (1968) Regie: Mario Bava
Drehbuch: Mario Bava, Brian Degas, Tudor Gates & Dino Maiuri
Darsteller: John Phillip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli FSK: 16


Ein Geldtransport mit 10 Millionen Dollar wird von den Autoritäten clever geplant und geschickt durchgeführt, doch niemand hat mit der Gerissenheit des Superschurken Diabolik (John Phillip Law, ’Sindbad und das Auge des Tigers’) gerechnet. Dieser gewiefte Spitzbube schnappt auf gewagte Art und Weise ’Vater Staat’ die Kohlen aus dem Koffer und flüchtet mit der Hilfe edler Schlitten, einem Speed-Boot und seiner adretten Muse Eva (Marisa Mell) in sein luxuriöses Geheimversteck unter der Erde.

Ohne Frage ein dufter Typ!
Die Regierung kann diese Bedrohung nicht länger hinnehmen. Also führt sie (als zeitweilige Maßnahme) die Todesstrafe wieder ein (!) und verleiht Inspektor Ginko (Michel Piccoli) ’spezielle Befugnisse’, um Diabolik einzuheizen. Ginkos Aktionen schädigen jedoch bald die Geschäfte des Unterwelt Bosses Ralph Valmont (Adolfo Celi). Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, bietet Valmont dem Inspektor seine Hilfe an, Diabolik zu jagen und auszliefern. Doch auch mit Polizei und Konkurenz im Nacken, hat Diabolik noch genug Muße um den nächsten Coup zu planen…

’Danger: Diabolik’ schrie es anno ’68 von den Plakaten, doch die Zuschauer ließen sich von dieser Warnung nicht abschrecken, sondern strömten scharenweise in den von Produzenten-Legende Dino de Laurentis finanzierten Spielfilm.

Helis & Helme + Heckler & Koch
= Henchmen der Güteklasse A!
Das auf einem italienischen Comic basierende Werk dürfte vor allem Fans einer berühmten englischen Agenten-Reihe eine Menge Spass bereiten. Von der Eröffnungssequenz, über die Credits, bis hin zu den Gadgets und Fahrzeugen schreit hier nämlich alles nach James Bond. Nur mit einem Edel-Schuft in der Titelrolle und ungleich schriller, greller & bunter:
Schurken, die unliebsame Konkurenten durch eine Falltür im Privatjet entsorgen, Saugnapf-Kletterausrüstung, Super-Vixens und die frivole Lounge-Höhle sowie die ’Anti Lach Gas Kapseln’, die der italienische Farb-Meister Mario Bava (’Die Stunde, wenn Dracula kommt’) scheinbar direkt vom 60er Jahre ’Batman’ übernahm. Hier wurde wirklich keine Zutat für einen echten Gassenhauher ausgelassen.
Dazu gibt es gellenden Instrumantal-Swing aus dem ’Psycheldelic-Radio’ des Wahnsinns (unglaublich, aber dieser stammt aus der Feder von Ennio Morricone!), zu der sich auch schon mal kiffende und schräg bekleidete Komparsen in einem zügellosen Nachtclub (60er Lokalkolorit PUR!) den Buckel krumm tanzen.

Adam West hat angerufen.
Er will sein Patent zurück.
Dass der Film im selben Jahr wie ’Barbarella’ erschien (in dem John Philipp Law ebenfalls mitwirkte) ist ebenso offenkundig, wie die Schwerpunktsetzung auf überkandidelte Ausstattung und überzogene Action (in der Luft, auf dem Land und unter Wasser). Viel Story sickert hier natürlich nicht durch. Aber wer in einem solchen Film danach sucht, ist selber schuld.
Bei all den bunten Bildern, bleibt ’Gefahr: Diabolik’ ein ziemlich grimmiger Streifen, dessen Titelfigur nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern umgeht und einen recht ansehnlichen Bodycount verursacht. Zudem wartet der Film auch mit herrlich urigen Sprüchen („Ihr werdet besser bekleidet sein und ihre Frauen…weniger!“) und ebenso schrägen Nebendarstellern auf, deren Over-the-Top Gehabe (im Gegensatz zu ’Barbarella’) zur verrückten Stimmung des Filmes beiträgt.

"We all live in ..."

’Gefahr: Diabolik’ funktioniert als quietschige und doch reichlich fiese Variante des ’007’ Themas hervorragend. Wer die ’Fantomas’ und ’Austin Powers’ Filme mag, sollte sich an diesem Sixties-Leckerli unbedingt mal versuchen.

Hudson