Nachts, wenn die Leichen schreien


‘Absolutely the most incredible ending of any motion picture’


Originaltitel: The Devil's Rain (1975)
Regie: Robert Fuest Drehbuch: James Ashton, Gabe Essoe & Gerald Hopman
Darsteller: Ernest Borgnine, Tom Skerritt, William Shatner FSK: 16


Regisseur Robert Fuest, der schon für eine ’Wuthering Heights’ Verfilmung, sowie die beiden kultigen ’Dr. Phibes’-Werke verantwortlich war, schuf 1975 den Satanisten-Schmelz-Grusel ’Nachts, wenn die Leichen schreien’ aka ’The Devils Rain’, der in einem Schlag John Travoltas Karriere ankurbelte, das ’Acting-Aces’-Duo William Shatner und Ernest Borgnine gemeinsam auf die Leinwand brachte und die Puppen schmelzen ließ.

Melting in the Rain
Es ist eine stürmische Nacht im kleinen, ungenannten Westernkaff, als Mark Preston (William Shatner!) seinen Vater im prasselnden Regen schmelzend vorfindet. Ganz recht, ’schmelzend’. Preston Sr., der Nachfahre einer vor 300 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannten Satanisten-Sippe, war im Besitz eines Buches, auf welches kein anderer, als Satanas persönlich scharf ist. Nachdem auch Prestons Mutter von dem wieder auflebenden Kult unter Anführer Corbis (Ernest Borgnine!!) entführt wird, folgt Mark ihnen und will sich mit Corbis einen Zweikampf des Glaubens liefern, den er nur verlieren kann.
Auftritt Preston Jr. Nr. 2, Tom (Tom Skeritt), der mit seiner telepathisch begabten Frau Julie (Joan Prather, ’Big Bad Mama’) das teuflische Nest nun ebenfalls aufsucht und sich mit der augenlosen und untoten Kultbrut anlegt. Sie gelangen in den Besitz des Buches, das Corbis benötigt, um die verfluchten Seelen unter sich zu vereinen. Und dann ist da noch das seltsame Gefäß, in dem der (original)titelgebende ’Devil’s Rain’ verweilt, der womöglich das Schicksal aller Beteiligten wenden könnte…

Look, who's got the Acting Bug!

’Nachts, wenn die Leichen schreien’ beginnt vielversprechend. Zu nervenzerreißenden Klängen (the good kind) und verzerrten Hilfeschreien einer unsichtbaren Menschenmenge (vielleicht die angepriesenen ’schreienden Leichen’?) sehen wir verstörende Gemälde von Hieronymus Bosch. Zwei Minuten später tritt William Shatner ins Bild, doch (man glaubt es kaum) vermag er es nicht, die andauernde Spannung und recht eigentümliche Atmosphäre des Filmes zu stören. Die Ereignisse überschlagen sich bald und eine bedrohliche Stimmung macht sich breit, von der andere Filme dieses Milieus nur träumen können.
Abgesehen von regelmäßigen Holperstellen, wird diese Stimmung auch konstant gehalten. Ein wenig erinnerte sie mich zunächst an die Geschichten eines Clive Barker.

Pagan... ini
Leider kommt nach der verdammt stimmigen Einführung von Borgnines ’Corbis’ die keulenartige Bösewichter-Offenbahrung: Ein Satans-Kult!
Ja mei, sowas gab’s ja noch nie! Im Ernst, ich hätte diesem Film etwas eigenes gewünscht. Klar deutet der Original-Titel ’The Devils Rain’ sachte in diese Richtung, dennoch hätte vage, umrissene, nicht näher definierbare Bedrohung (Kult=Ja! Satan=Nein!) dem Film und seiner Western-geschwängerten Atmosphäre besser getan.
So ist ein Gebet-Duell zwischen Shatner und Borgnine eher albern, als zuträglich und der als wissenschaftlicher Satanisten/Kultisten-Experte auftretende Eddie Albert (’McQ schlägt zu’) ist narrativ völlig fehl am Platze.
William Shatner, der hier nicht nur mit freiem Oberkörper (gab’s da Zweifel?), sondern auch noch schwitzend in Ketten und bei der Satanisten-Folter zu begutachten ist, gibt sein Trademark-Acting (y’know, what I mean!) zum Besten, vermeidet jedoch Übertreibungen.

Na, am Grübchen erkannt?
Ernest Borgnines wird, wie bereits erwähnt, interessant eingeführt, fährt dann jedoch mit jeder fortlaufenden Minute ein Stückchen weiter in Richtung Over-the-Top. Shatners ’Big Bad Mama’ Co-Stars Tom Skerritt (’Alien’) und Joan Prathers scheinen etwas verloren und John Travolta fällt Holterdipolter die Treppe runter, zeigt kurz sein augenloses Antlitz, dient damit als Rückblendenspiegel (’Last Week at ’Witch Burning’!’) und ist dann auch schon wieder weg. Das war der Beginn einer wundervollen Karriere.
Der Score und die Soundeffekte sind zwei der wichtigsten Ingredienzen des Films. Ein Stöhnen, Schluchzen und Jammern begleitet ’Devils Rain’ über weite Teile, begleitet von mysteriösen Klängen und unheilschwangerer Instrumentalmusik.
Das in der Tagline überschwenglich beworbene Finale ist zwar wirklich ein Hinkucker, aber sicherlich nicht die Offenbarung in Sachen Schockerendings. Dank der exzessiven Fixierung auf herrlich matschige Schmelzeffekte kann sich ’Nachts, wenn die Leichen schreien’ auch den Orden ’Erster ’Melt-Movie’ aller Zeiten’ anheften (korrigiert mich, wenn ich falsch liege).

"Meister, ihr mögt widderlich sein, habt aber ein Kinn wie Kirk Douglas!"

Hätte man den schon fast obligatorischen Statans-Kult mit etwas weniger Greifbarem ersetzt und das Ganze mit ein wenig mehr Finesse inszeniert, wär ein erstklassiger Horror-Schocker draus geworden. Möglicherweise sieht das der olle Hudson aber auch nur wieder zu eng. Für Grusel-Liebhaber, Schmelz-Freaks und Shatner-Fans ist der Film ein gefundenes Fressen.


Hudson