Gang Wars

aka

Devil's Express


‘Take the Express train to TERROR!!!’


Originaltitel: Gang Wars (1976) Regie: Barry Rosen
Drehbuch: Barry Rosen, Niki Patton, Pascual Vaquer. CeOtis Robinson & Bobbi Sapperstein Darsteller: Barry Stokes, Sally Faulkner, Glory Annen
FSK: unbekannt


Das kann als Warnung verstanden werden

Es war einmal im alten China, 200 Jahre vor Erfindung der Jesuslatschen: Eine Hand voll braver Mönche bannen einen doofen Dämon mithilfe eines magischen Amulettes, stecken ihn in eine Kiste, schmeißen diese in eine Gletscherspalte und begehen anschließend kollektiven Selbstmord, um das Ganze offiziell zu machen.

Teaching Honkies the Hard Way
Knapp 2000 Jahre später kommen genau an dieser Stelle der Ghetto-Großfürst Luke, seines Zeichen gelernter Martial-Arschtreter, und sein Sidekick Rodan (no relation), ein schmieriger Pusher und Tunichtgut, ins Spiel. Die beiden New Yorker sind auf Besinnungsreise ins Reich der Mauer (nicht Ostdeutschland, immer noch China) und nach ausgiebigem Umhergelatsche und ein paar Trainingsmontagen, “findet“ Rodan das Amulett und nimmt es mit nach Hause.
Was er nicht weiß: Der Dämon aus der Kiste ist ihm und seinem Herrchen auf den Fersen und kidnappt auf dem Boot zurück zum Big Apple den Körper eines Geschäftsmannes, in dem er bald mächtig miese Stimmung unter den Gangs der Großstadt verbreitet und dabei SO aussieht:

Ol' white eyes sings for you: Gimme some sugar(hill)

Ganz Recht, Freunde: Hier wurde, wie schon einst bei Frau Glör, mit weißer Farbe und schwarzen Punkten gearbeitet und zwar direkt auf die Augenlider des armen Darstellers, dessen zielloses, marionettenhaftes Hin- und Her-Gewanke eines der vielen Trash-Highlights des vorliegenden Filmes ist.

“What’s on your mind, man?”
“There’s NOTHING on my mind, sifu. Nothing!”
“Don’t gimme that. You have an attitude!”
“I DON’T have an attitude!”

Wenn Blicke blicken könnten
Willkommen bei ‘Devils Express’ aka ‘Gang Wars‘ aka ‘Phantom of the Subway’, einem güllernden Seventies-Exploitation-Reißer, der konstant Elemente aus diversen Genres aufeinander stapelt und das kontinuierliche Ineinanderfallen selbiger mit gezielter Fahrlässigkeit zelebriert.

Die hanebüchene Story setzt sich fort mit der allmählichen Anhäufung von Leichen, die auf das Konto des mittlerweile in die U-Bahn-Tunnel geflüchteten Schlurfschockers gehen. Wer halt ununterbrochen mit weit aufgerissenen Augen herumläuft, der braucht bald etwas Ruhe für die Netzhaut. Hier unten schlüpft schließlich ein ledriges Mumienwesen aus Haut und Zwirn des Glubschgenossen; eine Szene, die auch schon den FX-technischen Höhepunkt von ‘Devils Express‘ darstellt.

Die Polizei hat von all dem natürlich keinen Schimmer und ist der Meinung, die Opfer seien auf Bandenrivalitäten zurückzuführen. Die Banden ihrerseits gehen davon aus, dass die Bullen wissen, wovon sie reden und rivalisieren jetzt erst recht. Ouroborus nennt man das. Die Schlange, die sich selbst am Schwanze nascht.

Wär das eine Gang bei den Warriors,
hießen sie "The Murky Strollers"
Die den Film bevölkernden Pausenclowns um Hauptdarsteller War Hawk Tanzania (imdb kreditiert ihn als Tsikagi Tanzania aka Tsikagi Iron Priest-Tanzania) zeigen mimische Leistungen am Rande der Zumutbarkeit und zeichnen sich lediglich durch ihre äußere Authentizität aus. Will sagen: Volle Afros, dicke Matten, krumme Bärte, schiefe Visagen, coole Westen, hautenge Luden-Leinen und Dialog-Kompetenzen, die scheinbar dermaßen inadäquat waren, dass bei einigen Konversations-Szenen lieber eine der sülzigen Funk-Tunes drübergelegt wurde, die den Film auch sonst mit querem Gequake begleiten.

Musikalisch wird alles geboten, nur halt keine Qualität: Trainingsmontagen zu dünner Flötenmusik, Street-Swagger zu schrammeliger Wah-Wah-Mucke, der Soul bleibt hohl, der Funk zieht blank.
Der Schnitt ist eine einzige Katastrophe, aber die groben Patzer, die auch gerne mal Dialoge kurz vor Vollendung abwürgen, gehören genau so in die Stimmung eines solchen Grindhouse-Grunzers hinein, wie die schrillen Kung-Fu-Posen des Jive-Talking-Afro-Asskickers Luke.

"Nee du, lass mal!"
"Doch doch, komm! Ich hab Bock!"
"Oach nö, das geht doch wieder daneben!"
"Nein, das klappt schon, glaub mir. Komm tritt zu!"
Die Herren der Schöpfung (eine Dame gibt es nur einmal zu sehen, aber dazu später mehr) sind eigentlich zum Raufen da, doch die immer wieder in die Handlung gesprenkelten Kloppereien sind derartig dilettantisch ins Szene gesetzt, dass der Gebrauch des Wortes “Choreographie“ hier aufs Strengste untersagt ist.

Trotz all der Unzulänglichkeiten, Mängeln und Inkompetenzen, ist ‘Devil’s Express‘ die Art von Schund, die ununterbrochen mit neuem Unsinn überrascht und wahnwitzige Wendungen genau so einbaut, wie krude Gewalt, so dass die Kohärenz-Abstinenz bald zum guten Ton gehört.

Immer wenn man meint, das könne doch jetzt wohl nicht wahr sein, poltert eine weitere nicht-wahr-sein könnende Absurdität auf den Bildschirm. Sei es Brother Theodore (‘Die teuflischen Nachbarn‘) in einem Cameo als manisch labernder Wanderpriester, eine Szene, in der eine Bag-Lady durch die U-Bahn huscht und jeden zweiten Passagier (darunter diverse Gangbanger) dumm anmacht oder eben das irrsinnige (und komplett unterbelichtete) Finale im U-Bahnschacht, in dem Luke sich im güldenen Pimp-Stretcher dem Dämonen und seinen Zaubertricks stellt.

Is' nich drin? Oh doch, is' drin!

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass sich hier afro-amerikanische Gangmitglieder unter Führung eines Latinos mit Rowdies asiatischer Herkunft kloppen, während die zwei weißen Cops Sprüche klopfend durch die Straßen schlendern. Das Minderheiten-Rodeo wird allerdings durch die schmale Frauenquote gedrückt. Eine weibliche Darstellerin ist in gerade mal einer Szene aktiv, nämlich in einer absurd an den Locken herbeigezogenen Romantic-Montage (nicht unähnlich der in ‘Black Belt Jones‘ mit Jim Kelly, nur dass man sich hier auf “Aufstehen, Frühstück beim China-Buffet, Rumlaufen, neuen Snack holen, ins Bett gehen“ beschränkt), die mit einem schnulzigen Song und folgenden Lyrics unterlegt wird:

„And when the tables turn and you’re feeling sad
I’ll be the best refreshment you’ve ever had
I’ll make you glaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaad
That’s why you and I believe in each other”

They obviously believe in each other
Regisseur und Co-Autor Barry Rosen (‘The Yum Yum Girls’) lieferte mit ‘Devil’s Express‘ einen filmischen U-Bahn-Crash, dessen Resultat vor allem für Freunde des inflationär gebrauchten Begriffes Träsch eine helle unterbelichtete Freude sein dürfte.
Das eigentlich hehre Ziel, einen Genre-Mix aus Martial-Arts-Klamotte, Blaxploitation-Gang-Reißer und Haschmich-Monster-Terror, gewürzt mit einer Prise Buddy-Cop-Sperenzchen zu fabrizieren, wird hier ununterbrochen von der amateurhaften Inszenierung torpediert.
Quasi, als würde man ‘Game of Death‘, ‘Die Warriors‘ und ‘Tunnel der Lebenden Leichen‘ mit ‘Cagney & Lacey‘ mischen, aber vergessen, den üblicherweise zur Verfügung stehenden Profis Bescheid zu sagen und stattdessen ein paar herumhängenden Geigen die Chance zu geben, sich vor und hinter der Kamera zu beweisen. Das Ergebnis ist so unterhaltsam, wie es… Na gut: Es ist weniger unterhaltsam, als es dilettantisch ist, aber wenn man die Flausen-Faust erst einmal durch die Fassade des schnell heruntergekurbelten Ramba-Zambas hindurchgedroschen hat, kann man einen interessanten Blick auf eine kuriose Subkultur erhaschen, deren Existenz nach bloßen Erzählungen wahrscheinlich kein Mensch für bare Münze nehmen würde.

Das kann als Fazit verstanden werden.


Hudson