The Descent


"Afraid of the dark? You will be."


Originaltitel: The Descent Regie und Drehbuch: Neil Marshall
Darsteller: MyAnna Buring, Craig Conway, Natalie Jackson Mendoza FSK: 16


Sechs abenteuerlich veranlagte Damen treffen sich, wie jedes Jahr, um einen Ausflug in die Berge zu unternehmen. Unter der Führung der erprobten Bergsteigerin Juno und Sarah, die im Jahr zuvor einen herben Schicksalsschlag erlittt (fies!), begeben sie sich auf eine Klettertour, in die Höhlen tief unter den Appalachen.
Es kommt, wie es kommen muss: Ein ’Gang’ der Höhle stürzt ein und die Sechs können nicht mehr auf gleichem Wege zurück. 200 Meter unter der Erde, abgeschnitten von der Aussenwelt und ohne Karte, beginnen sie die Suche nach einem zweiten Ausgang aus dem riesigen Höhlensystem.
Was sie allerdings finden, ist das pure Grauen. Denn sie sind nicht allein dort unten.
Eine uralte Spezies bisher unentdeckter Höhlenmenschen wetzt schon die Klauen und hat die Witterung aufgenommen.

Wow, ich glaubte immer, Nerven wie Drahtseile zu haben, aber ’The Descent’ verfügt über die richtigen Werkzeuge, die Dinger gnadenlos durchzuschnibbeln.
Es ist lange, lange, lange her, dass ich mit so wirkvollen ’Jump-Scares’ und Schockmomenten konfrontiert wurde und mir selbst ein, zwei mal ein kurzes ’Huahah!’ aus der sonst so großen Klappe entwich. Ohne Frage: Der Film rockt und schockt, wo es nur geht.

Die Stimmung ist ausgelassen...
Regissuer Neil Marshall hat mit seinem zweiten Werk einen mehr als würdigen Nachfolger zum ’02er Überraschungshit ’Dog Soldiers’ geschaffen. ’The Descent’ entbehrt allerdings jeglichen Humor des Werwolfschockers und ist thematisch dicht neben ernsten Vertetern des Genres (z.B. ’Alien’, ’Blutgericht in Texas’) angesiedelt. Hier wird wirklich jedem Kasperkopp das Lachen vergehen.
Die Filmmusik ist aussen hui und innen ’Huibuh’. Will heißen, in den ’Outdoor-Szenen’ haben wir es mit schönen, fast abenteuerlich spannenden Themen zu tun, während sich der Score in der Höhle erst minimalistisch gibt (sich damit aber hervorragend dem Geschehen anpasst) dann aber nervenzerfetzend über den Zuschauer herfällt.
Der Film bietet eine wahrlich nervenaufreibend dichte Atmosphäre: Enge, verschachtelte Höhlengänge, manchmal zu schmal um durchzukommen, manchmal so groß, um ans andere Ende sehen zu können. Es tropft und scharrt in allen Ecken. Und als es soweit ist, nehmen Isolation, Panik und der pure Überlebenswille das Ruder in die Hand.

...doch es kommt schlimm...
Die Darstellerinnen wissen in ihren Rollen zu überzeugen und sind durch die Bank weg (hierzulande) unbekannt. Es sind echte Menschen, die hier dargestellt werden. Da gibt’s keine Ripley, von der wir wissen, dass sie für den nächsten Teil überleben muss. Hier ist jeder in Gefahr und überleben kann nur, wer sich der Situation anpasst. (Und selbstverständlich haben die Damen inmitten des Grauens auch noch das eine oder andere Zwischenmenschliche zu kären.)
Die Beleuchtung die Marshall für bestimmte Szenen/Gruppen einsetzt ist genial. Aufgrund unterschiedlicher Farbgebung (grün bei DigiCam, rote Flares etc.) weiss der Zuschauer immer, bei welchem Charakter er gerade ist und das Licht wird zum wichtigen Faktor in der Rechnung des Grauens.
Bevor man den ersten Crawler zu Gesicht bekommt (Nosferatu meets ’Leopardgollum’), vergeht seine Zeit. Es gibt Andeutungen, Schatten (kann man ein witziges Spielchen draus machen: Wo zuerst?) etc. etc. Der erste richtige Kontakt zwischen Mensch und Monster, kommt so fies und unerwartet daher, dass einem die Haare zu Berge stehen.
Doch nicht nur diese ’Buh-Effekte’ drücken dem Film ihren einmaligen Stempel auf, sondern eben auch der pure Terror, gemischt mit einer ordentlichen Portion Blutwurst und der bitteren Auswegslosigkeit. Die Effekte sind herrvorragend und der rote ’Innereien-Anteil’ wird auch den ewig bellenden Gorehounds eine Freude sein.

...sehr schlimm!

An die Herren der Schöpfung, mein Tipp: Der Film hat auf Frauen die gleiche Wirkung wie ein Berg und Talbahn; Er presst sie unweigerlich an euch ran. So schnell seid ihr garantiert noch nie zu Körperkontakt gekommen. Aber Vorsicht: Für Herzkranke, Muttis und Bratzen ist der Film überhaupt nicht geeignet. (Aufgrund der fiesen Gewaltszenen bekommt er auf Garantie ein ’Ab 18’ verpasst, was mehr als fair ist.)
Egal ob mit oder ohne Begleitung; ’The Descent’ ist ein atmosphärischer Terrorhammer, der eure Nerven unablässig als einen Amboss missbrauchen wird. Shock ’n Roll, Baby!

Hudson