Der Todesmutige


‘Stripped, turned loose like a wild beast ... a manhunt of indescribable terror and screaming suspense!’


Originaltitel: The Naked Prey (1966) Regie: Cornel Wilde
Drehbuch: Clint Johnston & Don Peters
Darsteller: Cornel Wilde, Ken Gampu, Gert Van den Bergh FSK: 18


"Jetzt gib ihm schon den Hut..."
Afrika zur Kolonialzeit: Der weiße Safari-Führer (sein Name wird nie genannt) hat beschlossen, eine letzte Jagdreise anzuführen, bevor er sich auf seine Farm zurückzieht. Als der Treck im Busch auf den einheimischen Stamm trifft, verweigert der arrogante Auftraggeber der Safari die üblichen Gastgeschenke. Ganz böser Fehler! Die erzürnten Eingeborenen warten, bis die Bwanas nach erfolgreicher Jagd im Lager zur Ruhe kommen und schlagen erbarmungslos zu. Die Träger und Helfer werden aufs Grausamste gequält und zu Tode geprügelt, der hochmütige Auftraggeber wird gedemütigt und schließlich von einer Kobra getötet, nur der kräftige, zähe Führer wird verschont, um den zehn fähigsten Kriegern des Stammes als Trainingseinheit zu dienen. Bis auf den blanken Hintern entkleidet und mit einem Speerwurf Vorsprung schicken die Eingeborenen den Mann in die Wildnis. Er wird zur nackten Beute in einer Jagd auf Leben und Tod…

"Neiiiin! Das ist mein Hut!"
"Cornel Wilde as Man in The Naked Prey" steht als allererstes in den Credits zu ’Der Todesmutige’ und schon sind wir beim sprichwörtlichen Elefanten im Raum. The Man ist weiß, entstammt (trotz Ortskenntnis) ursprünglich einer fernen Zivilisation und obsiegt dennoch über die wilden, schwarzen Eingeborenen, die auf der Jagd durch ihren eigenen Turf einer nach dem anderen von Man und Wildnis dezimiert werden. Der Film wurde in Südafrika gedreht. Ich weiß, ich weiß…
Da ich aber nicht der größte Freund von politisch motivierten Subtext- und Suggestions-Analysen bin, lassen wir dieses ganze Thema doch bitte einfach außen vor und konzentrieren uns darauf, dass es sich bei ’The Naked Prey’ um einen spekulativen Abenteuer-Streifen handelt, in dem es sowohl drunter als auch drüber um Folgendes geht: Um das nackte Überleben.
Die Geschichte von ’The Naked Prey’ basiert auf den wahren Begebenheiten um den amerikanischen Trapper John Colter, der 1809 von Indianern durch ganz Wyoming gehetzt wurde. Cornel Wilde, Regisseur und Hauptdarsteller des Films, verlegte die Handlung aus Budgetgründen nach Afrika und war während der Dreharbeiten krank, was seine Darstellung als Gehetzter umso authentischer wirken lässt. Sein Protagonist ist eine sympathische Kämpfernatur.

"Männer, Vergesst Cornel Wilde!
Ich hab Bambi gefunden."
Ehrlich, rechtschaffen und dennoch Wildführer für ignorante Großwildjäger, die zum Spaß Tiere töten ("Ich hab eben ein paar aus Lust am Sport erlegt.") und die örtlichen Gepflogenheiten mit den Füßen treten. Sein Ausweg aus diesem Kreislauf ist die klassische ’One last job’-Nummer, die in Filmen immer nach hinten losgeht.
Seine Verfolger um den afrikanischen Darsteller Ken Gampu (’Die Götter müssen verrückt sein’) werden zunächst als rachsüchtige Wilde gezeigt, doch zeichnet sich bald eine Wandlung zu respektvollen Kriegern ab, was dann dem Finale der Hetzjagd eine amüsante Pointe beschert.
Für ihr Drehbuch erhielten die Autoren Clint Johnston und John Peters eine Oscar-Nominierung. Dabei fasziniert zunächst die Struktur des Films selbst. ’Der Todesmutige’ ist eben keines jener Werke, die sich viel Zeit für eine etwaige Einführung nehmen. Hier wird die Jagd nach ca. zehnminütigem Prolog tatsächlich zum Hauptanliegen. Keine Ausreden, kein Drumherum: 80 Minuten atemlose Verfolgungen durch Steppe und Busch, durchzogen von einigen Pausen, in denen der Protagonist und seine Verfolger ihre Umgebung studieren können.
Trotz großer Bilder und hetzender Spannung ist der Film in vielerlei Hinsicht beinahe minimalistisch inszeniert. Auf Dialoge und musikalische Untermalung wird fast komplett verzichtet. Akustisch vorherrschend sind hier die Laute der Wildnis, animalische Hintergrundgeräusche und hin und wieder Trommeln und Stammesgesänge.
Zwischendurch schneidet Wilde immer wieder Naturaufnahmen ins Geschehen, die das Fressen und Gefressen werden in der freien Wildbahn Afrikas dokumentieren. Schlangen, Insekten, Raubtiere, alles was im Busch kräucht und fläucht kreuzt irgendwann den Weg des Mannes, der sich den harschen Bedingungen anpassen muss, um zu Überleben. Wilde muss selbst zum Wilden werden (no pun intended), ohne dabei seine Menschenwürde zu verlieren.

Um den Busch zu überleben, muss man zum Busch werden.

Bei ’The Naked Prey’ kommt eine derartig authentische Stimmung auf, dass die eventuell fragliche Glaubwürdigkeit der Geschehnisse bald nicht mehr ins Gewicht fällt. Die Darstellung der afrikanischen Wildnis, gepaart mit spannender Erzählweise und überzeugender Leistung des Hauptdarstellers haben Abenteuer- und Survival-Fans ganz schnell beim Schlafittchen gepackt und lassen sie bis zum ironischen Ende nicht mehr los. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und schwenke für ’The Naked Prey’ die Klassikerfahne. Für den abenteuerlichen Survival-Thriller stellt der Film meines bescheidenen Erachtens nach so etwas wie eine Referenz dar. Wer auch nur annähernd etwas mit diesem Thema im Sinn hat, sollte den Todesmutigen auf dieser Hetzjagd begleiten.


Hudson