Der Söldner


‘Code Name: The Soldier - You don't assign him.
You unleash him.’


Originaltitel: The Soldier (1982) Regie & Drehbuch: James Glickenhaus
Darsteller: Ken Wahl, Alberta Watson, Jeremiah Sullivan FSK: ungeprüft


Das andere ‘Söldnerkommando

Kalter Krieg meets warme Ohren.

Es war einmal vor langer Zeit im Reich der Legenden, da wurden die wackeligen bilateralen Beziehungen immer wieder von ziemlich cleveren Agenten der einen Seite gestört. Da diese Seite jedoch nicht für die Produktion des vorliegenden Filmes verantwortlich war, nannte man sie hier Terroristen und machte auch gleich in der ersten Szene klar, dass denen nicht zu trauen sei. Schließlich fahren sie ihre Schrotflinten in Kinderwagen spazieren.

Sehr subtil, Herr Terrorist.
Zum Glück haben die Guten ein Sondereinsatzkommando für solche Fälle: Die sogenannte ‘Soldier Force‘ unter Anführung des Super-Knallers ‘Soldier‘. Ja, hier hält man‘s simpel.
Für moralische Grauzonen gab es in den frühen Achtzigern keinen Platz. Schon gar nicht im Kino.

Als die Bösen den Guten bzw. deren nicht ganz so guten, aber immer noch ziemlich guten (denn wer kann schon so gut wie die Guten sein?) Verbündeten ein C-Rohr voll mit Plutonium aus dem Schlepper prökeln und dabei die zwei Polentewagen – die bekannterweise so einen Kastortransport beschützen – in die Luft jagen ist deren Agenda selbst den einfachsten Gemütern bald klar: Sie planen, die Ölvorkommen der Guten / ihrer nicht ganz so guten Verbündeten in die Luft zu jagen, um sich selbst einen Vorteil im Frittiergeschäft zu sichern. Sneaky Bastards.

Ken Wahl vor der Wurmkur
Bis dahin bin ich auch der letzte, der sich mokieren würde. Ich habe kein Problem mit einer reaktionären Schwarz/Weiß-Wurst im Gewand des versucht cleveren Spionage-Brötchens.
Was ich aber nicht verknusen kann, ist ellenlanges Rumgerödel politischer Art ohne jeglichen personellen Fixpunkt. Hier haut ‘Der Söldner‘ nach dem Auftakt in die völlig falsche Kerbe. Bis zur 30 Minuten-Marke wird gelabert und gelungert, abgewägt und abgeblendet zur nächsten Briefing-Szene, die den Plot nicht voranbringt.

Regisseur James Glickenhaus (der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete) versuchte, einen intelligenten Spionage-Streifen zu zimmern, abseits von tumbem Rumgeböller, welches der Titel eigentlich erwarten lässt, dummerweise lässt die politisch infantile Schwarz/weiß-Ideologie hinter dem Streifen genau so wenig ohne “dumm“ buchstabieren, wie dummerweise selbst. ’scuse the pun.

James & Hooten - Zwei vonne Guten
Bewies Glickenhaus schon beim ’Exterminator’ kein sonderlich gutes Händchen bei der Besetzung der titelgebenden Rachewurst (the ever boring Robert Ginty - ugh), so setzt er mit dem Casting von Mimik-Mickerling Ken Wahl noch einen drauf… äh drunter. Der Typ hat gerade mal zwei Gesichtsausdrücke und keiner von beiden hat jenseits einer Seifenoper etwas zu suchen. Sogar Thomas Danneberg klingt bei Wahls Synchro gelangweilt.
Zum Glück taucht irgendwann Glickenhaus Spezi Steve James (’Ghettobuster’) im Ninja-Anzuch auf, gehört aber zu den Guten, was er kurz darauf in einer zünftigen Kneipenschlägerei beweisen kann. Bezeichnenderweise sind die Szenen mit den ’Soldier Force’-Teamgenossen James, Peter Hooten (’Orca’) und dem sehr jungen und hier komplett verschwiegenem Joachim de Almeida (’Desperado’) dann auch die personell unterhaltsamsten. Actors be acting. Ken Wahl be rhyming with geschmacksneutral.

ER HAT EINE SKIBRILLE GENOMMEN
UND SIE IHM AUF DIE RÜBE GEPACKT!
DAS HAT ER GEMACHT, DU DUMME SAU!
Als besetzungtechnische Randnotiz sehen sie Klaus Kinski in einem erweiterten Cameo in Ski-Montur. Der hatte das Drehteam wohl zu seinem Winterurlaubsort zitiert, wenn sie schon mit seiner Anwesenheit beglückt werden wollten. Das nutzte man dann allerdings gleich für eine der besten Stuntszenen des Films, der voll mit wirklich tollem Action-Geschrammel ist.
Jene Stunts und die durchaus blutigen Effekte sind neben dem Tangerine Dream Score die Highlights von ’Der Söldner’, der die Locations öfter wechselt, als James Bond die Büchsen.

Wer aus diesen Bereichen seine Freude zieht, der dürfte hier richtiger liegen als ich. Hin und wieder purzeln sogar ein paar flausige Szenen durchs Bild. Eine der besten Momente mit Wahl ist dessen Fake-Exekution, in der wir ihn mit der Gummi-Stirn von Frankensteins Monster und einer Muppet-Perücke verkleidet am Pranger stehen sehen. Und wenn zum Schluss – ein abprubtes “Ach das war’s jetzt?!“-Ende, das die ganze komplizierte Expositions-Chose zu Beginn erst recht ad absurdum führt – der Klassenfeind mit dem Porsche über die Mauer stuntet, wird er von der staunenden NVA empfangen. Naja, immer noch glaubwürdiger als die Love-Story um Wahls Söldner und einer furchtbar frisierten Mossad-Tussi.

Von wegen Hasselhoff. Ken Wahl war's.

„Ich frage mich immer noch, warum du so sicher warst.“
„Sicherheit ist das einzige, was überzeugend ist.“
„Dagegen lässt sich nichts sagen.“

Ja, weil man auf eine solch hohle Floskel kaum eine passende Antwort finden kann.
Nicht engagiert und clever genug, um wirklich mit fiebernder Sesselkralle am Ball zu bleiben. Zu zäh und nicht reißerisch genug, um auch nur über seine schlappen 80 Minuten hinwegzufetzen. Das klingt recht dünn und ja, es lässt einfach zu großen Teilen das wichtige Wörtchen “Fun“ vermissen, aber Cold Warriors mit dem Motto “Söldnern war ihr täglich Joghurt“ auf der Mütze, haben vielleicht Spaß an ein paar der brachialen Packungsbeilagen. Is gegönnt.


Hudson