Der Gelbe Gorilla



Originaltitel: Da mo tie zhi gong (1977)
Regie: James Nam Drehbuch: Joseph Velasco
Darsteller: Bruce Le, Chang Lee, Bolo Yeung FSK: 18


Nur damit ihr Bescheid wisst!

Anno 1940. Es ist soweit, Japan hat China besetzt und alle Kung Fu-Schulen, die aufmüpfige junge Männer beherbergen, sollen geschlossen. Um dies zu erreichen schickt die japanische Regierung nicht etwa Panzer und Truppen, sondern Karate-Kämpfer, die ihren Auftrag bald mit aller Härte ausführen. Nicht mit mir, sagt sich der junge Kung Fu-Meister Ching Lin. Als dessen Bruder von den einfallenden Karate-Horden getötet wird, startet er einen Rachefeldzug der harten Tritte und groben Kellen. Die Japaner reagieren mit noch größerer Härte, fackeln alle Kung Fu-Schulen nieder und ermorden mit Hilfe eines grobschlächtigen Superfighters (Bolo Yeung) Chings Meister. Jedoch nicht, bevor dieser seinen Schüler nach Korea schicken kann, wo er von Tae Kwon Do-Meister Po das ganz gewaltige Ärschetreten gelehrt bekommt. Doch auch hierhin verfolgen ihn die Schergen der japanischen Regierung und Ching erfährt einen weiteren schweren Schicksalsschlag. Es wird höchste Zeit, dass er das Gelernte anwendet und seinen Gegnern zeigt, was echtes Kung Fu kann…

Ja, JETZT geht's los!

“Wie stark sind unsere hier stationierten Streitkräfte im Moment?“
“Es sind jetzt 275000 Mann.“
“Und wie viele davon sind Karate- und Kendo-Meister?“
“Das kann ich leider nicht genau sagen. Ich schätze aber es sind mindestens 2700.“
“Und wie viele von ihnen mit schwarzem Gürtel?“
“Öh…hm. Uff… [schlägt kleines Notibuch auf] Das sind genau 250.“
“Suchen sie aus diesen 250 die 50 besten raus.“
“Jawohl, die 50 besten.“
“Und aus diesen 50 werden sie dann wiederum die fünf besten heraussuchen!“

Bolo! Bolo! Bolo!

Japan gegen China. Karate gegen Kung Fu. Bolo Yeung gegen Bruce Le.
Schon in den ersten Dialogen bekommen wir geballten Martial Arts-Rassismus auf die Ohren, als die japanischen Besatzer sicher sind:
“Es wäre natürlich leichtsinnig von uns, wenn wir das Kung Fu unterschätzen würden. Aber trotzdem weiß jeder von uns hier, Karate ist Kung Fu überlegen.“
Aber schon damals auf der Grundschule wussten wir: Karate war doll, aber Kung Fu war immer doller. Ich meine, wenn die Japaner jetzt mit Ninjas gekommen wären, klar, dann hätte ich auch den heißesten Kung Fuzzis kaum Chancen eingeräumt. Aber popelige Karatekas?

Hier übrigens die Bösen!

Nein, Bruce Lee’s Namensfettel Bruce Le (’Die Rache der Todeskralle’) hat es schon mit mehr als solchen zu tun. Da sind neben einem Schwertmeister auch Hakenhand-Fighter, ein Spezialist mit Adolf-Schnäuzer und natürlich der (deutsche) Titelgeber Bolo Yeung, dessen ’Gorilla Fu’ die Zuschauer jedoch eher zum Lachen bringen dürfte. Insgesamt sind die Kampfszenen nicht allzu spektakulär choreographiert, aber durchweg abwechslungsreich und mit den typischen Stilmitteln des Martial Arts-Kinos der 70er Jahre (Speed-Zooms, Slow Motion-Fu, Kampf-Gekeuch und Mucke zum Mitwippen) in Szene gesetzt.
Die Anfeindungen zwischen Japan und China haben natürlich eine lange Tradition, die Art und Weise, wie die Japaner hier allerdings dargestellt werden (mal abgesehen davon, dass es durchweg chinesische Darsteller sind) hat schon beinahe parodistische Züge.
Meine Lieblingsszene: Wieder einmal versagt einer der Schüler des japanischen Meisters im Kampf gegen Ching Ling und kehrt in seine Schule zurück. Enttäuscht und erzürnt lässt der Meister alle Schüler in Reih und Glied antanzen und hetzt sie mit “Anfallen!“-Gebrüll auf den ohnehin schon zerschundenen Versager.

Und hier die ganz Bösen!

Fazit: Durch und durch unterhaltsamer Martial Arts-Reißer, mit allem Drum und Dran und einem Finale, das sich gewaschen hat. Es mag nicht Bruce Lee sein, aber es funtioniert auf seine Art ganz gut.


Hudson