Der Commander



Originaltitel: Commander, Der (1988)
Regie: Antonio Margheriti Drehbuch: Tito Carpi & Arne Elsholtz
Darsteller: Lewis Collins, Lee Van Cleef, Manfred Lehmann FSK: 16


’Der Commander’, was’n Titel, was’ne Cast!

Lee van Cleef, Donald Pleasence, Manfred Lehmann, John Steiner, Thomas Danneberg, Lewis Collins, Romano Puppo und Christian Brückner labern, kriechen, ballern, rennen und kämpfen sich durch das wilde Indonesien, aber erst nachdem sie Berlin (Potsdamer Arkaden, Europa Center, Straße des 17. Juni & diverse Bürogebäude) und irgendwelche mediterranen Sommer-Balkons unsicher gemacht haben.
Da liegt auch schon der erste Hund begraben: Hier wird zu viel Vorgeplänkel veranstaltet. Das ist zwar nett gemeint und auch mal eine Abwechslung im ’Söldner-mischen-Dschungel-auf’-Subgenre, doch verheddert Regisseur Antonio Margheriti (’Jäger der Apokalypse’) den Spannungsfaden hier gewaltig.

Commander Collins in altbewährter Pose

Aber erst einmal ans Eingemachte:
Der zwielichtige Waffenhändler Colonel Mazzarini (Lee van Cleef, ’Die Klapperschlange’) hat Probleme mit dem Nachfolger eines ehemaligen Geschäftspartners. Dieser Knilch mit dem schönen Titel General Dong, hauptberuflich Opium-Lagerist, verlangt einfach höhere Preise. Mazzarini schickt eine Truppe gut ausgebildeter Söldner auf Dongs Spur, unter dem Vorwand, sein Opiumlager in die Luft zu sprengen. Dong ist auch im Besitz einer CD (im Film komischerweise Floppy Disk genannt), deren Inhalt für die C.I.A. von großem Nutzen ist. Ein amerikanischer Spion wird also ebenfalls auf den Drogenbaron angesetzt und schließt sich der Söldnertruppe an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gefahren des Dschungels, Verrat, Gier und Misstrauen die Reihen der Männer verdünnen…

Trotz etwas zähem, überlangem Vorspiel und dem Einsatz von Explosions-Stock-Footage aus dem thematisch mehr als ähnlichen ’Kommando: Wildgänse’ (1984, ebenfalls von Margheriti und mit der Hälfte der hier agierenden Belegschaft), geht ’Der Commander’ immer noch als unterhaltsamer Söldner-Actioner der B-Klasse durch.

Nein, es ist nicht Kinski.
Das liegt natürlich vor allem an der beeindruckenden Besetzung, die erneut aus aller Herren Länder zusammengetrommelt wurde. Donald Pleasence spielt einen amerikanischen Geheimdienstler und im Gegensatz zu den meisten seiner Rollen in italienischem Genre-Käse, scheint hier wieder etwas charmante Spitzbübigkeit durch. Lee van Cleef (in einem seiner letzten Auftritte vor der Kamera) ist als hinterlistiger Marionettenspieler reichlich fies, ähnlich John Steiner (’Flashfighter’), der hier eine gemäßigte Version seiner bekannten Schmierlappen-Figuren gibt. Für Freunde deutschen Synchronhandwerks ist ’Der Commander’ (ähnlich wie ’Kommando: Leopard’) wieder ein besonderes Fest. Hier tümmeln sich unsere Lieblingsquasselstrippen, von Thomas Danneberg (als verschwitzer Söldner), über Christian Brückner (als zwielichtiger Unterhändler) bis hin zu Frank Glaubrecht. Schwächstes Glied in der Kette ist ausgerechnet Hauptdarsteller Lewis Collins, der so blaß bleibt wie ein feuchtes Handtuch und deren einziges Plus ausgrechnet die Stimme von Thomas Danneberg ist. Ja, hier wurde die Vertonungs-Maßnahme von ’Kommando Leopard’ übernommen:

"Wenn ich's nicht schaffe,
kriegst du mein Netzhemd!"
"Äh... Du schaffst es schon!"
Danneberg spricht Collins und Synchron-Legende Rainer Brandt leiht seinem Kollegen Danneberg die Stimme. Zu erklären ist das womöglich mit der Popularität von Dannebergs Organ (das ja sonst aus den Mündern von Schwarzenegger, Stallone, Hill, Quaid, Nolte, Travolta und hastenichjesehn ertönt), das einfach dem obersten Käse verpasst werden muss und nicht einer Nebenrolle, selbst wenn die der Sprecher selbst verkörpert. Verwirrend? Allerdings. Zumal ich nicht nachvollziehen kann, was Collins in der Hauptrolle zu suchen hat. Die hätten sie gleich Danneberg geben können, der hinterlässt hier sowieso den besseren Eindruck.
Mein persönliches Highlight im Film: Manfred Lehmann. Der wird zu Beginn des Films für den Einsatz bereit gemacht und dabei mit Alpecin eingerieben, während er mit der Friseurin flirtet (“Du hast’n Knutschfleck auf dem Schenkel.“). Später ist er Undercover unterwegs und zwar mit dem hässlichsten Shirt, das die Garderobe finden konnte (sehr subtil). Ganz am Ende dreht er richtig auf, stürmt mit Rambo-Pose und mit Gebrüll ins Gefecht, während Collins ihm den Rücken mit dem Flammenwerfer deckt (Flammenwerfer dürfen bei Margheritis Knallern nie fehlen!)
Ebenfalls erwähnenswert: Bobby Rhodes (’Herkules’) ’Kongo Klaus’ (ähem) und Romano Puppo (’Sinbad - Herr der Sieben Meere’) als graumelierter Squad-Grummel.
Die wirklich sehenswerte Cast ergänzt man schließlich mit den obligatorischen Genre-Klischees, wie pyrotechnische Sehenswürdigkeiten, die gute alte Flußfahrt, suizid-heroische Abgänge und warum nicht auch eine Schlammcatch-Nummer. Und ein paar Sprüche dürften auch nicht schaden: “Du widerlicher Zombie, verzieh dich, bevor ich dich ankotze!“

Die Kelly Family unter den Söldnern

Wer also an Dschungel-Ramba Zamba interessiert ist, bei ’Kommando Wildgänse’ nicht richtig aufgepasst hat und immer schon ein Wochenend-Treffen der Synchronsprecher-Stammtischrunde vor schwitziger Kulisse begutachten wollte, der bekommt die Chance mit dem ’Commander’... noch einmal.


Hudson