Le deportate della sezione speciale SS


‘Each Day Is A Living Hell For These Helpless Captives!’


Originaltitel: Le deportate della sezione speciale SS (1976)
Regie: Rino Di Silvestro Drehbuch: Rino Di Silvestro & Larry Dolgin
Darsteller: John Steiner, Lina Polito, Stefania D'Amario FSK: unbekannt


Allein der Titel dieses Films klingt so obskur und irgendwie anstößig, dass er die gewöhnlichen Betrachter entweder sofort vergrault oder eben das Interesse der Kult und B-Freunde weckt. Letzteres war natürlich bei mir der Fall, weshalb ihr heute in den Genuss kommt, über 'Deported Women of the SS Special Section' zu lesen. Der Titel lässt nicht viele Fragen über das Genre dieses Films offen - natürlich handelt es sich um Naziploitation mit einem Hauch von Frauengefängnis. Und ich kann direkt sagen, dass der Film weder an die schockierend-bitteren Perlen dieses (Sub-)Genres, noch an die ulkig-trashigen Kandidaten wirklich herankommt, allerdings sein Bestes gibt, um eine Art Zwischending darzustellen.

Wicked Wardens

Der Film beginnt (was sich bei der dunkel-verschwommenen Bildqualität der US-DVD allerdings nur erahnen lässt) mit einem Gefangenentransport. Hier wird mittels Zug eine Gruppe von Frauen in ein Straflager der Nazis gebracht, in dem sie dann entweder als Arbeiterinnen, Freudenmädchen oder medizinische Test-Objekte benutzt werden sollen. Nach einer rüden Begrüßung beginnt für die Frauen der Camp-Alltag in genannten Kategorien - begleitet natürlich von den Schikanen der meist lesbischen Wärterinnen und des Kommandanten des Lagers, Herr Erner (John Steiner!). Erner hat vor allem an einer Gefangenen, der jungen Tania (Lina Polito), großes Interesse, da diese vor Ausbruch des Krieges seine Geliebte war und ihn damals für einen anderen Mann abserviert hat. Tania ist natürlich trotz Liebeserklärungen wenig begeistert von ihrer Situation im Lager, so dass Erner beim Versuch, sie für sich zu gewinnen, beinahe wahnsinnig wird. Tania und die anderen Mädchen haben allerdings andere Pläne...

Die Kernstory des Films - abgesehen vom Leben im Nazi-Camp - ist die "Liebesgeschichte" zwischen Erner und Tania, die zwar erst nach einiger Zeit anfängt, aber ein umso böseres Ende nimmt. Dennoch nimmt sich der Film viel Zeit für die anderen Figuren, welche dann nicht immer übermäßig interessant sind. Gerade zu Beginn wirkt der Film ziemlich langsam und man hat das Gefühl, 15 Minuten weniger hätten es auch getan. Trotzdem kommt man nach einer Weile gut rein, so dass der Alltag im Lager bald authentisch wirkt. Das ist es nämlich, worum es außerhalb des Love-Plots geht - einen Einblick ins Leben der Gefangenen zu bekommen. Und man muss zugeben, 'Deported Women of the SS Special Section' macht da gar keinen schlechten Job.

Bad Blocks
Die exploitativen Elemente muss es natürlich auch geben - keine Bange, der Sleaze kommt nicht zu kurz - allerdings machen diese in reisserischeren Filmen wie 'SS Experiment Love Camp' natürlich mehr Spaß. Nackte Brüste, Büsche, Duschszenen, lesbische Liebesspiele, Cat Fights ("You Schweindog!") und Folter sind hier Standard. Highlights im Bereich Sex und Gewalt sind einige Szenen, in denen die Gefangenen zum öffentlichen Verkehr auf dem Hof gezwungen werden, die Untersuchungen beim Nazi-Doc, eine unangenehm lange Rasur-Sequenz (bei der sowohl Scharm- als auch Kopfbehaarung entfernt werden), eine Prise Kopf einschlagen, eine recht fiese Wunde und einige besonders sleazige Szenen mit John Steiner. Wenn er beispielsweise versucht, seine Ex-Freundin dadurch zu beeindrucken, dass er sich beim Dinner von seinen beiden Nazi-Guard Frauen oral befriedigen lässt, ist das schon absurd-unterhaltsam. Auch die Beziehung zwischen Herr Erner und seinem Henchman Dobermann ist interessant. Wenn Erner in der Frauenwelt sexuelle Frustration erfährt, wendet er sich nämlich an selbigen, der ihm dann nach einer ausgiebigen Brust-und Bein Massage ("Massage my leg like a good doggy!") auch schon mal als 'Notloch' herhalten muss. Diese Szene gestaltet die Steiner-Figur um einiges tiefer, und ist definitiv etwas, das man nicht in jedem Streifen dieser Art findet (ob man das möchte, steht auf einem anderen Blatt!). Die bemerkenswerteste Szene in Sachen Sleaze ist allerdings die, in der sich Tania im letzten Akt an Herr Erner rächt - die ist allerdings so gemein, dass ich vermutlich besser daran tue, sie nicht wiederzugeben.

Was die Darsteller angeht, muss man nicht lange fackeln. John 'Jaffar' Steiner ist ein Meister des Over-Actings und auch als liebestoller SS Kommandant ist es ein Vergnügen, ihm zuzusehen. Er ist wie immer völlig von der Kette und kostet jede Szene aus. Auch Ciorgio Cerinio (in dessen Vita übrigens erstaunlich viele Nazi Flicks auftauchen!) als SS-Arzt mit Gewissensbissen und Guido Leotini als der eingeschüchterte Zuchtbulle Dobermann (der auch so aussieht, wie er heißt), machen ihre Sache gut. Lustig wird es erst, wenn die eindeutig NICHT deutschen Cast-Mitglieder versuchen, auf deutsch rumzubrüllen ("Up your feet, schnell!"; "Halt! Halt!"; "Schnell auf den Beinen!" - es werden alle Register gezogen).

Silly Steiner

Fazit: 'Deported Women of the SS Special Section' ist ein Film, der sich mehr Zeit für Figuren und Story nimmt, als manche seiner Genre-Genossen, allerdings auch nicht auf der ganzen Linie überzeugt. Zwar ist die Inszenierung wirklich gelungen und auch Sets und Schauspieler wirken professionell, teilweise wirkt der Film trotzdem ein wenig zu langsam in seiner Gangart und kann Genre-Klassikern wie 'Ilsa - She Wolf of the SS' nicht das Wasser reichen. Das mag zum Teil daran liegen, dass die Szenen im Lager an sich (deprimierend) nicht ganz mit den Szenen mit John Steiner und Tania (unterhaltsam) harmonieren. Wer diese Art von Filmen mag und die deportierten Frauen tatsächlich mal in die Hände bekommt, könnte allerdings Gefallen daran finden.


(Sleazy) Spooner