Defender 2000


‘The Final War Is Over. The Battle's Just Begun.’


Originaltitel: Equalizer 2000 (1986)
Regie: Cirio H. Santiago Drehbuch: Frederick Bailey
Darsteller: Richard Norton, Robert Patrick, Corinne Wahl FSK: 18


Neulich im Steinbruch.

Nord Alaska, 100 Jahre nach dem nuklearen Winter. Der radioaktive Müll, der die Erde in ein verseuchtes Höllenloch verwandelte wurde laut des obligatorischen Vorspann-Gezwitschers über die Jahre von der brennenden Sonne entsorgt (say what? Sind wir immer noch in Alaska?) und alles was bleibt, ist verbrannte Erde in Form einer Wüste mit praktischen Steinbruchauslegern.
Praktisch, weil es genau das ist, was jeder zünftige Philippino-Endzeitkracher braucht: Sonne, eine Kiesgrube, eine Armada schwitzender in Leder geschlagener Männer mit tösenden Baller-Atrappen und eine Wagenladung voll Pyrotechnik.
Drum herum sponn Autor Fred Bailey (’Silk’) ein Tohuwabohu aus altbekannten Versatzstücken der Schablonenklasse. Stichpunkte genügen hier: Letzte Ölreserven - eine handvoll Parteien (u. a. eine fiese Militärdiktatur & eine verzweifelte Rebellion) - ein verratener Überläufer wird zum Helden - er schnappt sich eine Superwumme mit albernem Namen und mäht alle nieder - Ende.

Yep, this film has a montage.

Wer sich im Oeuvre des Genres ein wenig auskennt, merkt schnell dass sich ’Defender 2000’ kaum von ’Stryker’, ’Die Solo-Kampfmaschine’ und diversen anderen PA-Schinken unterscheidet, die Regisseur Cirio H. Santiago (’Nam Angels’) in den Achtzigern im Dutzend billiger produzierte.
Dabei muss man dem Streifen für seine brachiale, wenn auch einfältig inszenierte Daueraction schon fast den ’B-Schein für besonders wertvolle Leistungen im Endzeit-Sektor’ ausstellen.
Soviel Geballer (ohne, dass je einer getroffen wird) und Explosionen (ohne, dass je einer verletzt wird), gibt es sonst nur in 10 Folgen ’A-Team’ am Stück.
Allerdings sollte man den Film nicht mit einem Kindergeburtstag verwechseln, denn wenn mal getroffen wird, platzen die Squids in Reihe, der titelgebende ’Defender 2000’ (im Original passenderweise als ’Equalizer 2000’ genannt) ist eine Wumme mit gewaltiger Durchschlagskraft und der schmierige Bösewicht lässt keine Gelegenheit aus, einen hilflosen, kurz vor dem Tode kriechenden Kameraden mit dem Flammenwerfer zu rösten.
Zwar haben die Figuren Namen wie ’Slade’, ’Lawton’ und ’Karen’, doch unterscheidet der Zuschauer sie meistens nicht durch etwaige Charakterisierung durch ihre Darsteller, sondern anhand ihrer Äußerlichkeiten (muskulöser, schwitzender Typ mit Lederweste & Wumme, fies guckender Typ mit Armeemütze, Schulterpolstern & Wumme, heiße Braut mit enormem Vorbau & Wumme).

Gelle?

Dabei hatte Santiago mit Richard Norton (’China O Brien’) sogar einen B-Film-Helden, mit Robert Patrick (’The Faculty’) einen späteren Klasse A Schauspieler und mit Corinne Wahl einen echten Blickfang in der Besetzung.
Ich könnte behaupten, dass die Herrschaften das Beste draus machen. Ich könnte genau so gut behaupten, dass Bailey und Santiago die etlichen Neben-Fraktionen, die sie irgendwann aus dem Ärmel zaubern nicht zur Vortäuschung von mehr Plot-Substanz dem Zuschauer um die Ohren hauen. Und ich könnte behaupten, dass die Musik tatsächlich in die Endzeit passt und nicht doch eher in einen Spencer/Hill-Klopper.
Aber warum sollte ich euch belügen? ’Defender 2000’ ist staubiges, knalliges, dummes und durch die Magie der bewegten Bilder filmgewordenes Dauerfeuer, das Fans hirnloser Non Stop-Action womöglich wie ein El Dorado der Platzpatronen vorkommen wird. Und irgendwann, wenn der große Knall alle Barbies und Kens von der Erde gefegt hat und die harten Jungs in Ledermontur auf ihren Raids durch die Lagerhallen eines alten Filmstudios ridern, werden sie vielleicht diesen Film finden und entweder aus dem Kreis der Gewalt ausbrechen und ihre Waffen an Felsen zerschmettern… oder sich Flammenwerfer besorgen und gegenseitig rösten.


Hudson